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Sarntal
Eine Alternative Tourenbeschreibung
Sarntal
Eine Alternative Tourenbeschreibung
Eigentlich wollte ich schon einen Tag ehr angereist sein, aber das Wetter war in den Alpen dermaßen schlecht gewesen, dass es keinen Sinn machte schon am Wochenende anzureisen. Als ich dienstagabends das Penser Joch erreichte, sah ich auch dass es sehr gut gewesen war mit der Tour noch zu warten. Auf dem Joch lag 10 cm Neuschnee und es fegte ein eisiger Wind über den Pass.
Nach einigen Fotos flüchtete ich mich in meinen warmen Wagen und klemme ich mich hinter einen Schneepflug der gerade wieder bergab fuhr. So erreichte ich nach einiger Zeit sicher meine Unterkunft in der Pension Kranzlstein in . Dort hatte ich auch im Jahr 2000 schon mal übernachtet hatte. Das war umso besser, als dass sich die Wirtin, Frau Spögler sehr gut auf den Wegen des Sarntales auskannte, sie hatte selbst an dem "Sarner Ferienführer" mitgeschrieben und konnte mir meinen ersten Anstieg zur Sarner Scharte daher gut beschreiben. Abends hatte ich noch ein hervorragendes Abendessen im Restaurant Burg Keller nahe der Pension.
Da von Sarnthein bis zur Sarner Scharte insgesamt über 1.500 Hm zu bewältigen sind, wollte ich mir etwa 500 Hm des Aufstiegs zur Scharte sparen. Interessant ist noch, dass die Sarner Scharte nicht ein Pass, sondern ein Berg ist. Auf Italienisch heißt er denn auch Monte Forcella Sarentina. Der Pass selbst hat keinen eigenen Namen außer "Schartl".
Ich ließ mich also mit einem Taxi bis zum Hof Riedler hochfahren, was jedoch recht teuer war. Aber immerhin, ich hatte eine gute Stunde Aufstieg gespart. Ich ging also auf dem Weg { 3a } weiter die Alm hoch und unmittelbar an der Jausenstation vorbei in den Wald hinein.
Bald aber schon verließ ich den Wald und ging zwischen Latschen weiter aufwärts. Hier begegnete ich auch nach und nach wieder den ersten Schnee und Eisfeldern. Der Weg war insgesamt leicht, auch wenn einige mit Schnee und Eis bedeckten Stellen erhöhte Aufmerksamkeit forderten. Lediglich an der einen oder anderen Stelle musste ich wegen des Eises etwas aufpassen.
Schließlich waren auch die Latschen zurückgewichen und ich stieg den letzten Teil zum Schartl hinauf. Auf dem letzten Teilstück hatte ich beim Blick durch das Fernglas eigentlich etwas Kletterei erwartet, es handelt sich aber bis auf die Scharte nur um einen ganz einfachen Bergweg.
Oben auf der Scharte (2.342 m) steht eine kleine, recht neue Biwakschachtel. In der Nähe machte ich erst einmal eine Pause in der Bergeinsamkeit und versuchte den weiteren Weg des Tages zu finden. Das gelang mir auch größtenteils gut, da der Villander Berg, das Rittner Horn und die Wege dorthin von dort oben aus überwiegend gut zu sehen waren.
Nach einiger Zeit führte mich mein Weg { 2 } weiter entlang der steilen Westabbrüche zum kaum ausgeprägten, Fußballfeld großem Gipfel der Sarner Scharte (2.460 m). Ohne wirkliche Pause ging ich bald schon weiter hinüber zum Villanderer Berg (2.509 m), den ich nach einem kurzen Gegenanstieg ebenfalls leicht erreichte. Hier oben war schon deutlich mehr Betrieb, als auf der Sarner Scharte. Da lag zum einen daran, dass es nun auch schon eine Stunde später war, andererseits aber auch daran, dass der Gipfel auf leichten Wegen von Sarnthein aus erreichbar ist. Hier oben hatte ich einen herrlichen 360° Rundblick über die gesamten Sarntaler Alpen.
Mein weiterer Weg { 2 } führte mich nun über die sanften SO Hänge des Villanderer Berges gemächlich abwärts vorbei am Rittner Bilderstock (2.150 m) auf den Gasteiger Sattel (2.058 m, Wegkreuz) zu. Hier hatte dieser Teil des Weges seinen tiefsten Punkt erreicht und er begann nun wieder auf einem breiten Fahrweg sanft in Richtung Rittner Horn zu steigen (Weg { 1 }).
Schließlich zweigte ein Wanderpfad von dem Fahrweg ab und zickzackte sich etwas steiler bergan zum breiten Gipfel des Rittner Horns, den ich schon bald darauf erreichte und im Rittner Horn Haus (CAI, 2.260 m) eincheckte.
Nach einer ruhigen Nacht, einer warmen Dusche und einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf den Weg. Zunächst folgte ich dem Weg { 1 } des Vortages bis zum Gasteiger Sattel (Wegkreuz) und schließlich gemächlich ansteigend hinauf zum Rittner Bilderstock.
Hier ging's steil abwärts, was durch einige Eisflächen, bedingt durch die nordseitige Lage etwas erschwert wurde. Unten angekommen folgte ein teilweise recht unangenehmer Weg, da er längere Zeit durch die ziemlich sumpfigen Mooswiesen führte. Allerdings war dieser Teil selbst jetzt im Herbst landschaftlich noch großartig. Auf ihm querte ich das riesige Becken zwischen Villander Berg und der Jocherer Alm. Der Weg verlief dabei häufig über Bretter im Sumpf, immer wieder unterbrochen durch kurze Etappen auf Fahrstrassen.
Ich stieg den sanften, breiten Hügel hinauf in Richtung Jocherer Alm und machte etwas unterhalb erst einmal eine ausgiebige Pause. Es war zwar immer noch ausgesprochen kühl, aber da die Nachmittagssonne vom fast blauen Himmel schien, sehr erträglich. Von dort aus konnte ich auch den größten Teil des Weges vom Rittner Horn herüber nachverfolgen.
Schließlich ging ich die letzte Etappe des Tages an, die mich östlich um den Jocherer Berg herum zum Hospiz bringen würde. Der Weg stieg nun den breiten Hügel aufwärts und führte dann in die etwas steilere Ostflanke des Jocherer Bergs. An einem kleinen Pass schließlich wurde er zu einem schmalen Bergpfad, der steil in eine Senke vor dem Hospiz abfiel.
Nach einen kurzen Gegenanstieg der den letzten Höhenverlust wieder mehr als ausglich, hatte ich das erreicht. Dies steht neben der höchstgelegenen Wallfahrtskirche Europas. Ich genehmigte mir erst einmal eine Suppe und ein Spezi und ließ mich von der Sonne verwöhnen.
Der Tag war aber noch jung und zum leicht zu erreichenden Gipfel der nahen Kassianspitze sollte es nur eine knappe Stunde sein. Ich checkte also in der Hütte ein, brachte meinen Rucksack in das Lager und ging auf dem breiten Fahrweg nach W. Dort, in einem topfebenen Kar zweigte der Weg zum Gipfel nach N ab.
Schon nach kurzer Zeit begann er deutlich zu steigen und zickzackte sich die S-Flanke des Berges aufwärts. Dabei passierte ich einen wunderschön gelegenen kleinen See. Zum Schluss ging's etwas steiler aufwärts, hin und wieder konnte ich dabei auch mal die Hände gebrauchen. Nach einer knappen Stunde schließlich hatte ich den Gipfel der Kassianspitze (2.581 m) erreicht.
Dort oben hatte ich wieder eine wunderbare 360° Rundumsicht auf die gesamten Sarntaler Alpen sowie bis weit in die Zentralalpen und die Dolomiten. Ich blieb einige Zeit oben und überlegte noch über den Ritzlar wieder zur Hütte abzusteigen. Nach einem kurzen Erkundungsgang sah ich davon jedoch wegen des vielen Schnees davon ab. Schließlich ging ich auf dem Aufstiegspfad zurück zur Hütte.
Dieser Tag sollte mich zu einer weiteren Hütte der Sarntaler bringen die ich noch nicht kannte, der Flaggerscharten Hütte . Nach einem guten Frühstück folgte ich dem schmalen Pfad, der entlang der Westflanke des Ritzlar hinüber zur zwischen der Kassian- und Lorenzispitz gelegenen Fortschell Scharte (2.299 m) führt. Dabei verliert man einige Hm, die man zur Scharte hin jedoch wieder ansteigt.
Von der Scharte aus konnte ich schon fast den gesamten Teil der Tagesetappe sehen. Nach einer kurzen Pause folgte ich dem nun breiten Bergweg, der gemächlich über die Grossalm abwärts führte. In 2.180 m Höhe zweigte der Weg zur Flaggerscharten Hütte bei einer deutlichen Markierung nach rechts ab.
Nun folgte ein ständiges Auf und Ab über Karrenfelder und gelegentliches Blockwerk. Besonders die nordseitig gelegenen teils steilen Abstiege waren durch gelegentliche Schnee und Eis Bedeckungen schwierig.
Nach einiger Zeit hatte ich es aber geschafft und stand auf dem Tellerjoch (2.563 m). Von dort aus konnte ich die Flaggerscharte und die gleichnamige Hütte schon sehen. Ich hatte nun die Wahl zwischen einem steilen 100 Hm Abstieg in das obere Seebach Tal mit entsprechendem Gegenanstieg zur Flaggerscharte, oder eine Überschreitung des Jakobspitz mit einem Abstieg zur Flaggerscharte.
Da mir die Überschreitung interessanter erschien stieg ich ohne Rucksack gut 100 Hm auf und erkundete den weiteren Weg; er sah nicht allzu schwierig aus. Also holte ich den Rucksack und ging los.
Der Aufstieg verlief die ganze Zeit über den Grat, oder einige Meter unterhalb auf dessen Südseite. Hin und wieder braucht man dort auch mal beide Hände, überwiegend aber handelt es sich um einen gut gehbaren, markierten Steig. Nach einiger Zeit hatte ich den Gipfel des Jacobspitzes (2.742 m) erreicht und genoss die herrliche 360° Rundsicht in der Bergeinsamkeit.
Ich hätte "ewig" dort oben bleiben können, aber die Kälte und der Wind vertrieben mich dann doch irgendwann vom Gipfel und so begann ich den Abstieg entlang des Nordgrates. Der war prinzipiell nicht schwieriger als der Aufstieg vom Tellerjoch, jedoch machten ihn Schnee und Eis nun doch erheblich schwieriger. Besonders das letzte steile Stück hinab zur Flaggerscharte verlangte extreme Vorsicht und Aufmerksamkeit. Glücklicherweise hingen in einer besonders schwierigen und vereisten Stelle einige Seile. Schließlich hatte ich die Scharte heil erreicht und nach einigen Metern Gegenanstieg auch die .
Die Flaggerscharten Hütte ist eine teils neue renovierte Hütte, die wunderschön am gleichnamigen See liegt. Nach einer ausgiebigen Rast erkundete ich noch den Weg bis zur nächsten Scharte, denn nach dem schwierigen Abstieg vom Jakobspitz wollte ich wissen, was am folgenden Tag auf mich zukommen sollte, also machte ich mich nochmal auf den Weg.
Nachdem ich einen kleinen Hügel erstiegen hatte, traf ich auf eine 20 m lange, steil abfallende verseilte Rinne in der reichlich Eis lag. An deren Ende stieg ich einen steilen, gerölligen Pfad aufwärts und erreichte so den Pass. Der war nordseitig ebenfalls wieder recht steil und hatte auch wieder einiges an Schnee und Eis. Naja, morgen würde ich es trotzdem versuchen. In der Rinne schließlich kratzte ich das noch Eis von den Felsen, damit ich es am folgenden Tag mit dem Rucksack leichter haben würde.
Nun war also der letzte Tag meiner Tour angebrochen. Ich erreichte zunächst den kleinen Hügel bei der Hütte und stieg die schmale steile Rinne hinab. Das ging ohne das Eis und mit dem Rucksack recht gut. Ursprünglich hatte ich eine Überschreitung des Tagwaldhorns geplant, aber nach der Erfahrung mit dem Nordgrat des Jakobspitz am Vortag und Informationen von Wanderern ließ ich es und stieg wieder steil zum Pass zwischen Hörtlaner Spitze und Tagwaldhorn hinauf (Weg { 13, 15 })
Wie am Vortag schon zu sehen ging's nun teils steil über Schnee und Eis hinab. Glücklicherweise betraf das nur die oberen 30 bis 40 Hm, dann wurde der Weg flacher. Er führte mit deutlichem Höhenverlust hinunter zum Zusammentreffen mit dem von der Traminscharte kommenden Weg { 15 } bei einem malerisch gelegenen kleinen See. Ich folgte zunächst dem Weg { 13 } und später dem mit { Ω } markierten Weg weiter in Richtung N und ging dabei über den schönen Pfad weiter abwärts auf die Seeberghütte zu. Bei 2.050 m begann der Weg dann wieder zu steigen und führte auf das Niedereck. Auf der Karte war noch ein anderer Weg eingezeichnet, der ohne Höhenverlust um den Hochplatzen herum führte, die Abzweigung hatte ich jedoch auf dessen Südseite nicht gefunden.
Auf der Rückseite des Niedereck war wieder Vorsicht geboten, denn der Weg { 14a } traversierte dessen steile N-Seite. Auf dem Verbindungsgrat zwischen Niedereck und Astenberg hingegen hatte ich einige interessante Tiefblicke in dessen steil abfallende NO-Flanke.
Da mir der Weg auf gleicher Höhe um den Astenberg (2.346 m) herum zu langweilig war, überquerte ich den Berg. Von dessen breiten, flachen Gipfelplateau aus war es dann nur noch ein sich treiben lassen und ich erreichte nach kurzer Zeit das Penser Joch (2.215 m), wo ich eine längere Pause machte.
Nach einer Suppe und ausreichenden Mengen an "Spezi" begann ich die letzte Etappe des Tages. Diesen Weg war ich schon mal in umgekehrter Richtung gegangen und wusste daher, dass nur ein kleiner Anstieg zum Gerölljoch, aber ein langer, anstrengender Abstieg nach Weißenbach folgen sollte.
Zunächst aber wollte ich bei dem herrlichen Wetter ein Panorama der Gegend vom Gamskragen aus machen. Die 100 Hm dort hinauf hatte ich schnell hinter mich gebracht und wirklich, der Blick von dort oben war wirklich eindrucksvoll. Im Süden das dominierende Penser Weisshorn, im Norden die Stubaier und Zillertaler Alpen, einfach großartig!
Weglos ging ich schließlich Richtung SW, bis ich auf den Weg { 12a } traf, der mich lange Zeit gemächlich ansteigen nach SW brachte. Erst kurz vor dem Gerölljoch begann er stärker zu steigen. Dieser Bereich war allerdings vom Wind abgeschattet und so brannte die Sonne nun erbarmungslos, daher wurde es dort dann doch noch etwas anstrengend. Schließlich erreichte ich das Joch (2.590 m) und schaute mich um. Da ich inzwischen schon ca. 6 Stunden unterwegs war, konnte ich mich nicht mehr motivierten auch noch die 150 Hm auf das Weißhorn zu klettern.
Ich pausierte also etwas auf dem Pass und stieg dann das Joch südseitig abwärts. Im oberen Bereich ist da durchaus gewisse Vorsicht geboten, denn wie der Name schon sagt, liegt dort viel rutschiges Geröll auf einem felsigen Untergrund und der obere Bereich ist zudem sehr steil.
Schließlich aber wurde der Weg flacher und ich erreichte die weiten welligen Wiesen der Oberbergalm und tauchte etwas dartauf in den wunderbar herbstlichen Wald ein. Es folgten zwei Kilometer auf einer teils sehr steilen "Knieschnaggler" - Betonpiste bis ich den Ort Weißenbach erreichte.
Nun musste ich noch nach Sarnthein zurück und hoffte, dass der Buss noch fuhr, oder mich jemand per Anhalter mitnahm. Diesmal hatte ich aber wieder Glück, denn kaum auf der Brücke in Weißenbach angekommen hielt auch schon ein Wagen und ein freundliches Münchener Pärchen nahm mich bis nach Sarnthein mit, Bingo! Ich bekam wieder mein schönes Zimmer in der Pension Kranzlstein, esse abends eine wunderbare Pizza im Ort und lasse so vier schöne Tage in den Sarntaler Alpen ausklingen.
Dieser Tag brachte mich nach einem guten Frühstück wieder durch das Sarntal und über das Penser Joch wohlbehalten zurück nach Hause.
Wegen des herrlichen Wetters musste ich aber noch mal in Weißenbach und auf dem Penser Joch anhalten um ein paar Fotos zu schiessen.