Andreas Wienekes Bergtouren Seiten
Dies sollte meine erste mehrtägige Bergtour werden. Mein Bruder, ein Kommilitone und seine Frau bekundeten Interesse mitgehen zu wollen. Da wir uns noch nicht so gut mit Bergtouren, Übernachtungen auf Berghütten und was so alles dazugehört auskannte, entschieden wir uns für eine Tour in den Bayerischen Alpen. Das Mangfallgebirge, besonders den Bereich um den Wendelstein kannte ich zum Teil durch meine Schwiegeroma, die in Brannenburg wohnte. Die Wahl fiel also auf diese Gebiet.
 
Der Zug brachte uns über München nach Langgries, das wir am frühen Nachmittag erreichten. Wir machten uns auf den Weg in Richtung Süden. Zunächst völlig eben vorbei an der Hohenburg und durch die Felder. Noch vor dem Örtchen Mühlbach teilte sich der Weg und wir entschieden uns der Forstweg entlang des Hirschbaches, vorbei an Geisreuth zur Stickel Alm zu folgen. Zwischenzeitlich sprühte es ein bißchen von oben, was uns aber nicht weiter verdrießte. An der Stickel Alm unterhalb des Grasleitenkopfes angekommen verließen wir die Forstweg nach rechts, querten den Hirschbach und stiegen auf einem schönen Pfad den Berg hinan. Wir erreichten nach einiger Zeit das Seekar, von dem es nur noch ein Katzensprung hinüber zur war. Einige Zeit nach uns traf noch eine größere Gruppe ein, die sich leider noch bis spät abends lautstark bemerkbar machte.
 

Von der Terrasse der Hütte hat man einen sehr schönen Blick auf die gegenüber liegenden Berge, das obere Isartal und bis weit hinein ins Karwendel. Bei unserem ausgiebigen Frühstück wurde der Panoramablick allerdings etwas durch die niedrigen Wolken getrübt. Wir machten uns schließlich auf den Weg in Richtung Roß- und Buchstein.
 
Zunächst ging es durch einige Schneereste hinauf zum Seekarkreuz. Von dort aus konnten wir schon einen guten Teil der Tour dieses Tages überblicken. Nach einer kurzen Gipfelrast ging es wieder hinab und auf schmalen Bergpfaden weiter nach Süden. Beim Mariaeck überwanden wir eine kurze interessante Steilstufe. Kurz danach stiegen wir auf das Plattel, ein kleines Hügelchen am Wegesrand und erreichten bei der Roßsteinalm den Forstweg, der von Fleck im Isartal aus herauf kommt (vergl. In Sechs Tagen von Lenggries nach Brannenburg durchs Mangfallgebirge). An der Roßsteinalm rasteten wir etwas. Leider konnte ich die anderen nicht bewegen hinauf zur Tegernseer Hütte zu steigen, sie waren unsicher wegen des Schnees, der noch in der Bergflanke lag.
 
Nach der Pause gingen wir daher weiter über den Paß am westlichen Fuß des Roßsteingipfels hinüber zur Sonnbergalm. Nach ausgiebigen Blicken auf die Südabstürze von Roß- und Buchstein begann ein zunächst noch moderater, bald jedoch sehr knackig werdender Abstieg durch den Wald weiter nach Süden, vorbei am Niederleger hinab ins Weißachtal.
 
Am Parkplatz unten angekommen kühlten wir erst einmal unsere heißen Füße und nachten uns dann auf in Richtung Bayerwald, da wir gelesen hatten, daß man dort eine Unterkunft bekommen könnte. Leider erwies sich diese Information (Kompass Reiseführer 922 von 1991) als nicht allzu aktuell, denn in Bayerwald gab es schon seit mehr als zehn Jahren keine Unterkünfte mehr. Die nette Wirtin dort wußte jedoch, daß es in Glashütte, fünf Autominuten talaufwärts Unterkünfte gab, telefonierte mit dem dortigen Wirt, der uns dann einige Zeit später sogar noch abholte, eine sehr nette Geste!
 
Leider blockten zwei der Mitwanderer wieder einmal meine Ambitionen ab die Gufferthütte als nächstes Ziel anzulaufen. Wir fuhren daher von Glashütte aus mit dem Bus bis Wildbad Kreuth. Nachdem wir das Bad kurz besichtigt hatten (wir wollten ja schon gerne mal sehen, wo die CSU ihre Klausurtagungen veranstaltet) gingen wir ganz leicht ansteigend den Forstweg zwischen Risserkogl und Haslerspitz nach Südwesten. Nach ca. einer Stunde machte ich am Schwarzen Kreuz noch mal einen Versuch die beiden für den Weg zur Gufferthütte zu überzeugen, aber vergebens. Das Tagesziel lautete daher nun zunächst Erzherzog Johann Klause. Der Forstweg stieg nun mehr und mehr an um dann kurz vor der Bayralm eine kleine Steilstufe zu überwinden. Kurz hinter dem Paß (und der deutsch-österreichischen Grenze) etwas nördlich oberhalb der Bayralm machten wir dann Mittagsrast.
 
Von dort aus ging es noch etwas weiter auf der Forststraße nach Süden. Bald endete diese jedoch und es ging auf einem Bergpfad mehrfach steil hinab und dann über Brückchen aus zwei längs gelegten Baumstämmen mal zur linken, dann wieder zur rechten Seite der der Bairache. Schließlich erreichten wir eine Asphaltstraße und die Brandenberger Ache.
 
Wir folgten zunächst der Strasse nach Norden, querten bei einem Stauwerk aber die Ache aber wieder hinüber zu einem Bergfpad, der uns schließlich zum brachte. Wir tranken uns ein Bierchen und beschlossen, da der Tag noch jung war doch noch zum Forsthaus Valepp weiterzugehen.
 
Der kommende Teil war der bis dahin landschaftlich schönste der Tour. Er führte auf schmalen Pfaden zunächst am linken, bald jedoch am rechten Ufer der Ache entlang an dieser Stelle beginnen die Wände steiler und höher zu werden und nach einer kleinen Biegung stieg der Weg dann den rechten Hang hinauf. Beim Malerschlag erreichten wir abgekämpft die österreichisch-deutsche Grenze und freuten uns, daß es nur noch bergab zum ging.
 
Leider sind die Quartiere dort sehr einfach. Wer kann sollte unbedingt weiter zum gehen oder mit dem Bus fahren. Die noch etwas weiter liegende kann ich nicht empfehlen.
 
Am Morgen stiegen wir unmittelbar hinter dem Haus durch das nasse Gras aufwärts zu einem Forstweg hinauf uns folgten dieser nach Norden. Nach einiger Zeit bog der Weg nach rechts ab, und führte uns zum Elendsattel. Dort verließen wir der Weg und folgten den Pfad zwischen Pfannkobel und Berneck hindurch auf den unteren Teil der Rotwand zu. Der Weg führte zunächst etwas auf den Auerberg zu und dann direkt den Berg hinauf in die schmale Mulde zwischen Rotwandhaus und Auerspitz. Wir hatten es fast geschafft, nur noch ein oder zwei Schneefelder waren zu queren, ein kleines steiles Stückchen hinauf und wir waren im Rotwandhaus (DAV, 1.765 ).
 
Nach einem Radler und einer Suppe hatten mein Bruder und ich noch genug Energie, um den Gipfel der Rotwand (1.884 m) zu besteigen. Von hieraus hat man einen wunderbaren Rundblick auf das im Süden gegenüberliegende Sonnenwendjoch.
 
Direkt im Norden befand sich der Wendelstein. Er ist zwar 46 m niedriger als die Rotwand, aber, da durch gleich zwei Bergbahnen erschlossen, auch erheblich stärker frequentierter. Da wir immer noch nicht genug hatten, bummelten wir noch ca. ½ Stunde auf einem guten, breiten Bergweg fast bis hinab zur Bergstation der Spitzingseebergbahn bevor wir schließlich zurück äzum Rotwandhaus gingen..
 
Das Ziel des Tages war eigentlich das Silberberg Haus. Wir stiegen zunächst von der Hütte hinab in die Mulde zwischen Rotwandhaus und Auerspitz und von dort aus auf einem schnalen Bergpfad weiter den Südhang des Auerspitzes und des Maroldscheides hinab. An einer Stelle, die der Regen nahezu weggewaschen hatte gab es noch ein Schrecksekunde: Mein Kommilitone kommt ins rutschen! Er kann sich ca. 10 m weiter unten fangen und wir helfen ihm vorsichtig wieder hinauf. Nach einiger Zeit hat er sich auch moralisch wieder gefangen und es konnte auf dem nun guten Bergweg weitergehen. Kurz vor der Niederhofer Alm gab es noch eine positive Überraschung: eine Gemse lief uns dann fast über die Füsse. Bei der Niederhofer Alm beginnt dann wieder ein Forstweg, auf dem wir vorbei an der Sonnbichler Alm und immer weiter bergab bis wir schließlich das Silberberg Haus erreichten. Wieder irrte der Kompassführer, es gab dort weder eine Jausenstation geschweige denn ein Unterkunftshaus.
 
So begaben wir uns auf den Weg das Ursprugtal abwärts nach Norden in Richtung Bayerischzell. Dort begann eine entwürdigende Quartiersuche in. Wir fragten an Pensionen, die frei Zimmer ausgewiesen hatten nach einer Unterkunft für uns für eine Nacht, aber überall wurden wir nur mißtrauisch gemustert und es folgte die Auskunft die Zimmer seien alle belegt. Bayerischzell sieht mich als Gast ganz sicher nicht wieder!
 
Schließlich fanden wir eine Broschüre mit Unterkünften. Nach einigen Telefonaten konnten wir eine in Geitau finden, wo man bereit war uns auch für nur eine Nacht aufzunehmen. Wie sich herausstellte war das ein echtes Glück. Nicht nur die Wirtsleute waren sehr nett, auch das Haus war wunderschön und hatte einen tollen Blick auf den Aiplspitz.
 
Mein Kommilitone und seien Frau wollten gerne ausspannen und entschlossen sich nach Fischbachau ins Freibad zu gehen. Mein Bruder und ich wollten aber lieber wieder hoch und beschlossen eine kleine Rundtour zu machen. Wir gingen vom Haus aus nach SW auf den Aiplspitz zu. Der Weg stieg führte zunächst in einigen Kehren den Berg hinauf und erreichte bald die Krottentaler Alm. Hier oben war es einigermaßen erträglich, denn unten im Tal war es schon recht warm gewesen. Nach einer Pause und ausgiebigem Schauen stiegen wir in die Scharte zwischen Aiplspitz und Kleinmiesing auf. Das Schild "Nur für Geübte", das den Weiterweg zum Aiplspitz Gipfel markierte beeindruckte uns nicht all zu sehr. Es ging über leichtes Blockwerk stetig den SO-Grat hinauf zum Gipfel. Nach einiger Zeit erreichten wir den Gipfel, gerade noch zeitig genug, bevor die ersten Wanderer den Gipfel über den leichten Weg von der Spitzingsee Bergstation erreichten. So hatten wir bereits einen guten Platz und freuten uns über den 360° Ausblick, nur gelegentlich durch das laute Rauschen der Segel- und Drachenfliegern gestört.
 
Nach einer ausgiebigen Gipfelrast stiegen wir den leichten Weg über den W-Grat hinab. Wir passierten das Tanzeck und stiegen dann noch mal auf den Rauhkopf. Nun sollte es erst mal genug sein und wir stiegen aus der Scharte zwischen Rauhkopf und Taubenstein hinab zum Taubensteinhaus, wo wir erst mal Mittag machten. Diesmal konnten wir die Rotwand von der anderen, der Nordseite aus bewundern.
 
Da wir noch viel Zeit hatten, überlegten wir nicht direkt nach Geitau abzusteigen. Wir gingen also weiter zur Großtiefental Alm und von dort aus hinauf zum Sattel zwischen Rotwand und Hochmiesing, den wir uns jedoch für die nächsten Jahre aufsparten.
 
Vom Sattel aus stiegen wir dann über Almwiesen hinab zur Großtiefenthal-Alm, von der man noch mal die schroffe Nordseite der Rotwand sehen kann. Wir umrundeten die Ruchenköpfe im Norden und gelangten zum malerischen zwischen Maroldscheid im Süden und Dürrmiesing im Norden gelegenen Soin-See. Nach einer kurzen Rast, am östlichen See-Ende die wir zum schauen nutzten, wanderten wir zunächst steil, später weniger steil hinab zur Untersteilen-Alm. Hier wurde der Weg etwas flacher und führte uns um den östlichen Wandfuß des Dürrmiesings herum nach Norden nach Mieseben. Über den flachen Talgrund, vorbei an einem Segelflugplatz schlenderten wir zurück in unser schönes Quartier nach Geitau.
 
Der vorletzte Tag der Tour war angebrochen. Wir querten die Bundesstraße und gingen leicht aufsteigend in Richtung Fischbachau. Nach ca. 20 Min. bog der Weg nach rechts ab, und wurde an der Rieder Alm steiler. Es folgte ein schöner Bergpfad, der die Südseite des Schweinsberges steil hinauf führte. Unterhalb der Kirchwand wurde er wieder etwas flacher und wir genossen immer wieder die Tiefblicke ins Leizachtal und auf die gegenüber liegenden Berge Aiplspitz, Miesing und Seebergkopf. Der Weg führte weiter nach SO, bis unter die Seile der Wendelstein Bergbahn. Von dort aus steigen wir in der Mittagshitze noch ein steiles Stück im Zickzack bis zur Bergstation hinauf.
 
Hier oben traf uns die volle Wucht der Touristenmassen, wie bei uns im Sommerschlußverkauf! Wir tranken das eine oder andere Radler und verabschiedeten uns bald, nicht jedoch ohne vorher von der Aussichtsplattform den Blick bis in die Zentralalpen zu genießen.
 
Unser weiterer Weg führte uns nun über den kleinen Sattel bei der Wendelsteinkapelle hinab. Es ging über einen schmalen Pfad, den einen oder anderen Felsen hinab zur Zeller Scharte. Hier wandten wir uns nach Nordosten, und unterquerten die Zahnradbahn. Hier stiegen wir zunächst nach Nordosten, später nach Nordwesten ab und trafen bei den Reindler-Alm auf den von Brannenburg kommenden Weitwanderweg E4 (Forstweg bis zur Reindler-Alm). Auf diesem gingen wir nun gemütlich vorbei an der . Hier tauchten wir wieder in den Wald ein. Ab hier fällt der Forstweg steil bis zum Haltepunkt Aipl ab. Es ging immer weiter bergab den Weitwanderweg E4 hinab bis wir bei St. Margarethen schließlich den Wald wieder verließen. Nach einiger Zeit erreichten wir den Gasthof Post in Brannenburg, wo wir unsere schöne erste Bergtourenwoche beschlossen. Ich beschloß, daß das ganz sicher nicht meine letzte Tourenwoche gewesen war.