Andreas Wienekes Bergtouren Seiten
Im Gegensatz zu meiner letzten Urlaubsfahrt im Jahre 2002 mit der Bundesbahn wurde ich diesmal angenehm von ihr überrascht. Ich konnte kurzfristig (am selben Tag für abends) per Telefon ohne lange in einer Schleife warten zu müssen einen Platz im Liegewagen nach München buchen. Der entpuppte sich als noch recht neu, die Klimaanlage funktionierte, der Zug war pünktlich in München und der Anschlusszug nach Bozen fuhr ebenso pünktlich ab, ich war beeindruckt.
 
So ging's also bis nach Bozen und von dort weiter nach , wo ich gegen 12:30 ankam. Dort im Eissacktal war es schon sehr warm, sodass ich mich schnellstens umzog und mich dann deutlich luftiger an den Aufstieg zum Rifugio Alpino machte. Der Weg führte von BHF Salurn über die Eissack und die Autobahn geradewegs in den Ort hinein und durch ihn hindurch. Man hält sich in Richtung Kirche, bzw. Wasserfall. Der war aber bereits knochentrocken.
 
Vor diesem ging's links über eine holzgedeckte Brücke und dann sofort steil über angelegte Stufen bzw. ein schmalen Pfad ca. 150 Hm den Berg hinauf. Schließlich erreichte ich einen breiteren und flacheren Weg, auf dem ich etwas nach S ging. Bald schon traf ich auf eine Asphaltstrasse, der ich einige Zeit folgte. Hier zeigte sich bereits, dass das jedoch nicht so einfach war, denn die Wegmarkierungen waren entweder sehr spärlich verteilt, oder häufig mehrdeutig. Das führte dazu, dass ich meinen gewählten Weg einige Male leider wieder etwas zurück gehen musste, oder den richtigen Pfad plötzlich überraschend doch noch erreichte.
 
Nach einiger Zeit erreichte ich in ca. 500 m Höhe einen Forstweg der an einem Hof vorbei führte. Von hier aus waren die Markierungen deutlich besser. Der Weg führte immer weiter in das Tal hinein, einen steilen Holweg hinauf und endete etwas oberhalb des Rifugio Sauch (priv. 950 m). Ich gönnte mir erst mal zwei Apfelschorlen bevor ich weiter ging.
 
Vom Rifugiogio ging es geradewegs den Weg entlang und bald darauf etwas nach rechts. Dass sich rechts vorn vor mir das Biotop Lagabrun befand merkte ich schon bald, denn einige große Mücken begannen mich zu verfolgen. Also ging ich etwa schneller, passierte eine Bergsturzzone und erreichte bald schon das am Lago Santo. Leider war der größte Teil des Weges bis hier her im Wald verlaufen, und auch hier am Rifugiogio war von der Gegend nicht viel zu sehen. Aber der Lago Santo war sehr malerisch, die Wirtin sehr nett, das Zimmer im Rifugiogio war schön und die Übernachtungskosten (HP mit drei Gänge Menu) alles in allem mit ca. 35 Euro auch noch recht preiswert.
 
Nach einem kurzen Frühstück ging's los. Unmittelbar hinterm Haus führte der Weg ansteigend in den Wald hinein und sollte ihn bis zur Ortschaft Gfrill kaum wieder verlassen. Dieser Teil ist eigentlich relativ leicht zu gehen, da er immer auf dem Kamm hoch oberhalb des Eissacktales verläuft. Eigentlich, denn auch hier waren die Markierungen teilweise sehr schlecht. An manchen Stellen gab es sehr gute große Schilder, oft aber wie bereits am Vortag keine, mehrere oder widersprüchliche Markierungen. So kam es, dass ich mich plötzlich am Lago dal Vedes befand, ohne dass ich dort wirklich hingewollt hätte.
 
Hinzu kam noch, dass auch keinerlei Orientierung durch ein Blick in die Gegend möglich war, da der Weg wie bereits erwähnt hauptsächlich durch den Wald verlief und man die richtige Richtung im Zweifelsfalle nur durch die Position der Sonne erraten konnte. Um das ganze noch zu toppen, verlief der Weg fast ausschließlich über langweilige Forstwege und spätestens alle 250 m befand sich rechts oder links der Strasse ein, selbst an diesem Samstag verschlossenes, Ferienhaus auf entsprechendem Privatgrund. Ständig wurde man auf den "Naturpark Trudner Horn" hingewiesen, dessen Grenzen aber so geschickt gelegt worden waren, dass sie nicht mit den Grundstücken der Ferienhäuser kollidierten und die Wege die Grenzen des Naturparks bestenfalls tangierten. Über diesen Teil verläuft außerdem der "Dürer Weg". Albrecht Dürer musste im Jahr 1494 wegen eins Hochwassers der Etsch auf die Höhen ausweichen. Das machte den Weg aber auch nicht interessanter.
 
Der Weg verlief ansonsten eintönig immer wieder etwas auf- und absteigend entlang des Kammes. Erst ca. 1 km vor Gfrill, dem südlichsten Ort im deutschsprachigen Raum des Trentin, fiel der Weg wieder ca. 100 Hm ab, verließ den Wald und ich ging auf einer Asphaltstrasse in den Ort hinein. Das Örtchen ist malerisch in aussichtsreich hoch über dem Etschtal mit Tiefblick auf Salun und die Salurner Klause gelegen. Hier gönnte ich mir in der Wirtschaft erst mal eine Brotzeit. Besonders erwähnenswert war die sehr schmackhafte, hausgemachte Limonade aus Melisse, Minze und Zitrone. Wäre da nicht das schöne Rifugio Alpino und der malerische Lago Santo, würde ich dem Wanderer empfehlen von Salurn aus direkt nach Gfrill aufzusteigen. Den langweiligen Weg über den Kamm kann man sich meiner Meinung nach sparen.
 
Nun jedenfalls wurde der Weg schöner und auch die Markierungen waren von nun an sehr gut. Es ging vom Ort aus im Bogen nach N einen Feldweg bergan. Bald schon erreichte ich so wieder einen Forstweg und ging darauf weiter, vorbei am Weißsee, leicht ansteigend in Richtung N. Beim Abzweig zum Schwarzsee hatte der Weg seinen höchsten Punkt erreicht und ich erreichte kurz darauf über den wieder leicht abfallenden Weg die Hornalm (priv. 1710 m).
 

 
Von hier aus hat man einen wunderschönen Überblick über die Dolomiten und die Fleimstaler Alpen. Der Blick reicht von Weiß- und Schwarzhorn im N das Fleimstal im NW und sogar bis zu den die hinter Fleimstaler Alpen liegenden Bergen der Pala im O. Nach einer Apfelschorle war ich bereit zum Abstieg nach Truden. Zwar führte auch hier ein Forstweg bis zur Alm hinauf, aber man hatte den alten Aufstieg erhalten, so brauchte ich nicht die vielen Kehren der langweiligen Straße folgen, sondern konnte direkt den Berg hinabsteigen. Das gelang bis ca. 1.450 m, dann ging's doch nur wieder auf der Forststrasse nach Truden hinab. Bevor ich den Ort erreichte querte der Weg ein Bachbett und es folgte ein kurzer Gegenanstieg durch den Ort. Nun folgte der letzte Abstieg des Tages. Kurz nach der Kuppe sollte rechts ein Fußweg parallel zur Strasse abgehen. Diesen fand ich aber leider nicht und lief daher ziemlich schon müde die Strasse runter, bis ich endlich unten in Kaltenbrunn das Gasthaus und damit mein Tagesziel erreicht hatte. Und das keinen Moment zu früh, denn kaum war ich da, setzte auch schon ein Platzregen ein.
 
Das Gasthaus erwies sich allerdings als schon sehr alt und unkomfortabel, aber trotzdem recht teuer. Da ich nicht wusste, wie weit die nächste Unterkunft gewesen wäre, blieb ich trotzdem. Am folgen Tag sah ich, dass ich nach nur ½ Std. zusätzlichem Aufstieg in Unterradein ein deutlich schöneres Quartier im Gasthof Unterhauser bekommen hätte, Pech.
 
Vom Gasthof Kaltenbrunn ging ich über die Straße, durch eine Toreinfahrt und nach dem Gebäude rechts in Richtung des Walds. Dort bog der Weg nach links ab und begann zu steigen. Nach ca. 1 km hatte ich die Strasse nach Unterradrein erreicht und ging zunächst rechts des Schwarzen Baches kaum steigend weiter. Hier suchte ich den Abzweig des Weges "K" nach rechts zum Leitensteig, fand ihn aber leider nicht. Nach einiger Zeit querte ich den Bach und kam an der Pension Unterhauser vorbei, die ich am Vortag eigentlich noch hätte erreichen können. Bald darauf erreichte ich eine Wegkreuzung beim Gut Rachner und folgte hier der Wegmarkierung "K" Richtung Kugel Pass nach rechts etwas abwärts zu einem Sägewerk. Der Weg verlief über dessen Hof, dann wieder über die Brücke und an deren Ende sofort nach rechts in den Wald hinein.
 
Nun ging's zunächst wieder etwas talauswärts, bis ich auf den heraufziehenden Weg traf, den ich unten auf der Strasse nicht gefunden hatte. Weiter ging's talaus in leichten Bögen gemächlich ansteigend ca. 500 m weit. Dort drehte der Weg nach links (S) und begann steil bis sehr steil anzusteigen. Er verlief dabei immer auf schmalen Pfaden im dichten Wald, außer an einer Stelle, wo er ca. 500 m nahezu eben einem Forstweg folgt. Nach einiger Zeit erreichte ich den W-Grat des Mt. Tolargo und ging darauf wiederum steil bist sehr steil im Wald aufwärts. Erst in ca. 1.700 m Höhe als ich die Steilabstürze der S-Wände erreichte lichtete sich der Wald etwas. Hier hatte man einen wunderschönen Blick zu in die Täler und zu den Bergen im S. Immer weiter ging es steil bis sehr steil aufwärts. Teilweise war der Weg durch vom Sturm umgeworfene Bäume schlecht passierbar. Nach einigen steilen Passagen erreichte ich schließlich den Gipfel des Mt. Tolargo der lud aber nicht gerade zum verweilen ein, da es dort oben immer noch sehr kalt und recht windig war.
 
Der gesamte Gipfelbereich war über und über mit umgestürzten Bäumen bedeckt, wodurch das vorankommen und die Orientierung deutlich erschwert wurde. Aber da der Weg nun mal irgendwo im Bereich des Grates verlaufen musste, war die grobe Richtung natürlich vorbestimmt. Es ging wieder abwärts in den Sattel zwischen dem Mt. Tolargo und der Leitenspitze und bald darauf wieder steil bis sehr steil empor zu deren Gipfel. Die gesamte Strecke, vor allem im Bereich der Gipfel war wieder voll mit umgestürzten Bäumen. Auch auf diesem Gipfel verweilte ich nicht lange, sondern machte mich bald wieder auf den Weg. Erneut ging's steil bergab, wieder steil bergauf und bald stand ich auf dem Gipfel der Kugel. Da es auch dort wieder zu windig und kalt war, machte ich meine Pause etwas unterhalb des Gipfels. Die Aussicht auf die Gegend allerdings war toll.
 
Bald schon wurde es mir aber dann doch zu kalt und ich machte mich an den Abstieg. Die verlief steil abwärts bis zu dem Forstweg, dem ich schon beim ersten Aufstieg etwas gefolgt war. Vom Einschnitt zwischen Kugel und Schwarzhorn aus stieg ich einem nicht bezeichnetem Pfad folgend zu Sattel zwischen den beiden Gipfeln auf. Nach einer kurzen Trinkpause ging's die grasige W-Flanke des Schwarzhorns im Zick Zack hoch bis zu einer Schulter, von der aus man den Gipfel schon sehen konnte. Der nun folgende Weg verlief nahezu auf gleicher Höhe im Bogen nach NW auf einem schmalen Pfad entlang des steilen W-Hanges. Erst kurz vor der Fall-Linie des Gipfels stieg er steil zum Gipfel hin an.
 

 
Die Aussicht dort oben war überwältigend, denn da das Schwarzhorn ziemlich solitär steht, hat man vom Gipfel aus einen 360° Rundblick. Allerdings war es dort oben auch sehr kalt und windig, weshalb ich trotz der schönen Aussicht nicht allzu lange dort blieb. Der Abstieg verlief über den NW-Grat, geradezu auf den Jochgrimm Pass zu. Zunächst steil über die Blöcke hinab, aber bald schon flacher werdend und schließlich einer breiten Skipiste folgend. Von einer kleinen Steilstufe etwas oberhalb des Jochs hatte man einen besonders schönen Blick auf den Pass und das direkt dahinter liegende Weißhorn.
 
Eigentlich wollte ich am Jochgrimm Pass einkehren, aber das Gasthaus Jochgrimm war noch wegen Renovierung geschlossen und das größere Berghotel Schwarzhorn hatte ebenfalls noch nicht geöffnet. Da es keinen Wanderweg gab auf den ich hätte ausweichen können, machte Ich mich also auf den Weg die Straße entlang hinab zum Lavaze Pass. Unterwegs sprühte es etwas, aber das war bald vorbei.
 
Am Lavaze Pass, einer weiten Lichtung, angekommen stellte ich fest, dass auch hier noch fast alle Gasthöfe geschlossen hatten. Die hatte jedoch geöffnet und ich konnte auch ein Zimmer bekommen. Da es noch in der Vorsaison war machte die Bedienung gegen 18:00 leider schon den Gastraum zu, denn sie hatten dann Feierabend. Na ja, kein Problem, denn das Zimmer war schön und ich hatte Zeit ungestört zu lesen.
 
Nach einem guten Frühstück im Gasthaus ging's wieder los. Der Weg folgte etwas der Strasse nach NO, bog aber bald schon nach rechts in den Weg Nr. 9 ein, querte eine Almwiese und tauchte in den schönen Bergwald ein. In leichtem Auf und ab umrundete ich auf diesem Weg den Fuß des Zanggenberges (Pala di Santa). Hierbei galt es immer wieder über umgestürzte Bäume zu klettern, oder sich darunter hindurch zu zwängen. Nach einiger Zeit erreichte ich eine freie grasbewachsene Fläche, die sich als Skipiste entpuppte. Auf Ihr ging ich nun aufwärts, bis ich das Reiterjoch (Pso. Pampeago, 1.993 m) erreichte. Von dort aus schlenderte ich fast eben über die Asphaltsrasse der Eggentaler Alm bis zum Gasthof Zischgalm wo der Weg zur Latemarhütte abzweigt. Auf dem Pass war noch keins der Gasthäuser geöffnet, nur einige wenige Handwerker waren bereits hier oben.
 
Von dort aus ging's weiter erst nach Osten und dann im Bogen nach N bis zu einer Seilbahnstation, wo sich der Weg wieder nach W wandte und auch merklich steiler wurde. Nun ging's weiter, teils wegen der verbliebenen Schneefelder weglos, vorbei am Abzweig des Weges Nr. 22 die steile schrofige SW-Flanke der C. Cavignon aufwärts zur Hütte. Kurz vor der Hütte war noch eine kurze kniffelige Stelle zu überwinden. Ein Schneerest blockiert mit ca. 1 m Höhe den Weiterweg. Leider lief er nach oben hin spitz zu, er war oben nur ca. 10 cm breit und rechts daneben ging es gute 40 m runter. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als dieses Stück durch die Felsen oberhalb zu umklettern. (hier, Bild Nr. 11, jedoch mit deutlich weniger Schnee). Danach ging es wieder einfach weiter und schließlich erreichte ich die auf der Cavignon-Spitze stehende
 
Dort oben war es sehr kalt und windig. Hatte ich insgeheim noch damit gerechnet eventuell doch die Latemar Überschreitung zu Karer Pass hin machen zu können, so zeigte sich von dort oben, dass daran gar nicht zu denken war. Die Hänge und das gesamte Becken der Ostseite waren noch voller Schnee. Selbst wenn es möglich gewesen wäre dort hindurch zu gehen, so hätte das sicher mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich an diesem Tag noch hatte. Ich unterhielt mich noch etwas mit einem Ehepaar das ebenfalls heraufgestiegen war und stieg dann wieder bis zum Abzweig des Weges Nr. 22 Richtung Maier Alm ab. Dieser Weg verlief nun nahezu eben unterhalb der eindrucksvollen Cima Valsorda, Reiterjoch und Erzlahn Spitze ums Latemar herum in Richtung Karer Pass.
 

 
Ich ging zunächst auf schönen Bergwegen leicht abfallend durch die Almwiesen, später aber auch durch den Wald. Nach einer Kurve hatte ich plötzlich einen ersten Blick hinüber zum Rosengarten, der von dieser Seite wie eine riesige Burg mit vielen kleinen und Großen Türmen wirkt. Ebenfalls besonders eindrucksvoll war der Blick von der Mitterleger Alm hinauf zu den Latemar Türmen. Schließlich erreichte ich den "Agatha Christie Weg". Agatha Christie hatte in der Zwischenkriegszeit mehrere Wochen im Hotel Karersee und ließ die Handlung ihres Romans "The big four" teilweise im Karerseegebiet spielen, Der Fall wird im Latemar Labyrinth gelöst.
 
Vom "Agatha Christie Weg" stieg ich den Weg Nr. 18 zur Passtrasse hinab. Etwas oberhalb der Strasse hatte ich schließlich den bis dato schönsten Blick auf den Rosengarten. Die Sage über den Rosengartens und König Laurin findet man z.B. hier. Ich folgte der Passstrasse etwas bis ich die Talstation des Sesselliftes erreichte, mit dem ich hinauf zur Paolina fuhr, um das Latemar noch von dort oben betrachten zu können. Es bietet wirklich einen sehr eindrucksvollen Anblick mit seinen Gipfeln und Türmen. Auch von dieser Seite zeigte sich, dass eine Überschreitung zu der Zeit unmöglich war, denn in den Pässen und Rinnen lag noch sehr viel Schnee.
 
Nach einiger Zeit fuhr ich wieder runter und quartierte mich im schönen ein. Die Unterkunft ist sowohl was den Gasthof selbst, als auch das Essen betrift, ein ausgezeichnetes Quartier. Am Abend zog sich der Himmel zu und das es zu regnen begann überlegte ich am nächsten Tag nach hause zu fahren.
 

 
Morgens strahlte der Himmel wieder wolkenlos und ich beschloss doch noch einen Tag zu bleiben um etwas im Rosengarten zu wandern. Die Unterkunft im Sport Hotel ließ sich unproblematisch noch einen Tag verlängern und so konnte es bald losgehen. Der Einfachheit halber ließ ich mich wieder vom Sessellift die 500 Hm hinauf zu Paolina ziehen, wo ich die Wanderung begann. Der Weg umrundete die S-Flanke des Massivs steil aufwärts bis man das Denkmal für Theodor Christomannos, einen riesigen Adler, der nach Osten blickt erreicht. Christomannos Lebenswerk war der Bau der Strasse von Welschnofen nach Cortina und damit die touristische Erschließung dieses bis dahin bitter armen Teils der Dolomiten. Im Latemar wurde außerdem der 2.800 m hohe Christomannosturm nach ihm benannt.
 
Vom Denkmal aus bis zum Rifugio Roda de Vael verlief der Weg Nr. 549 nahezu auf der gleichen Höhe. Der Weg hatte nun die Nr. 541 und begann ganz gemächlich anzusteigen. Ich folgte ihm nur bis zum Abzweig des Weges Nr. 545b und begann dort zum Zigolade Pass aufzusteigen. Man geht dabei auf die gut 200 m hohen teils überhängenden S-Abstürze des Mugoni zu und quer schließlich unter ihnen durch. In dem Moment vermisste ich meinen Helm sehr! Dabei geht man durch ein Dreieck, das die Wand und ein Riesenklotz als Durchgang lassen. Schließlich stieg ich in dem großen Kar zu Pass hinauf. Hier oben lag noch viel Schnee, weshalb ich meine Grödel anlegte. Da der Schnee recht sulzig war hatte ich nicht den Eindruck, dass sie mir zusätzlichen Halt gaben. Ich stieg also vorsichtig durch den Schnee zum Pass hinauf.
 
Auf dem schmalen Pass in 2.550 m Höhe lag immer noch ca. 1 m Schnee und die N-Seite war bis hinab in ca. 1.900 m Höhe ein einziges riesiges Schneefeld. Ohne Schnee wäre der Aufstieg, wie der Abstieg nach N ein einfacher Bergweg gewesen. Da ich den Weg hinab und rüber zur Vajolett Hütte aber wegen des vielen Schnees von hier oben nicht erkennen konnte, stieg ich nach einiger Zeit wieder hinab unter der Mugoni-Wand hindurch zum Abzweig des Weges Nr. 545b. Dem folgte ich nun weiter nach SO. Dabei passierte ich sehr einige interessante schluchtartig ausgebrochene Stellen südlich unterhalb der Zigolade, dabei verlor der Weg stetig an Höhe. Überraschenderweise folgte nach einiger Zeit, etwas westlich des Pale Rabiouse doch noch ein Hinweisschild zum Rifugio Vajolett, das musste der Weg sein, den ich von oben nicht sehen konnte, also los!
 
Ich stieg etwa 50 Hm nicht allzu steil aufwärts Richtung N und überschritt den Pass. Auf der N-Seite musste ich dann allerdings wieder und wieder kleinere Schneefelder überschreiten. Schließlich erreichte ich ein ca. 500 m weites steileres Schneefeld unterhalb des Zigolade, auf dessen Anfang sich zwei Pärchen mit dem Spuren abmühten. Sie hatten allerdings wie es schien nicht allzu viel Erfahrung damit. Da ich so etwas schon öfter gemacht hatte, spurte ich der Weg durch das Kar. Auf dem nächsten Grat angekommen sah ich, dass ein weiteres schneegefülltes Kar, diesmal aber ca. 1 km weit folgte. Ich beschloss, dass ich nicht mehr durch das ganze Kar spuren würde, weil der Aufstieg zum Zigolade Pass und das vorherige Spuren schon viel Zeit gekostet hatte und das Rifugio Vajolett scheinbar noch geschlossen hatte. Ich spurte noch bis zur nächsten Rippe und fuhr dann neben dieser durch die Ciamp im Schnee in Richtung Rifugio Gardeccia ab.
 
Am Rifugiogio hielt ich mich nicht sehr lange auf, sondern ging auf dem Weg Nr. 540 leicht aufsteigend in Richtung Rifugio Negritella. Dieser Bereich, Champedie, ist ein bekanntes Wintersportgebiet. Es war allerdings nicht so zerstört, wie die Gebiete, die ich z.B. an der Sella, oder im Stubai gesehen hatte. Beim Rifugio Negritella verließ ich den Weg Nr. 540 und ging weiter auf dem Weg Nr. 545b, den ich in Teilen auch schon auf dem Hinweg gegangen war. Vom Rifugiogio aus stieg der Weg zunächst steil ca. 200 Hm an, bis zu der Stelle, an der der Abzweig zum Rifugio Vajolett stand. Nun war ich wieder auf dem Rückweg. Vorbei am Abzweig des Weges 541, dem Rifugio Roda de Vael und dem Denkmal erreichte ich schließlich wieder die Paolina. Noch mit dem Lift abwärts und ich war wieder im komfortablen Sport Hotel. Es war ein wunderschöner im Rosengarten.
 
Leider war für mich nun endgültig der Tag der Abreise gekommen. Ich wollte aber noch unbedingt den Karer Seesehen, der nur im Frühjahr oder Frühsommer wirklich schön ist. Also ging ich etwas entlang der Strasse und hinter dem Grand Hotel Karer See hindurch. Hier hatte ich noch einmal einen wunderbaren Blick hinauf zu den Latemartürmen. Ich querte die Strasse und ging auf dem Weg Nr. 12 um den See herum und schließlich gelangte ich zu einer Stelle, an der einige Aussichtsplattformen gebaut worden waren. Von dort aus hatte ich wirklich einen Wunderbaren Blick auf den Karer See und das Latemar.
 
Nun war aber der Zeitpunkt gekommen vorläufig wirklich Abschied von den Dolomiten zu nehmen. Bald kam der Bus und brachte mich zurück nach Bozen. Vorher ging's jedoch wieder durch die höchst eindrucksvolle, enge Schlucht am Ende des Eggentales. Teilweise ist die Schlucht natürlicherweise nur ein paar Meter breit. Sie ist jedoch für die Strasse an manchen Stellen deutlich breiter gemacht worden. In Bozen brauchte ich nicht lange auf meine Zug zu warten, Viel zu schnell brachte der mich aus den Dolomiten weg nach Hause.