Hanspaul Menara, Athesia Verlag, Bozen
Die Anreise nach Meran erfolgte wie bisher immer mit dem Liegewagen der DB. Gegen Mittag war ich dann im sehr warmen Meran, genoß ein Eis und fuhr bald im Bus ins Passeiertal Tal nach Saltaus. Der Weg dorthin war sehr eindrucksvoll. Die Strasse führte z.T. hoch über dem Tal auf einer schmalen Trasse entlang. Von dort aus konnte man die wunderschöne Landschaft mit den vielen Apfelbaum- und Weinfeldern betrachten. Da ich nicht in der Mittagshitze fast 1.500 m bis zur Hirzer-Hütte aufsteigen wollte, bestieg ich in Saltaus die Hirzer-Seilbahn und ließ mich bis zur Mittelstation in 1.400 m Höhe hochziehen. Hier war es jedoch auch nicht merklich kühler.
Ich stieg nun die letzten fast 600 m zu Hütte hinauf. Von der Seilbahnstation ging ich etwas eben auf einer asphaltierten Strasse nach Norden, aber bald zweigte rechts ein mäßig steil ansteigender Schotterweg ab. Diesem folgte ich in den Wald und erreichte, schliesslich entlang einer Wiese den Weiler Wahlgut (1.569 m). Der Weg führte daran vorbei über die Wiese und tauchte wieder in den Wald ein. Hier wurde der Weg steiler und erreichte bald den Gasthof Grube (1.808 m). Ich folgte dem Weg nach Norden über eine Wiese und einen Schotterweg und erreichte nach einem kurzen Anstieg durch den Wald und über eine Bergwiese die Bergstation der Hirzer-Seilbahn.
Ich ging daran vorbei, stieg ein kurzes Stück steil ab und erreichte bald sanft wieder ansteigend die Hirtzer Hütte (CAI, 1.983 m, Rif. Punta Cervina). Die Hüttenwirtschaft war sehr nett, ich war der einzige Gast an diesem Abend und es gab eine kostenlose, warme Dusche. Am Abend genoß ich noch die warmen Strahlen der untergehenden Sonne.
Um 7 Uhr stand ich auf und ging kurz vor acht Uhr los. An diesem Tag sollte mich mein Weg größtenteils entlang des Europäischen Fernwanderweges Nr.5 (Bodensee - Meran) führen. Es herrschte wunderbares Wetter und zunächst ging es hinauf zur obere Scharte am Hirzer. Der Weg führte quer über die Wiese direkt nach Norden auf den Hirzer-Sattel zu. Kurz nach der Wiese steig der Weg zunächst auf der orografisch linken Seite mäßig steil an. Er führte, glücklicherweise im Schatten des Hirzers, auf eine Kuppe in der Mitte des Kars und darauf weiter aufwärts. Bald erreichte ich das erste Schneefeld. Nun wurde der Weg steiler und stieg schliesslich sehr steil zur Scharte hin an. Kurz vor der Scharte galt es noch ein kurzes, aber ca. 50° steiles Schneefeld zu überwinden. Leider verstieg ich mich bei dem Versuch in den Fels auszuweichen etwas. Schliesslich aber erreichte ich wohlbehalten die breite Passhöhe (2.678 m.)
Nachdem ich einige Zeit gerastet und die kleine Kuppe beim Paß erkundet hatte ging ich weiter um den Hirzer zu besteigen. Dies war vom Paß aus völlig unproblematisch und bald stand ich auf dem 2.781 m hohen Gipfel. Da der Hirzer der höchste Gipfel der Sarntaler Alpen ist und das Wetters ausgezeichnet was, war das Panorama überwältigend. Im Südwesten, hinweg über den Talboden von Meran die Ortleralpen, unmittelbar gegenüber im Nordwesten, getrennt durch das Passeiertal, die Texelgruppe in den südlichen Ötztaler Alpen, im Nordwestenen die Stubaier Alpen, im Nordosten die Zillertaler Alpen, im Osten und Süden die Sarntaler Alpen. Ich konnte mich gar nicht satt sehen!
Nach ca. einer halben Stunde ging ich aber doch weiter. Zunächst den Hirzer hinab bis fast zum Pass, dann aber steil weiter ca. 600 m abwärts hinunter zur Anteranalm. Dieser Weg wird als Gebirgsjägersteig bezeichnet, da er von den Reservisten der Gebirgsjäger angelegt wurde. Vom Talboden der Alm aus (2.108 m) ging es in leichtem auf und ab hinüber zum herrlich in einem Kar gelegenen Kratzeberger See. Weiter ging es zunächst eben, dann aber leicht ansteigend hinüber zum Missensteiner Joch (2.128 m). Hier konnte man das Skigebiet "Meran2000" gut überblicken. Anstatt direkt hinab zur Meraner Hütte zu steigen, stieg ich zunächst noch zum Kesselberg Haus (priv., 2.300 m, Rif. Valcanova) auf, die ich ½ Stunde später erreichte. Hier genehmigte ich mir erst einmal zwei Spezi, bevor ich zur abstieg. Beide Hütte haben durch das Skigebiet weniger den Charakter einer urigen Berghütte, als mehr den Charakter von Gasthöfen.
Da es noch nicht all zu spät war beschloss ich doch noch weiter zur Sarner Skihütte auf der Auener Alm zu gehen. Ich stieg nochmals etwas an, und erreichte nach 10 Minuten den Pass auf dem Scharteboden. Hier verließ ich den Europäischen Fernwanderweg Nr. 5 und wandte mich nach links, um am südwestlichen Hang des kleinen Mittagers über die Öttenbacher Alm hinabzusteigen. Am Beginn des Fahrweges stieg ich steil hinab zum Bach, querte ihn und ging auf der linken (südlichen) Seite des Tales, unterhalb des Karkofels auf einem guten Forstweg zunächst etwas ansteigend, dann aber wieder hinab zur Sarner Skihütte (1.614 m). Hier erlebte ich eine Überraschung: Die Hütte war geschlossen, da sie z.Zt. keinen Pächter hatte. Da ich nun schon 10 Stunden unterwegs war und nicht mehr weitergehen wolle, beschloß ich für 96.000 Lire im Auener Hof mit Halbpension zu nächtigen. Immerhin gab es zum Abendessen ein fünf Gänge Menü. Die komfortable warme Dusche genoß ich nach diesem langen heißen Tag ebenfalls sehr.
An diesem Tag wollte ich 700 m hinabsteigen nach Sarnthein, durch den kleinen Ort hindurch, wieder 1400m hinauf zur Sarner Scharte und entlang der großen Hufeisentour hinüber, 400 m absteigend, zum unterhalb des Rittner Horns gelegenen Unterhornhauses. Soweit die Planung!
Schon als ich um 8 Uhr losging war es am Auerner Hof in 1.600 m Höhe drückend schwülwarm. Als ich den Ort erreichte, wurde ich von der Hitze und Schwüle fast erschlagen. Ich begann noch etwas aufzusteigen, aber bald machten sich neben der enormen Hitze auch die Anstrengungen der langen Tour des Vortages bemerkbar. Ich beschloß einen faulen Tag einzulegen und quartierte mich für einen Tag in der Pension Kranzlstein ganz in der Nähe des Ortskernes ein. Im Laufe des Nachmittages bedeckte sich der Himmel etwas und es kühlte etwas ab. Am Abend genoß ich wieder die Dusche und später noch eine ausgezeichnete Portion Nudeln etwas ausserhalb des Ortskerns
Nach dem Ruhetag war ich wieder fit und ließ mich, in Ermangelung eines Busses, von einem Taxi einige km nach Norden, in die Ortschaft Reinswald zur Talstation der Bergbahn fahren (1.560 m). Zunächst stieg ich in mehreren Kehren auf einem Forstweg den Pichlberg hinauf. Durch den kleinen Kessel der "Planken" erreichte ich den von der Pichlberg Hütte kommenden Fußweg. Ich ging am Südhang des Plankenhorns leicht abwärts hinab zur Jausenstation Gedrum. Dort machte ich aber noch keine Pause, sondern ging direkt weiter den Hang entlang in den grossen Kessel zwischen Plankenhorn und Kassianspitze.
Hier im wunderschönen Kessel machte ich erst einmal eine Pause. Von hieraus konnte ich schon gut die Lückl Scharte sehen, hinter der sich das Schutzhaus "Latzfonser Kreuz Hospiz" befindet. Nach einiger Zeit stieg ich die letzten Höhenmeter hinauf zur Lücklscharte (2378 m). Von hier aus konnte man das Hospiz bereits sehen und nach einem kleinen Abstieg erreichte ich mein Etappenziel, das . Leider hatte das Haus gerade an diesem Tag den ersten Tag in dieser Saison geöffnet, weshalb es völlig überfüllt war.
Nach einem Spezi machte ich mich schnell auf den Weiterweg. Der führte mich über einen schönen Bergpfad nach Norden, entlang der Westflanke der Kassianspitze hinüber zur zwischen der Kassian- und Lorenzispitz gelegenen Fortschell Scharte (2.299 m). Hier pfiff der Wind kräftig hinüber, weswegen ich meine Pause in den Windschatten der Scharte verlegte. Ich wartete jedoch nicht lange, da sich das Wetter zusehends von Südwesten her verschlechterte. Prompt geriet ich auf der Plankenalm in den Regen. Ich ging durch den Regen weiter hinab, erreichte bald den vom Hospiz herunter kommenden Forstweg. Auf diesem ging ich zunächst beinahe eben, aber nach dem südlichen Gradausläufer des Lorenzispitz bei den Rungger Hütten steil hinab zur . Hier legte ich eine grössere Pause ein und gönnte mir ein Mittagessen.
Nach einer Stunde, der Regen hatte aufgehört und es klarte merklich auf, setzte ich meinen Weg fort in Richtung meines Tagesziels, der Radlsee Hütte. Der Weg führte unmittelbar hinter der Klauser Hütte steil durch den Zirben- und Tannenwald hinauf zur Kühbergalm. Das Wetter besserte sich mehr und mehr. Nun folgte eine Genußwanderung aufwärts über die Kühalm bis zum Königsanger. Der Bereich dort hatte besonders viele Blumen, wie z.B. Enziane, Almrausch und Pelzanemonen.
Mit dem Betreten der Alm wurde der Weg merklich flacher und ich stieg gemütlich weiter hinauf zur Lorenzischarte (2.190 m). Von dort aus ging es weiter den Hang unterhalb des Eisköfples querend auf den Königsanger (2.436 m) zu, den ich bald leicht erreichte. Von dieser Seite aus ist er wirklich sehr einfach zur erreichen. Trotz der Wolken, die sich noch im Norden und Osten befanden war der Blick vom Gipfel vor allem nach Noren, Osten und Süden sehr eindrucksvoll.
Man blickt im Norden über das Schladerer- und Eisacktal hinweg direkt hinüber zu den Eisriesen der Zillertaler Alpen. Im Osten reichte der Blick bis zu der Riesenferner Gruppe und im Süden, ebenfalls über das Eisacktal hinweg zur zum greifen nahen Plose und etwas weiter entfernt die Aferer-Geiseln, die Geislerspitzen, Sella, Lang- und Plattkofel und Schlern.
Nach einiger Zeit verließ ich dann den Gipfel und erreichte ½ Stunde später die letzte Hütte dieser Tour, die Diese Hütte entpuppte sich als urige Berghütte mit sehr netter Wirtschaft. Besonders die Sicht nach Süden und Osten ist großartig. Die Hütte liegt wie auf einem Aussichtsbalkon hoch über dem Eisacktal, so erlebte ich am Abend noch ein wunderbares Alpenglühn in den Dolomiten. Die Hüttenmaccharoni und die frisch bereitete Leberknödelsuppe waren grosse Klasse. Ich war für die Nacht wieder der einzige Gast.
Da ich gegen 11 Uhr einen durchgehenden Zug nach hause erreichen wollte, begann ich schon um sieben Uhr mit dem Abstieg nach Brixen, schliesslich waren bis dorthin fast 1700 Hm im Abstieg zu bewältigen. Der Weg führte von der Hütte entlang des Materialliftes über bergab und tauchte bald in den Wald ein. Nun ging es wieder und wieder in Kehren nach unten.
Beim Gasthof Perlunger (1.400 m) hoffte ich, dass sich ein Autofahrer fand, der mich mit nach unten nehmen würde, aber diesmal hatte mich mein Glück verlassen. Niemand kam und ich musste weiter zu Fuß über Gereuth und Tils schliesslich bis nach Brixen zu Bahnhof absteigen. Nach 3 ½ Stunden hatte ich es endlich geschafft, meine Beine hatten sich in Pudding verwandelt aber ich war am Bahnhof und ½ Stunde später saß ich im Zug nach Hause. Die restliche Rückfahrt durch die Alpen war dann auch wieder schön. So klangen einige schöne Tage auf der Bahnfahrt langsam aus.