Wie üblich fuhr ich wieder im Liegewagen. Es ging abends gegen 23 Uhr in Köln los und früh am Samstagmorgen war ich in Innsbruck.Nach einem kleinen Frühstück in der Nähe des Bahnhofs fuhr ich mit dem Bus nach Innsbruck Hungerburg und von dort aus mit der Nordkettenbahn hoch zum .
Die Berge und das Berghotel hüllten sich in Wolken und ich beschloß nach einem Kakao nicht mehr auf Wetterbesserung zu warten, sondern maschierte los.
Zunächst ging es fast waagerecht entlang des Hanges nach Osten, bald aber steil über Serpentinen aufwärts, an häßlichen Lawinenverbauungen vorbei zum . Von dort aus zur Hafelekarspitze (2.334 m) war es nur noch eine Formalität (10 Min.).
Dort bietet sich eigentlich eine herrliche Rundumsicht auf das Wettersteingebirge, das Karwendel, die Tuxer-, Zillertaler- und Stubaier-Alpen. Leider hüllte sich der Süden (die Innsbrucker Seite und der Alpenhauptkamm) in dichte Wolken. Das Wetter im Inneren des Karwendel war allerdings deutlich besser und ließ Hoffnung auf eine schöne Tour aufkommen.
Nach dem kurzen Abstieg vom Gipfel ging es entlang des Goethewegs lange Zeit fast eben, schließlich etwas ansteigend hinüber zum Gleirschjöchl (2.200 m) unterhalb der gleichnamigen Spitze. Weiter ging es auf dem Goetheweg mit geringem Höhenverlust durch das Mühlkar. Schließlich stieg der Weg dann noch steil zu der zwischen Mannspitze (2.364 m) und Gleierschtaler Brandjoch (2.345 m) gelegenen Mannlscharte (2.330 m) an. Von dort aus bot sich ein herrlicher Blick in die Hochebene mit der und auf das gegenüber liegende Stempeljoch (2.215 m), mein nächstes Etappenziel. Ich ging hinab und weiter entlang über die Schutreißen der rechts gegenüberliegenden Rumerspitze auf das Stempeljoch zu. Von dort hatte ich noch einmal einen schönen Blick hinüber zur Mannlscharte.
So moderat es von Westen her hinauf zum Stempeljoch ging, so steil ging es auf der Ostseite über Schuttkare hinab. Nach ca. 500 m zweigt der Weg links auf den "Wilde-Bande-Steig" ab. Hier ging es wieder einige Zeit fast eben hinüber zum Lafätscher Joch (2.085 m). Von dort aus kann man die Hütte schon fast sehen. Nach einer kleinen Steilstufe durch den "Durchschlag" erreichte ich schließlich das .
Der Weg führt zunächst durch ein kleines Zirbenwäldchen hinüber zur Hallanger Alm. Von der Hallanger Alm aus hat man noch einen schönen Blick zurück auf den Lafatscher und das Lafätscher Joch. An der Alm zweigt der Weg nach rechts (O) ab und leitet hinauf zum Überschalljoch. Auf dem Joch geht es zunächst fast eben, dann aber immer steiler werdend über Bergpfade und Geröll unterhalb der Bettelwurf Nordwand 600 m hinab in das Tal des Vomper Baches.
Beim "Hochhüttl" (1.260 m) wird der Bach nach S überquert und man kommt bei "In der Au" in einen flachen, etwas breiteren Teil. An dessen Ende, bei der "Triefenden Wand" (ca. 1.100 m), wird der Bach wieder nach Norden gequert und es geht einen Bergpfad steil hinauf. Der Weg führt nun, immer wieder unterbrochen von Steilstufen, über etliche abenteuerliche Brückchen herrum um die südlichen Ausläufer der Schafkarspitze hinein in Zwerchbach Tal. Kurz vor der verdienten Rast in der Nähe einer Jagdhütte galt es noch eine seilversicherte Steilstufe hinabzusteigen, die Katzenleiter. Die Rast war verdient und nötig denn nun lagen ca. 1.200 m Aufstieg zur Lamsscharte vor mir.
Zunächst noch leicht führte der Weg in das Tal hinein, bald aber zweigte er steil ansteigend nach NO ab. Nun setzte leichter Regen ein, der sich im Laufe der Zeit immer mehr verstärkte. Die Überwindung einer kurzen seilversicherten Passage war daher mit dem Cape etwas umständlich. Oben am Paß warf ich noch einen Blick in den von hier aus bodenlosen, senkrechten Lamstunnel. Es handelt sich um einen ca. 30 m langen, nahezu senkrechten natürliche Tunnel. Alles was ich von oben sehen konnte waren einige Metallbügel als Tritte.
Ich beschloß, da ich den schweren Tourenrucksack und kein Klettersteigset bei hatte, doch lieber weiter zur Lamsenscharte zu gehen. Dort geht es mit Hilfe einiger Seile luftig hinab unterhalb der Ostwand der Lamsenspitze. Über ein Geröllfeld, und dann über den grasigen östlichen Rücken der Lamsenspitze führt der Weg schließlich hinüber zum .
An diesem Tag erwartete mich eine zwar lange, aber eigentlich genußvolle Etappe, wenn das Wetter halten würde! Zunächst inspizierte ich jedoch den Weg zum Lamsen Tunnel per Fernglas.
Vom Lamsenjoch Haus aus ging es bei starker, niedriger Bewölkung auf einem guten Bergpfad leicht ab- und wieder aufsteigend nach NW hinüber zum Östlichen Lamsenjoch und von dort ab unterhalb der Südwestseite der Hahnkamplspitze hinab, vorbei an der Bins Alm in die Eng zum Großen Ahornboden (1.250 m).
Leider hatte es sich inzwischen soweit zugezogen, daß der Ahornboden im Nebel war und es leicht zu regnen begann. Diesen Umstand nahm ich zum Anlaß unten erst mal zwei wärmende Kakao zu trinken und auf Wetterbeserung zu hoffen. Aber das Wetter besserte sich nicht und ich warf mir das Cape über und marschierte nach einer Stunde im Wirtshaus weiter in Richtung Falkenhütte. Zunächst über Wiesen leicht ansteigend, später steiler durch Wald führte der Weg hinauf zum Hohljoch (1.795 m) von wo aus man die Hütte sehen konnte. Der Regen hatte aufgehört, aber die Sicht war noch nicht besser. Die eindrucksvollen Lalidererwände wie die Dreizinnen- und Grubenkarspitze zeigten sicht nicht, sie hüllten sich vorerst in dichte Wolken. Die Sicht endete etwa an den Schuttreißen der Wände.
Die nutzte ich, um meine nassen Sachen etwas zu trocknen und eine warme Suppe zu essen. Währenddessen besserte sich glücklicherweise das Wetter im Westen und ich ging weiter hinab in Richtung des kleinen Ahornbodens. Diesen, wie das Hermann von Barth Denkmal sparte ich mir für eine spätere Tour auf und umging das Tal südlich auf einem einsamen, schmalen Pfad unterhalb der Kaltwasser- und Birkkarspitze. Auf den Schutthalden der Kaltwasserspitze machte ich Brotzeit, freute mich über das schöne Wetter und ließ die Eindrücke auf mich wirken.
Nach einer kleinen Steilstufe erreichte ich dann wieder den Hauptweg, der mich breit und gemächlich steigend zum Hochalmsattel (1.803 m) hin leitete. Dabei hatte ich noch schöne Blicke ins Rund der Gipfel, besonders aber entlang meines Weges zurück zur Falkenhütte sowie der nördlich davon gelegenen Steinspitze und dem Laliderer Falk. Vom Sattel aus führte der Weg gemächlich hinab zum .
Das Wetter hatte sich erheblich gebessert, die Sicht war ausgezeichnet, und ich beschloß die Gelegenheit nicht ungenutzt zu lassen und der Bikkarspitze aufs felsige Haupt zu steigen. Aber nicht auf den direkten Weg durchs Schlauchkar, sondern über der Brendelsteig zur Ödkarspitze und dann erst zur Bikkarspitze. Es ging hinter der Hütte los.
Mit leichter Kraxelei an Fixseilen wurde eine Steilstufe überwunden. Dann führte der Weg mit leichtem Auf und Ab durch Latschenfelder hinein ins Schlauchkar. Schließlich zweigte der Weg zum Brendelsteig nach rechts (W) ab und führte hinüber zu einer ca. 200 m hohen Steilstufe, die etwas ausgesetzt und doch sparsam mit Fixseilen versichert war. Oben angekommen ging ich auf dem flachen, breiten Rücken zum Einstieg in die Westflanke der westlichwen Ödkarspitze. Da ich wie gesagt kein Klettersteigset mit hatte und der nächste Teil des Weges doch sehr ausgesetzt aussah, entschloß ich mich schweren Herzens zur Umkehr.
Das tut niemand gerne und möglicherweise war das unnötig, aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Einige Zeit später fand ich mich also im Schlauchkar wieder und arbeitete mich langsam hoch. Es ging über Steilstufen und Schneefelder mehr oder weniger steil hinauf zum Schlauchkarsattel.
Nach einer kurzen Brotzeit bei der stieg ich dann mit leichter Kraxelei an etlichen Fixseilen weiter hinauf zur Birkkarspitze (2.749 m). Der Blick von hier aus war wie zu erwarten großartig. Die ganze Parade der Gipfel und Kämme im Westen, Norden und Osten waren gut zu sehen. Auch den kleine Ahornboden und die Falkenhütte zeigten sich wieder wolkenfrei. Leider hielten sich über dem Alpenhauptkamm im Süden hartnäckig die Wolken, sodaß die Sicht zu den Zentralalpen versperrt blieb. Eine gute Stunde blieb ich oben bis ich mich sattgesehen hatte. Eine weitere Stunde später war ich wieder am Karwendelhaus und faulenzte in der Nachmittagssonne.
Auch dieser Tag zeigte sich von seiner schönen Seite. Der Weg zur Hochland Hütte verläuft im wesentlichen über den Gjaidsteig. Ein guter Teil dieses Weges ist vom Karwendelhaus aus gut einzusehen. Nachdem ich vom Karwendel Haus etwas zur Hochalm abgestiegen war, traf ich bald auf den Gjaidsteig. er führt überwiegend leicht ansteigend zum Paß, der Bäralpl. Beim begehen stellte er sich jedoch etwas schwieriger als von Ferne betrachtet heraus. Ich hatte angenommen einen einfachen Bergpfad vor mir zu haben, stellte nun aber fest, daß es einige kleinere felsige Bereiche zu überwinden galt. Kurz vor und auf der Bäralpl war der Weg allerdings dann wieder leicht. Direkt nach dem Paß (1.777 m) allerdings folge eine ca. 500 m lange recht anspruchsvolle Stelle. Sie beginnt am Bäralpl mit einer sehr steilen seilgesicherten Passage. Der Weg läuft teilweise als Band im Fels mit überhängendem Sicherungsseil (ca. 50 m). Anschließend folgt noch ein schmales Stück Weg über Bänder und Buckel immer weiter abwärts.
Auf dem Bild rechts ist der erste Teil des Weges gut zu sehen. Bilder, die diesen Teil der Tour noch besser zeigen finden sich auf Familie Seng's Seiten. Der Weg über die Bänder traf schließlich auf einen von der Krinner-Kofler-Hütte kommenden Pfad. Ich ging jedoch weiter über Geröllfelder auf dem Gjaidsteig stetig steigend nach Westen hinüber zum Kampenleitenjoch (1.933 m). Kurz vor dem Joch steig der Weg wieder sehr steil, diesmal aber über breitere grasige Bänder, an. Dahinter verlor er erneut etwas an Höhe. Es ging weiter über Geröllfelder nach Westen auf den Wörnersattel zu. Auch hier ging es kurz vor dem Sattel wieder steil ein Kar hinauf zum grasigen Sattel (1.989 m).
Von hieraus war die Hochlandhütte schon zu sehen. Nach einer ausgiebigen Rast stieg ich den Weg nach Nordwesten hinab um dann im Bogen nach Südwesten zur hinüberzu schlendern. Die Hütte ist eine recht kleine Hütte und einer der gemütlichsten, die je besucht habe. (Bis auf den Deckenbalken im Lager, mit dem mein Kopf zweimal schmerzhaft Bekanntschaft machte). Abends genoß ich noch den wunderbaren Blick auf die über den Ammergauer Alpen untergehende Sonne.
Die Hütte wird übrigens vom Ehepaar Dressl-Kasy hervorragend bewirtschaftet. Dr. Irmtraud Kasy ist promovierte Psychologin und hat Ihre tragischen, lustigen und spannenden Erlebnisse als Hüttenwirtin in einem Buch festgehalten. Daher sei mir hier der Hinweis gestattet, dass man das Buch telefonisch unter Tel. 0174/9897863 (Hütte) oder 08823/5686 (Tal) oder per Postkarte (Schöttelkarstr. 10, 82481 Mittenwald) bestellen kann.
Der Morgen begann mit wunderschönem Wetter und so machte ich mich auf den Weg um von der Hochlandhütte über die Dammkarhütte durch das Dammkar zur Westlichen Karwendelspitze aufzusteigen. Ich konnte bummeln und mir Zeit lassen, da ich nur noch etwa vier Stunden zu gehen hattte. Nach einem kurzen Aufstieg ging es nahezu eben im Bogen nach Westen. In dem Wäldchen am Wildleger verlor der Weg aber dann rasch an Höhe und traf schließlich in der Loach auf den von Mittenwald kommenden Weg zur Dammkarhütte. Von hier aus ging es auf einer Bergschulter im Zickzack südlich aufwärts zur .
Ich verweilte hier nicht lange, sondern machte mich bald wieder auf den Weg. Dieser führte nach Süden anfangs etwas mühsam über das Geröll aufwärts. Ab der Bergwachthütte verlief er dann über die breite und leicht zu gehende Skipiste. Dort machte ich eine etwas ausgiebigere Pause. Einige sehr aufdringliche Schafe versuchten mir meine Brotzeit streitig zu machen. Ich konnte sie aber erfolgreich durch schnelles aufessen (der Brotzeit, nicht der Schafe :-) ) verteidigen. Glücklicherweise stand die Sonne noch im Osten, sodaß das Dammkar noch weitestgehend im Schatten lag. Daher war der Weiterweg durchaus als angenehm zu bezeichnen. Es ging nun also die breite Skipiste im Bogen nach Westen durch das Hintere Dammkar hinauf.
An einer Scharte konnte ich dann wieder nach Süden in den vorderen Teil des Karwendeltals schauen. Hier traf ich auch mehr und mehr Menschen. Ich ging noch durch den Tunnel und wurde von der Masse der Touristen in der Karwendelgrube fast erschlagen. Nach Tagen relativer Einsamkeit ist solch ein Ort sehr gewöhnungsbedürftig. Ich machte mich noch auf den Weg auf die Westliche Karwendelspitze. Man ist immer wieder verwundert, wer und mit welchem Schuhwerk sich auf diesen teilweise doch arg abgespeckten Felsen quält. Na ja, Foto gemacht, und schnell wieder runter. Die 1.300 m Absteig in der Mittagssonne habe ich mir dann gespart und bin mit der Seilbahn runter gefahren.
Das Bild links zeigt das Massiv mit der Westlichen Karwendelspitze von Mittenwald aus gesehen. Die Seilbahnstation ist gerade in der Verlängerung der Seile am Grat, bei den weißen Wolken zu sehen. Dort mußte ich mit dem Bus weiterfahren, da die Zugstrecke nach Garmisch-Partenkirchen unterbrochen war. Mitten in der Nacht war ich dann zufrieden und voll mit vielen Eindrücken wieder zuhause. Es war eine sehr schöne Tour.