Andreas Wienekes Bergtouren Seiten
Da ich recht kurzfristig buchen mußte, bekam ich leider keinen Platz mehr im durchgehenden Zug (mit Liegewagen) nach Lienz. So brachte mich ein Liegewagen der DB über Nacht immerhin nach München. Weiter ging es mit Umsteigen in Salzburg und Spittal nach Lienz, das ich gegen Halb Drei erreichte
 
Besonders erwähnenswert ist dabei der Teil der Bahnstrecke, der sich nach dem Tauerntunnel (in Kärnten) von Mallnitz bis Spittal erstreckt. Man fährt dort wie auf einem Aussichtsbalkon hoch über dem Mölltal dahin. Der Blick hinab ins Mölltal und hinüber zur Kreuzeckgruppe ist einfach großartig! Die Bahnstrecke selbst wurde zu dieser Zeit gerade modernisiert und man konnte im oberen Teil bergseitig häufig auch noch den alten Streckenverlauf sehen.
 
In angekommen stellte ich fest, daß der nächste Bus erst gegen 16 Uhr in Richtung St. Johann im Walde fuhr. Von dort aus hätte ich schon mit Seilbahnbenutzung in der Nachmittagshitze des ersten Tages noch mehr als 1.100 Hm aufsteigen müssen (ohne: ca. 1.600 Hm). Ich entschloß mich daher ein Taxi dorthin zu nehmen. Der Fahrer bot mir an, mich bis zur Leibnitz Alpe zu fahren, was ich dankend annahm, so blieb es bei ca. 300 Hm Aufstieg.
 
Auf der Leibnitz Alpe erfreute ich mich zunächst an den herrlichen Alpenrosen die dort gerade blühten, oder zu blühen begannen. Ich überquerte den Leibnitzbach und stieg sofort steil über einen guten Weg {914} hinauf. Oben erwartete mich ein schöner Rastplatz mit neuer Bank und Tisch. Ich konnte weit über das Iseltal hinweg, bis in die Defereggener Alpen sehen. Nach einer kurzen Rast ging es ein kurzes Stück fast eben weiter, dann ca. 100 Hm in Kehren aufwärts. Es folgte wieder ein kurzes, fast ebenes Stück und nach einem kurzen, letzten Aufstieg war ich dann an der . Die 1985 neu erbaute Hütte ist sehr urig und wird von einer sehr netten Wirtin bewirtschaftet.
 
Mit dem Sonnenuntergang wurden die beiden südlich von der Hütte liegenden Prijakte in ein wunderbares Licht getaucht. Spät am Abend erschienen noch charmante zwei Wienerinnen, die sich von der Lienzer Hütte kommend im Bereich des Gartls verlaufen (österreichisch: "vergangen') hatten und erst am Schobertörl gemerkt hatten dass sie falsch waren.
 
Da für diesen Tag die Überschreitung des Hochschobers auf meinem Programm stand war ich an diesem Morgen schon recht früh auf den Beinen. Ich stand um kurz vor sechs Uhr auf, frühstückte und war gegen sieben auf dem Weg zum Hochschober. Es ging etwas abwärts, über den Bach und jenseits wieder sanft die Auen hinauf. Bald erreicht wie ich die erste Steilstufe auf der ich ca. 100 Hm aufwärts stieg. Etwas überraschend zeigte sich rechter Hand die 2.515 m hoch gelegene Schober Lacke. Nach ca. 100 Meter stieg der Weg wieder steil an, umrundete das kleine Söberl und ich erreichten das erste Schneefeld.
 
Von nun an ging es im Wechsel über Schnee und Geröllfelder bis schließlich ca. 200 Hm unter der Staniska Scharte nur noch Schnee für vorhanden waren. Von dort aus ging es steil hinauf zur Scharte. Oben angekommen macht ich erst einmal kurzen Pause. Schließlich ging es weiter auf dem zunächst breiten aber immer schmaler werdenden Westgrad des Schobers. In ca. 3.100 Metern Höhe mußte ich vom Grad herunter und nach rechts in ein ca. 60° steiles Schneefeld hinein. Leider hatte es in den Nacht selbst in dieser Höhe nicht gefroren und der Schnee war schon früh am Morgen sehr sulzig. Jeder Schritt ließ mich zwei Schritte tiefer auf dem Schneefeld rutschen. Ich merkte, daß sich auf diese Art und Weise nur mit großer Mühe zum Gipfel käme. Ob meines großen Tourenrucksacks entschloß ich mich schweren Herzens an dieser Stelle umzukehren.
 
Beim Abstieg von der Staniska Scharte konnte ich dann aber wenigstens einige Höhenmeter auf den Schneefeldern abfahren, so war der Weg hinunter deutlich weniger mühsam als hinauf. In der Hochschober Hütte angekommen gönnte ich mir erst einmal ein Schiwasser.
 
Nach einer kurzen Rast machte mich dann auf den Weg {914} über die beiden Leibniz Törl zur Lienzer Hütte im Debanttal. Der Weg führte zunächst fast eben über die Matten nach Nordosten, bis er schließlich leicht anzusteigen begann. Dabei blieb es bis ca. 100 Hm unter dem Westlichen Leibnitztörl. Nun ging es in Kehren steil hinauf und schließlich noch über eine seilversicherte, aber unschwierige Stelle hinauf zu ersten Scharte. Der noch überwiegend mit Eis bedeckte Gartlsee wurde westlich über grobes Blockwerk umgangen und ich erreichte beinahe eben das östliche Leibnitztörl. Hier hatte ich einen wunderbaren Blick auf den oberen Teil des Debanttales, das Gartl, die Glödis- und Talleitenspitze sowie die Gößnitz- und die Niedere Gradenscharte.
 
Nun begann der Abstieg zur Lienzer Hütte. Der Weg führt ein kurzes Stück nach Norden, bis er auf den vom Hochschober und Schobertörl kommenden Weg traf. Ich befand mich nun auf dem "Franz-Keil-Weg". Er verlor rasch in einem Bogen an Höhe und ich stieg hinab in ein steiniges Hochtal, das Gartl. An dessen Ende ging es in einer weiteren Steilstufe ca. 100 Hm hinab. Die ganze Zeit hatte sich schlechtes Wetter über dem Debanttal zusammengebraut. Bei meinem Abstieg in das Gartl gewitterte es bereits heftig im Bereich der Wangenitzsee- und Lienzer Hütte. Da das Wetter auf mich zuzukommen schien war es wahrscheinlich, daß es auch mich erreicht erreichen würde. Ich zog also meinen Anorak an und ging weiter.
 
Bald stand fest, daß mich das Gewitter erreichen würde und ich begann das Rucksackcape auszupacken. Keinen Moment zu früh, denn während ich noch den Rucksack einpackte, begann ein zwar kurzer, dafür aber um so heftigerer Schauer. Der hörte zwar bald auf, aber auf meinem restlichen Abstieg zur Hütte begann es sich schließlich einzuregnen. So erreichte ich etwas nass die schöne .
 
Hier traf ich die beiden netten Wienerinnen aus der Hochschoberhütte wieder. Sie waren über die Mirnitzscharte gegangen, noch mehr als ich vom Regen überrascht und ziemlich nass geworden. Wir genossen später noch gemeinsam den herrlichen frischen Apfelstrudel der Lienzer Hütte.
 
Von der Hütte aus stieg ich etwas nach Norden abwärts, um den Bach zu überqueren. Anschliessend führte der Weg zunächst etwas am Bach entlang, um später über die Almwiesen leicht anzusteigen. Bald erreichte ich eine erste Steilstufe. Es ging in zahlreichen Kehren ca. 100m steil hinauf. Oben ging es in leichtem auf und ab entlang den Hängen der Weißwandspitzen. Ich beschloss Brotzeit zu machen. Leichter gesagt als getan, denn eine Schaf-Herde wähnte in mir wohl Ihren Hirten, denn sie folgen mir zu meinem erkorenen Brotzeitplatz und warteten wohl auf "milde Gaben". Jedenfalls war es mir schier unmöglich mich der vielen Ziegen und Schafe zu erwehren und zu verhindern, dass sie meine Ausrüstung "auffrassen".
 
Ich ging etwa 1 km weiter bis zu einem kleinen Sattel und hatte dort endlich meine Ruhe! Hier konnte ich von einem kleinen Buckel aus das ganze Debanttal fast vom Eingang bis hin zur Lienzer Hütte überblicken. Das Wetter war recht gut und ich liess es mir gut gehen. Im Westen war die Alkuser Rotspitze und die Mirnitzscharte zu sehen, im Nordwesten erhob sich eindrucksvoll der Hochschober.
 
Nach ca. 20 Minuten ging ich weiter. Der Weg stieg zunächst gemächlich an. Nach ca. 1 km stieg der Weg unvermittelt im Zickzack steil zur Unteren Seescharte hinauf. Oben am Pass waren schon einige andere Wanderer, die, wie auch ich dort eine kleine Rast machten. Hier bot sich ein wunderschöner Blick zurück auf die gegenüberliegenden Berge, aber auch auf das Petzeck, mit 3.283 m der höchste Berg in der Schobergruppe, und den davor liegenden Wangenizsee mit der .
 
Nun war es nur noch ein Katzensprung bis zur Hütte. Dort auf der Terrasse genoss ich bei einem Schiwasser und einer Backerbsen-Suppe den Blick über den schönen Wangenizsee. Meinen ursprünglichen Plan das Petzeck zu besteigen und auf der Hütte zu nächtigen liess ich fallen, da sich das Wetter stetig verschlechterte. Ich beschloss noch am gleichen Tag über den Holländer Weg zur Adolf-Nossberger Hütte zu gehen und blieb daher nicht lange in der Hütte.
 
Ich stieg zunächst gemächlich, jedoch bald steiler nach Nordwesten hinauf zum zwischen Perschitzschneid und Hohem Perschitzkopf gelegenen Kreuzseescharte. Hier veränderte sich der Weg { 918 } drastisch. Er führte steil hinab über eine angelegte Treppe und auf schmalen Pfaden an den steilen Wänden des Hohen Perschitzkopfes entlang. Nach einiger Zeit erreichte ich im Perschitzkar den Abzweig {923} zur Hohen Gradenscharte und zur Adolf-Nossberger Hütte. Die Hohen Gradenscharte (2.803 m) wird in den Reiseführern als schwieriger beschrieben. Warum sollte ich bald erfahren. Nachdem ich ein ausgedehntes Schneefeld überquert hatte steig ich steil über feines Geröll aufwärts und stand schliesslich in der Scharte.
 
Von hier aus konnte ich bereits die Adolf-Nossberger Hütte sehen. Der Abstieg war ausgezeichnet verseilt, ganz neue Seile mit Kunststoffmantel. Leider waren sie unter Schnee und Eis begraben! Nun wurde es etwas kitzlig. Ich pickelte, soweit es in dem steilen Abstieg möglich war das Seil aus dem Eis. An einigen Stellen allerdings war das Eis wirklich zu dick und ich bewegte ich mich im Schneckentempo (Dreipunkt-Technik) rückwärts durch Sulzschnee auf einer Eisunterlage mit äusserter Vorsicht abwärts.
 
Nach einiger Zeit war aber auch diese Passage geschafft. Der Holländer Weg wurde flacher und führte beinahe gemütlich über Schnee- und Geröllfelder abwärts auf die Hütte am Grossen Graden See zu. Noch über die kleine Behelfsbrücke, zwei drei Stufen zur Hütte hinauf und ich war am Tagesziel angekommen. Die ist eine äusserst urige Hütte. Es gibt noch keinen Extra-Diesel, der die Hütte abends mit Strom versorgt. Ein weiterer Bergkamerad und ich saßen abends ganz stimmungsvoll bei Kerzen- und Öllampenschein beisammen und sprachen mit der sehr netten Wirtin über dies und das.
 
Zur Elberfelder Hütte bieten sich bei guten Verhältnissen die Wege über die steile Hornscharte (2.958 m) oder die ebenfalls steile Klammerscharte (2.930 m) an. Nach den Erfahrungen mit den Verhältnissen der vergangenen Tage entschloss ich mich aber über keine der beiden Scharten zur Elberfelder Hütte zu gehen, sondern den Umweg durch das obere Debanttal und die Gößnitzscharte zu gehen. Dies vor allem auch deshalb, da ich schon vom Holländer Weg aus viel Schnee in der Klammerscharte gesehen hatte.
 
Auf der Adolf-Noßberger Hütte hatte ich einen Bergkameraden getroffen, der ein gutes Stück des Weges (bis fast zur Lienzer Hütte) mit mir zusammen ging. Zunächst führte uns der Weg {916} entlang des Sees nach Westen. und dann steil über der Gletscherschliff aufwärts über sich abwechselnden Fels und Schneefelder zur Niedere Graden Scharte (2.796 m). Kurz vor der Scharte zweigt der Weg zum Keeskopf (3.081 m) ab, der von dort aus leicht in einer knappen halben Stunde zu erreichen gewesen wäre. Bei dem schlechten Wetter machte das aber keinen Sinn.
 
Hinter der Scharte steigen wir ein kurzes Stück seilversichert ab. Danach ging es steil im Zickzack ca. 400 Hm weiter über Geröll abwärts in ein weites Kar. Nach ca. der Hälfte des Weges trafen wir auf der von der Wangenizsee-Hütte kommenden Weg {916}. Am Ende des Abstiegs wandte sich der Weg zunächst fast eben nach rechts unterhalb des Westgrates des Keeskopfes nach Nordwesten auf die Lienzer Hütte zu. Der Weg fiel immer steiler ab und teilte sich schliesslich kurz vor der Lienzer Hütte. Dort verabschiedeten wir uns voneinander, denn ich ging nun weiter zur Elberfelder Hütte.
 
Nun ging es gemütlich ansteigend auf dem Elberfelder Weg {915} nach Norden hinein in das wilde Tal des Gößnitzbaches. Einige Zeit nachdem ich den Salzplattensee passiert hatte wandte sich der Weg nach Nordosten, führte durch ein flaches Kar, überwand eine Steilstufe und erreichte schliesslich die Gößnitzscharte (2.737 m). Hier oben wehte ein kräftiger Wind, der mich förmlich über die Scharte blies.
 
Um auf der Scharte zu bleiben war es viel zu ungemütlich. Das Wetter wurde wieder einmal schlechter und da es dort oben ausserdem recht windig, kühl und feucht war hatte ich auch keine Lust noch ca. 60 Hm zum Gößnitzkopf-Biwak (2.800 m) aufzusteigen, das ausserdem, da in Wolken, von der Scharte aus auch gar nicht zu sehen war. Ich ging daher ohne Pause weiter hinab über Felsen, Blöcke, Schneefelder und Geröll auf die Elberfelder Hütte zu. Nach einiger Zeit passierte ich das über und über mit Geröll bedeckte Gönßitzkees und bewunderte sein Gletschertor mit dem kleinen Gletschersee.
 
Hier rastete ich dann auch etwas. Auch wenn der Gletscher nur noch ein kümmerlicher Rest der ursprünglichen Vereisung ist, war dieses Tor doch durchaus eindrucksvoll. Immer weiter dann ging es hinab, bis das Geröll schliesslich aufhörte und ich über Gletscherschliffe und Matten steil in Kehren hinab zur stieg. Die Hütte ist eine blitzsaubere, sehr schöne und urige Hütte mit netter Wirtschaft. Ich traf wieder einen Bergkameraden, diesmal einen Ungar (Janos) der ausgezeichnet Deutsch sprach, und am nächsten Tag den gleichen Weg wie ich hatte.
 
Dieser Tag verlief deutlich anders, als wir uns das auf der Elberfelder Hütte überlegt hatten. Wir gingen auf dem Wiener Höhenweg zunächst etwas nach Westen abwärts über einen Bach und jenseits des Baches zunächst moderat ansteigend über die Matten aufwärts. Wir erreichen den Tramer Bach und hatten hier ein erstes kleineres Problem. Durch das warme Wetter führte der Bach recht viel Wasser, sodass ein einfaches durchschreiten nicht so ohne weiteres möglich war. Ein grösseres Schneefeld oberhalb (über dem Bach) machte allerdings auch keinen Vertrauen erweckenden Eindruck (wer ersäuft schon gerne im Gebirge!). Wir überlegten also was am besten zu tun sei. Während ich mich entschloss meine Stiefel auszuziehen und in Socken, Sandalen und hochgekrempelten Hosenbeinen den Bach zu überqueren, warf Janos Steine in den Bach, um eine Furt zu schaffen. So überwanden wir beide schliesslich, jeder auf seine Art, dieses Hindernis.
 
Nach einem kurzen Trocknen meiner Socken und als ich meine Bergstiefel wieder an hatte ging es weiter, z.T. recht steil aufwärts. Nach einiger Zeit erreichten wir die ersten Schneefelder und leider auch die Wolken. Es kam wie es kommen musste. Auf den Schneefeldern in ca. 2.900 m Höhe verloren wir den Weg. Die Sicht wurde immer schlechter und schliesslich wussten wir nicht mehr genau, wo wir waren. Wir setzten die Rucksäcke ab und begannen nun den Weg zu suchen. Trotz Karte, Kompass und Höhenmesser erwies sich das aber als schwieriges Unterfangen. Die Sicht betrug zwischen 25 und 100m, sodass wir uns nur sehr schwer orientieren konnten.
 
Nach 1 ½ Sunden schliesslich, nach etlichen Hin und Her über steile Geröll- und Schneefelder fand ich endlich den Weg wieder. Er war ca. 400m weiter Südwestlich und 100 m tiefer als wir ihn vermutet hatten. Ich las Janos bei unseren Rucksäcken wieder auf, wir querten mühsam hinüber zum Weg und stiegen die letzten Höhenmeter hinauf zum Kesselkees Sattel mit dem auf. Das Biwak ist nach dem legendären österreichischen Motorradrennfahrer Gernot Röhrl benannt, einem begeisterter Bergsteiger. Er hatte bei einem Rennen in den 1980er Jahren einen schweren Unfall und sitzt seitdem im Rollstuhl.
 
Am Biwak machten wir erst einmal eine Pause. Dass wir das leicht innerhalb eine knappen Stunde zu erreichende "Böse Weibl" (3.121 m) nicht bestiegen, schmerzte mich zwar, ist aber ob der Verhältnisse leicht verständlich. Nach einer ausgedehnten Pause stiegen wir von der Scharte auf ein ausgedehntes Schneefeld hinab. Hier war wieder Kartenlesen und Kompasseinsatz gefragt. Erst nach einiger Zeit fanden wir die ersten Markierungen. Nun ging es wie bereits an den Tagen zuvor über meist recht sulzige Schneefelder abwärts. Schliesslich erreichten wir eine steile Stelle, an der es über Gletscherschliff abwärts zum Peischlach-Törl ging. Dort gibt es einen kleinen Unterstand in dem ca. 4 bis 6 Personen Platz hätten. Wir brauchten ihn jedoch nicht, da das Wetter wider Erwarten bisher doch gehalten hatte.
 
Nach einer kurzen Pause gingen wir weiter auf dem Wiener Höhenweg {713} in Richtung Glorerhütte. Nun zog sich der Weg! Er stieg zunächst gemächlich, später steiler, über Matten hoch über dem Peischlachbach entlang. Schliesslich wurde der Weg wieder etwas flacher, führte aber in stetigem auf und ab über Schneefelder, Geröll und Bergsturzzonen insgesamt steigend hinauf zur Hütte. Von diesem Weg aus bot sich aber die ganze Zeit ein wunderbarer Blick hinab ins Ködnitztal mit dem Neuen Lucknerhaus und bis nach Kals am Großglockner und der sich dahinter erhebenden Granatspitzgruppe. Nach einer schier endlosen Zeit über Geröll und Schneefelder erreichten wir dann bei einsetzendem leichten Schneetreiben kalt und etwas nass endlich die am Berger Törl. Auch diese Hütte gehört zu den ehr urigen. Wir waren an diesem Tag die einzigen Übernachtungsgäste und die Bedienung tat ihren Job.
 
Der Morgen zeigte sich in all seiner "Pracht" Es ging ein leichter Schneeregen und das Thermometer der Glorerhütte zeigte 4°C, nicht gerade hochsommerliches Wetter! Wir machten uns trotzdem auf den Weg, da ich zur Hofmannshütte und wenn möglich noch auf den Fuscherkarkopf wollten. Von der Glorerhütte geht man leicht ansteigen über Mattenflächen nach Norden. Nach knapp ½ Stunde erreichten wir einen Wegabzweig. Wir blieben auf dem linken Weg, der als versicherter Steig gekennzeichnet war. Kurz nach dem Wegabzweig überwanden wir steil an Seilen und zum Teil über Bretter eine ca. 100 m hohe Steilstufe. Danach führte der Weg beinahe eben in das Naßfeld. Wir überschritten den vom Großglockner kommenden Leiterbach etwas unterhalb der Stelle, an der die erste Salmhütte gestanden hatte. Nach einem kurzen Aufstieg von ca. 60 Hm erreichten wir die jetzige .
 
Nach einer kleinen Rast in der Hütte ging es wieder raus in den Nieselregen. Der Wiener-Höhenweg führte nun zunächst ganz sanft, später steiler abfallend in das Gamskarl. Von dort aus gingen wir weiter leicht absteigend unterhalb des Schwertkopfes vorbei. Nun wurde das Gelände wieder steiler. Am SO-Grad des Schwertkopfes ging es ca. 20 m steil über Felsen an Seilen hinab in die Ganitzen. Nun wieder leichter fallend bis unter den Mittleren Leiterkopf.
 
Hier führte der Weg wieder ca. 70 m steil und ca. 20 m flacher empor zur Stockter Scharte. Von hier aus hätte man vermutlich einen sehr eindrucksvollen Blick auf den Pasterzengletscher, die Klockerin, den Bärenkopf und die hohe Dock, den Fuscherkarkopf sowie den Burgstall gehabt, wenn sich nicht der gesamte Bereich in Wolken gehüllt hätte. Immerhin, die Franz-Josefshöhe, ein Teil der Tauern-Hochalpenstrasse und der untere Teil des Pasterzengletschers waren zu sehen.
 
Ich gab daher hier meinen ursprünglichen Plan zur Hoffmannshütte zu gehen und am gleichen Tag noch auf den Fuscherkarkopf zu steigen auf. Da Janos zurück nach Heiligenblut musste, und ich nicht weiter zur Hoffmannshütte wollte verabschiedeten wir uns hier oben und ich ging zurück zur Salmhütte wo ich am frühen Nachmittag wieder eintraf.
 
Am Abend zeigte der nette Hüttenwirt uns (zwei Belgier vom Campingplatz aus Heiligenblut und ich) sehr eindrucksvolle Dias einer Chile- und Patagonientour die er mit Freunden gemacht hatte. Hütte und Wirt sind wirklich sehr zu empfehlen und ganz sicher der Wirtschaft der Glorerhütte vorzuziehen.
 
Dieser Tag sollte, anders als ursprünglich geplant, der vorletzte Tag meiner Tour werden. Die letzten Tage hatten es schon gezeigt, das Barometer fiel und fiel und das Wetter wurde immer schlechter. Ich ging von der Salmhütte wieder auf dem Weg des Vortages zurück in Richtung des Naßfeldes. Bald nachdem ich den Bach passiert hatte teilte sich der Weg. Der linke führte zurück zur Glorerhütte, der rechte merklich ansteigend zu einer Bergkuppe und schliesslich über Schneefelder nach Westen bis genau unter die Pfortscharte (2.823 m). Von hier aus ging es ca. 60 Hm steil über ein rutschiges Geröll-Erde-Gemisch aufwärts zur Scharte über die mich ein kräftiger Wind hinüber schob.
 
Auf der anderen Seite der Scharte ging es genauso steil hinab, wie es zu der Scharte hinauf gegangen war. Ich ging den Weg in zunächst Kehren hinab und fuhr schliesslich über ein Schneefeld ab. Am Ende traf ich auf den Weg {713}, der vom Glorerhütte kam. Ich ging weiter nach rechts, in Richtung Norden auf den Großglockner zu. Der Weg führte über einen schmalen Bergpfad aufwärts anfangs steil, später flacher um eine Bergschulter herum. Es öffnete sich eine weite Fläche, auf der sich der Weg teilt. Links geht's zur Lucknerhütte, rechts weiter in Richtung Stüdlhütte. Ich wählte den rechten Weg. Er führte mich bequem, auf mal schmaleren, mal breiteren Pfaden aufwärts. In Sichtweite der Stüdlhütte überquerte ich noch den Ködnitzbach, das eine oder andere Schneefeld und stieg unterhalb des Ködnitzkees weiter hinauf zur . Kurz vorher passierte ich noch den Abzweig, der über das Ködnitzkees hinauf zur Adlersruhe (Erzherzog Johann Hütte 3.454 m, ÖAK) bzw. zum Großglockner hinauf führt.
 
Hier oben war ein Betrieb "wie auf'm Hauptbahnhof"! Mehrere Gruppen österreichischer Soldaten hatten hier oben wohl die Nacht teils in, teils ausserhalb der Hütte verbracht und machten sich gerade auf den Weg. Des weiteren bereitete sich gerade eine grössere Jugendgruppe auf den Abmarsch vor. Und einige kleinere Gruppen kamen, oder gingen vom bzw. zum Großglockner. Die neue, recht moderne Stüdlhütte vermittelt das Flair ehr eines Schnellrestaurants, denn einer gemütlichen Hütte. Die Hütte stellte aus meiner Sicht ehr eine Abfütterungsstation dar. Vielleicht ist das der neue Weg der AV-Hütten um den Massen Herr zu werden!? Sie ist schliesslich DIE Hütte, um den Großglockner zu besteigen.
 
Nach einer Backerbsensuppe ging ich dann auch bald weiter. Draussen bewunderte ich noch das Teischnitzkees und betrachtete den Weg über die Untere- und Obere-Fruschnitzscharte, die man zwar prinzipiell zum Kalser Tauernhaus überschreiten kann, der aber im AV-Führer ist der Weg als 'objektiv gefährlich' eingestuft. Er führt unmittelbar unterhalb des Grauen Kees vorbei. Die grosse Stein- und Eisschlaggefahr, die im AV-Führer beschrieben ist konnte ich gut nachvollziehen.
 
Ich ging den Normalweg {712}, der Richtung Kals führt, bergab. Er führte zunächst leicht fallend teils über steile Schneefelder abwärts und schliesslich in einem grossen Bogen entlang der Langen Wand auf das Ende des oberen Teischnitz-Tales zu. Zum Schluss stieg ich etwas steiler, aber immer noch auf guten Weg abwärts genau auf das Talende zu. Dort traf ich auf einen dieser unvermeidlichen, aber wie immer langweiligen Fahrwege. Er war neben den Bach in die Felswand geschnitten worden. So ging es ein Stück durch eine ehemalige Klamm. Am Ende öffnete sich das Tal wieder und ich erreichte bei ca. 2.200 Hm seit Tagen wieder die ersten Bäume. Der Fahrweg führte mich zickzackend abwärts zu einer Strasse. Glücklicherweise war er entlang des ursprünglichen Pfades angelegt worden, so dass man ihn mehrfach auf markierten Pfaden abkürzen konnte. Bevor ich die von Kals kommende Asphaltstrasse erreichte, machte ich einer Rast und verzehrte auf einer schönen Weide einen Müsliriegel.
 
So gestärkt wanderte ich die Strasse, teilweise Abkürzungen durch den Wald benutzend, aufwärts. Schliesslich passierte ich den Gasthof Moaalm. Kurz dahinter ging es einen schmalen, steilen Weg abwärts in das Dorfer-Tal hinab. Den Hinweis 'nur für Geübte' am Beginn des Steiges fand ich allerdings übertrieben. Bei der Alm Maireben schliesslich erreichte ich den Talboden.
 
Nun hatte ich noch eine gute halbe Stunde vor mir, um das Kalser Tauernhaus zu erreichen. Diese letzte halbe Stunde wanderte ich wieder mal auf einem Fahrweg aufwärts durch das wunderschöne Dorfer-Tal. Während des letzten Wegstücks zog sich der Himmel immer mehr zu und mein Etappenziel erreichte ich schliesslich bei gerade einsetzendem Regen. Das ist zwar eine AV-Hütte Kat III. Dort lebt man aber vor allem von den Tagesgästen, die sich den 'anstrengenden' Fahrweg zur Hütte hinaufquälen um dort mit Kaffee und Kuchen oder Kaiserschmarrn versorgt zu werden. Ich als Tourengeher kam mir wie ein Fremdkörper vor. Nachts war ich demzufolge auch der einzige Gast auf der Hütte. Hüttenflair wie z.B. auf der Adolf-Noßberger Hütte ist hier ein Fremdwort. Nichtsdestotrotz, die Bedienung war sehr freundlich!
 

Hatte ich abends noch die vage Hoffnung gehegt, dass sich das Wetter etwas bessern würde, wurde ich am Morgen eines besseren belehrt. Die Wolken begannen bei ca. 2.200 m, das Barometer war weiter gefallen und es hatte sich über Nacht richtig eingeregnet! Ich gab meinen Plan auf weiter zur von hier aus in ca. 3½ Stunden leicht zu erreichenden Rudolfshütte gehen. Ich beschloss schweren Herzens die Tour hier abzubrechen. Ich befürchtete schon ca. 1½ bis 2 Stunden durch den Regen zu bis zur nächsten Bushaltestelle wandern zu müssen.
 
Nun hatte ich aber doch noch Glück. Der Bauer des Hofes schräg gegenüber des Kalser Tauernhauses kam gerade als ich mich zum Abmarsch bereit machte vor bei, um eine Milchkanne mitzunehmen. Er nahm mich in seinem Fiesta bis direkt nach mit, wo ich eine knappe halbe Stunde später der Bus in Richtung Lienz nahm. In Bus erfuhr ich, dass der Fahrpreis durch meinen AV-Ausweis auf 50,- ÖS ermäßigt wurde.
 
Im regnerischen Lienz traf ich durch Zufall in einem Strassencafe die beiden Wienerinnen wieder. Wir tranken noch einen Capuccino und erzählten uns von unseren Touren der letzten Tage. Ich nahm dann am frühen Nachmittag den Nachtzug zurück nach Deutschland.
 
Die Schober- und Glocknergruppe hat mir trotz des teils schlechten Wetters sehr gut gefallen ich werde dort sicher noch mal eine Tour machen und dann all die Gipfel besteigen, die ich wegen der schlechten Verhältnisse diesmal nicht machen konnte.