Gebietsführer Gran Paradiso, Gerd Klotz , Bergverlag Rother
Bruckmanns Tourenführer 4000er, Richard Goedeke, Bruckmann Verlag
Bruckmanns Tourenführer 4000er, Richard Goedeke, Bruckmann Verlag
Diesmal reiste ich wieder mit dem eigenen PKW an. Zunächst traf ich mich mit dem Tourenführer Christian sowie Elke und Ralf auf dem Großen St. Bernhard, wo wir übernachteten. Durch viele Staus in Deutschland erreichte ich den Pass jedoch erst nachts um 23:30.
Die Unterkunft im Du Mont-Joux war ganz nett und mit 20 € auch nicht zu teuer. Nach einem ausgiebigen Frühstück setzten wir unseren Weg fort in Richtung Aosta Tal. Ich fuhr zum Campingplatz nach Pont im Valsavarenche, um mich dort mit Eva und Wito zu treffen und meinen Wagen mit dem Material für die Hochtour dort stehen zu lassen. Christian hatte Elke und Ralf inzwischen ins Valgrisenche gefahren und brachte nun deren und sein Hochtouren Material ebenfalls nach Pont. Anschließend fuhren wir zusammen ebenfalls ins wo unsere Tour beginnen sollte.
Hatte sich der Tag bisher sehr schön sonnig mit leichter Bewölkung gezeigt, bedeckten nun zunehmend dunkle Wolken den Himmel und bei unserer Ankunft in Usellières hatte es inzwischen zu regnen begonnen. Das war also meine zweite Tour in diesem Jahr, die im Regen beginnen sollte, so ein Mist! Wir flüchteten in die kleine Gaststätte und aßen Reis mit Tomatensoße und Käse. Während wir einen Nachtisch verzehrten klarte es etwas auf und wir begannen unsern Weg, bzw. unsere Tourenwoche.
Die Anoraks und Rucksackcapes hatten wir allerdings anbehalten, was auch gut war, denn auf dem Weg zur Hütte regnete es immer wieder einmal sporadisch. Der Weg führte nur sehr leicht ansteigend zunächst auf einer Schotterstrasse das Tal hinauf. Offensichtlich war die Strasse nicht für den Verkehr gesperrt, denn selbst hier passierten uns leider noch einige Fahrzeuge, die bis zu einem Punkt fuhren, an dem es für Pkws dann wirklich nicht mehr weiter ging.
Hier wurde der Weg schmaler und führte in leichtem Auf und Ab aber stetig steigend weiterhin auf der östlichen Seite des Baches Dora di Valgrisenche hinauf zum , das wir nach eineinhalb Stunden erreichten.
Hier trafen wir Ralf und Elke wieder und es folgte ein großes Hallo. Der große Gastraum war voll mit Leuten und wegen des Wetters feuchtwarm. Ralf und Elke hatten schon ein Zimmer für die Gruppe bekommen, daher brachten wir unsere Sachen schnell nach oben. Es war sehr schön und hatte ein riesiges Südfenster, toll!
Das Abendessen war ein vier Gänge Menü mit Suppe, Pasta, Hauptspeise und Nachtisch und wirklich prima, sogar Nachschlag gab es noch. Am Abend nahmen Regen und Wind wieder zu und die Temperatur sank soweit, dass es selbst im Bereich der Hütte zu schneien begann.
Die Nacht hatte Schnee und Kälte gebracht, aber der Himmel hatte deutlich aufgeklart und nach einem guten Frühstück konnten wir über die "13d. Haute Route Glaciaire" zum Col Bassac Déré und weiter zum Rifugio Benevolo gehen. Vor der Hütte sang eine Französin wunderschön ein Lied von Edith Piaf: "Allez venez! Milord, Vous asseoir à ma table .... ". Sie war tags zuvor mit einer Gruppe von Val d'Isère herüber gekommen und wie sich später herausstellte sprach sie auch ausgezeichnet Deutsch.
Zunächst führte uns der Weg nach S kaum steigend über die nassen, teils noch mit Schneeresten oder Raureif bedeckten Wiesen. Bald aber stieg der Weg teils steil an. Dabei nahm mit steigender Höhe auch der Schnee zu. Ab ca. 2.500 m Höhe machten uns zudem immer wieder vereiste Stellen zu schaffen, die den ansonsten recht einfachen Weg nun teils recht schwierig machten. Besonders an einer Stelle mit recht glatten, abschüssigen Felsen benötigten wir auf Grund des Schnees und der Vereisung mehrere Minuten, um ein nur ein Meter hohes Stück zu überwinden!
Nach den steilen Stücken erreichten wir den Beginn einer weiten Hochfläche und konnten die Col Bassac Déré schon fast sehen. Wir querten die Hochfläche in leichtem Auf und Ab mit einem schönen Blick auf den Gliairetta Gletscher und die Eisriesen im Süden und Westen über die die Grenze zu Frankreich verläuft und näherten uns so der Scharte. Ein ca. fünf Meter hohes Riff war wegen der Verhältnisse nicht gemäß der gelben Markierungen zu queren; wir mussten dieses Stück 50 m weiter nördlich umgehen.
Nach den letzten 100 Hm Anstieg hatten wir die Scharte schließlich erreicht. Da dort ein starker, kalter Wind ging, pausierten östlich wir im Lee der Scharte. Hier oben hatten wir schon einen tollen Blick auf das Hauptziel unserer Tour, den Gran Paradiso und die Überschreitung des nächsten Tages, die Col Rosset. Der Himmel im Valgrisenche indes hatte sich im Laufe des Aufstieges wieder völlig zugezogen und die dunkel drohenden Wolken dort verhießen nichts Gutes.
Eigentlich hatten wir gehofft den Bocca della Traversiere besteigen zu können, aber der hüllte sein Haupt die ganze Zeit trotzig in Wolken, weshalb wir beschlossen wenigstens den kleinen Vorgipfel zu besteigen. Von der Scharte aus ging's zunächst moderat entlang der W-Flanke auf einem gut erkennbaren Pfad nach S aufwärts. Nach einiger Zeit aber folgten wir kaum wahrnehmbaren Spuren nach O steil den Berg hinauf. Der Schnee war inzwischen weich und das Eis getaut, weshalb sich der Aufstieg jedoch unproblematisch zeigte. Schließlich wurde der Berg flacher und wir schlenderten hinauf zum höchsten Punkt des Vorgipfels.
Hier oben war die Rundumsicht noch besser als auf der Scharte. Besonders beeindruckend war der südliche Teil des Gipfels, der teilweise 1 - 2 m breite klaffend Risse aufwies und den Absturz von hunderten von Kubikmetern Fels jederzeit erwarten ließ. Wir hielten respektvollen Abstand von diesen "Wunden" des Berges. Der Abstieg zur Scharte erfolgte auf dem gleichen Weg wie der Aufstieg.
Nun ging's steil und rutschig die O-Seite der Scharte hinab und wir erreichten eine wunderschöne Stelle am Goletta See des gleichnamigen Gletschers mit einem atemberaubenden Blick auf See, Gletscher und den Granta Parei oberhalb, wir konnten uns gar nicht satt sehen. Bald querten wir den Gletscherbach über eine kunstvoll angelegte steinerne Brücke und passierten die jüngste Endmoräne in Richtung NO. Der Weg verlief noch einige Zeit auf der älteren Seitenmoräne, viel aber bald schon steil ab ins Rhêmes Tal. Hier oben konnten wir zum ersten Mal das Rifugio Benevolo tief unter uns sehen.
War das Wetter im Valgrisenche schon wieder sehr schlecht gewesen, hier im Rhêmes Tal hatten wir glücklicherweise aufgelockerte Bewölkung. Der Weg zickzackte sich nun 400 Hm steil durch die O-Flanke des Berges die Alpe di Soches abwärts, machte vor dem Talboden noch einen weiten Bogen nach N und zurück nach S. Wir querten noch zwei Brücken, eine davon aufwändig gemauert, passierten einen letzten Hügel und standen schließlich vor dem schönen .
Die Unterbringung unserer Gruppe erfolgte in zwei hübschen, wenn auch etwas engen 4er Zimmern. Die sanitären Anlagen der Hütte jedoch waren unangenehm schmutzig! Immerhin war das Abendessen prima und wir hatten beim abendlichen Kartenspiel wieder viel Spaß. Noch eine Überraschung gab es an diesem Abend. Christian hatte uns doch noch Plätze im Rifugio Chivasso buchen können. Er meinte diese Hütte sei erheblich besser, als das ursprünglich geplante Rifugio Savoia.
Der Morgen war immer noch kalt, aber, da der Himmel strahlend blau war, war zu erwarten, dass es ein angenehmer Tag werden würde. Nach einem kargen Frühstück verließen wir die Hütte leicht absteigend in Richtung des gegenüber liegenden Hanges ( O ) und begannen diesen bei einem alten steinernen Stall nach NO gemächlich anzusteigen.
Nach einiger Zeit erreichten wir ein terrassenartiges Hangstück, auf dem wir weiter in Richtung N wanderten. Plötzlich gingen unsere Blicke nach oben. Gegen die Bergkante zeichnete sich von hinten von der Sonne beleuchtet eine Gämse ab. Bevor wir jedoch unsere Fotoapparate heraus hatten, hatte sich das scheue Tier aber bereits wieder hinter die Kante zurückgezogen.
Bald schon erreichten wir das Ende der Terrasse und hatten einen wunderschönen Blick entlang des Rhêmes Tales und hinüber zum Grand Combin. Unser Weg wandte sich nun nach rechts ( O ) und verlor dabei gut 100 m an Höhe; es ging teils steil hinab ins Gran Vaudlaz Tal. Nachdem wir den Gran Vaudalo Bach gequert hatten, begann der endgültige Anstieg zur Rosset Scharte.
Zunächst noch leicht steigend passierten wir eine kleine Herde Kühe, die uns anglotzten und uns den Weg nur widerwillig frei machten. Bald danach stieg der Weg jedoch deutlich steiler an. Trotz der immer noch herrschenden morgendlichen Kühle brannte die Sonne inzwischen auf uns herab und ließ uns schon mal ein bisschen schwitzen. Auf einem etwas flacheren Stück pausierten wir erst einmal ausgiebig.
Dabei konnten wir in einiger Entfernung die sehr scheuen Murmeltiere beobachten, von denen sich aber nicht mehr als der Wächter heraustraute. Weit unterhalb auf einem Geröllfeld sahen wir eine kleine Herde Gämsen, vermutlich die, deren Späher wir schon beim Aufstieg kurz gesehen hatten.
Bald darauf folgte der restliche Anstieg zur Scharte und es wurde immer steiler und karger. Glücklicherweise wurde mit dem Aufstieg die Luft auch etwas kühler, daher blieb diese Anstrengung erträglich. Bald schon hatten wir die Scharte erreicht und genossen, wieder im Lee, den wunderbaren Blick hinüber zum Paradiso und hinab auf die schönen, türkisblauen Seen unterhalb auf der Piani del Rosset.
Wir genossen die Aussicht und die Pause nach dem anstrengenden Aufstieg. Bald schon hatten wir aber wieder "Hummeln im Hintern" und beschlossen etwas auf dem Grat südlich von uns aufwärts in Richtung Punta di Leynir zu klettern. Das zunächst einfache Gehgelände ließ uns, aber nach ca. 50 Hm wir hin und wieder "Hand anlegen". Schließlich überwanden wir noch einige Ier Stellen und fanden uns auf einem schmalen Vorgipfelchen (3.224 m) ein, von dem aus wir den Gran Paradiso noch besser sehen konnten.
Zu bald schon machten wir uns wieder an den Abstieg, denn bis zum Rifugio Chivasso war es noch eine gute Strecke zu gehen. Wir folgten dem Weg anfangs sehr steil die Flanke abwärts. Nach ca. 150 Hm hatten wir eine Ebene erreicht, auf der wir nun gemütlicher gehen konnten. Nach einer kleinen Steilstufe, an der wir unzählige Edelweiße fanden, erreichten wir wieder einen Boden diesmal mit den türkiesgrünen Leità und Rosset Seen. Hier pausierten wir erst einmal und genossen eine Weile die wunderschöne Landschaft. Besonders der Blick auf die Punta Fourà mit dem See und dem Wollgras davor war einfach atemberaubend.
Es schloss sich wieder ein Hang an, der uns einer Strasse und damit dem Tourismus näher brachte. Wir überschritten die Strasse und nach einem letzten kleinen Anstieg hatten wir das erreicht, wo uns der Hüttenwirt überaus freundlich per Handschlag begrüßte. Die Hütte erwies sich als recht schön, vor allem die sanitären Einrichtungen der Hütte waren um Welten besser, als die des Rifugio Benevolo. Wer 8 € investierte konnte sogar 20 L warmes Wasser "verduschen"!
Das Lager im Untergeschoss war recht neu. Der einzige Nachteil war, dass in den unteren Plätzen des Lagers Helmpflicht herrschte. Ein Querbalken war so unglücklich angebracht, dass man sich beim Aufrichten daran unweigerlich jedes Mal den Kopf stoßen musste. Abends gab es wieder wie gewohnt leckere Primi und Secundo Piatti und Dessert. Wir bestätigten, dass Christian uns am Vortag nicht zuviel versprochen hatte. Auch die Gruppe Franzosen trafen wir hier wieder, sie waren jedoch nicht wie wir über den Col Rosset, sondern etwas weiter südlich über den 100 m höheren Col Nivoletta gegangen.
An diesem Tag stand der Übergang von der Wander- zur Hochtour an. Zunächst folgten der Strasse abwärts zum Rifugio Savoia wo wir dann weiter durch die Wiesen gingen. Hier unten waren die Murmeltiere, vermutlich durch die vielen Touristen, deutlich weniger scheu und ließen uns sogar bis auf 10 m rankommen, bevor sie Reißaus nahmen.
Der Weg fiel auf der Piano del Nivolet allerdings auf den nächsten 5 km lediglich geringfügig ab, unterbrochen nur einmal von einer kleinen, 10 m hohen Stufe. Schließlich aber wurde er steiler und wand sich zwischen riesigen Blöcken hindurch. Bei einer Gruppe Lärchen hatten wir erneut einen wunderschönen Blick auf den Gran Paradiso. Es wurde immer steiler und der Wald nahm zu. Wir zickzakten uns nach unten und erreichten bald schon den Campingplatz in Pont, wo unsere Pkws mit der Hochtourenausrüstung standen.
Nach dem Sichten der Ausrüstung durch Christian, umpacken der Rucksäcke, Christian: "Nehmt nur mit, was Ihr wirklich braucht, bloß nichts doppeltes!" einer warmen Dusche und umziehen, konnte es wieder losgehen. Wir überschritten die Brücke am Campingplatz und folgten dem kaum ansteigenden Weg nach S talaufwärts entlang des Savara Baches.
Nach ca. 1 km führte der Weg über eine Brücke, die den Entwässerungsbach des Gand Paradiso Gletschers überspannte. Unmittelbar dahinter tauchte der Weg in den Wald ein und begann merklich zu steigen. Der Weg hier unten war größtenteils aufwendig angelegt; er bestand überwiegend aus kunstvoll angeordneten Steinplatten. Unter dem "letzten Baum vor der Hütte" machten wir noch einmal eine kurze Rast, bevor wir uns schattenlos in der Mittagshitze den teils steilen Weg hinaufarbeiteten.
Die Hütte ist mit ca. zwei Stunden Gehzeit vom Campingplatz aus recht einfach zu erreichen, weshalb uns Scharen von "Halbschuhtouristen" entgegen kamen oder noch mit uns aufstiegen. Insgesamt ist der Weg recht einfach, breit ausgetreten und mit steilen und flachen Abschnitten recht angenehm zu gehen.
Nach ca. 1 ½ Stunden sahen wir die originelle, halbtonnenförmige Hütte hinter einer Kehre plötzlich nur noch ca. 200 m weit entfernt. Der Rest des Weges war schnell geschafft und wir fanden uns in dem Trubel vor der Hütte wieder. Das liegt wunderschön an einem kleinen aufgestauten See, hat aber leider keinen direkten Blick hinauf zum Gran Paradiso.
Auch hier waren die Zimmer sehr schön und die sanitären Einrichtungen waren in gutem Zustand. Obwohl die Hütte zusammen mit de Winterraum insgesamt fast 200 Plätze hat, war sie rappelvoll. Die Gäste wurden daher zum Essen in zwei Gruppen eingeteilt. Wir aßen von 19 - 20 Uhr. Wieder gab es ein mehrgängiges Menü und auch beim Nachschlag für die Pasta (Carbonloading für den Gipfel am nächsten Tag) ließen sich die Bedienungen nicht lumpen.
Christian, Elke und ich versuchten vor Einbruch der Dunkelheit den Abzweig des neuen Weges vom alten zu finden, was uns aber nicht mehr gelang. Ich dachte ich hätte ihn gefunden, war aber skeptisch, denn für einen neuen Weg waren dort viel zu wenig Steinmänner und kaum Wegspuren. Der Abend war wie die Nacht kurz, denn um vier Uhr sollte es schon wieder Frühstück geben.
Nach einer kurzen Nacht hieß es um halb vier aufstehen. Alle Dinge die wir für die Hochtour nicht brauchten wurden verpackt und im Zimmer zu deponiert. Nach einer Katzenwäsche überzeugten wir unsere Körper, dass Frühstück zu dieser frühen Stunde richtig ist. Mein Körper widersprach heftig, trotzdem konnte ich ihm zwei Weißbrotscheiben und einen Kaffee aufnötigen, dann ging's los.
Fast die ganze Hütte war auf den Beinen und so führte eine endlose Lichterkette durch den Felssturz hinter der Hütte und die Geröllflanke hinauf. Wir reihten uns ein in die Herde und fanden so auch leicht den Abzweig zum neuen Aufstiegsweg und den Übergang über den Bach. Anschließend ging es die nördliche Seitenmoräne des Gand Paradiso Gletschers hinauf und dann ca. einen Klometer moderat steigend darauf empor. Die ganze Zeit gingen wir jedoch inmitten vieler anderer Bergsteiger, weshalb wir so recht kein eigenes Tempo gehen konnten.
Am Ende der Moräne führte der Weg ein ca. 20 m hohes Wandstück steil hinauf. Hier war auch eine kurze IIer Stelle zu überwinden (ca. drei Meter hoch). Oberhalb war es immer noch steil, aber deutlich einfacher. Wir erreichten schließlich den breiten Rücken des Testa di Montcorve und stiegen darauf über grobes Blockwerk im Sonnenaufgang weiter empor. In 3.300 m Höhe erreichten wir den "Frühstücksplatz" wo wir unsere Hochtourenausrüstung anlegten.
Zunächst stiegen wir etwas über grobes Blockwerk auf den Laveciau Gletscher hinab und gingen gut 200 m nahezu horizontal über den Gletscher nach SO. Bald schon wurde der Gletscher steiler und wir passierten einige "interessante" Spalten- und Bruchzonen. Zwischen den Spalten ging's teilweise auf nur handtuchbreiten Brücken aufwärts. Leider waren einige Gruppen vor uns deutlich langsamer und mussten schon hier unten immer wieder kurz anhalten. Dadurch wurde es auch für uns sehr mühsam, denn durch das ständige Stopp and Go konnten wir keinen eigenen Rhythmus finden.
Nur wenige Seilschaften kamen zu der Einsicht doch mit dem steilen bis sehr steilen Anstieg überfordert zu sein. Die meisten anderen verteidigten trotz Schneckentempos ihren Verbleib in der Spur und zwangen uns und andere ebenfalls deutlich schnellere Seilschaften hinter ihnen her zu "schnecken". So wurde der Aufstieg mühsamer, als er hätte sein müssen.
In 3.800 m Höhe, dort, wo der Weg vom alten Aufstieg einmündet, machten wir erstmalig wieder eine richtige Pause. Nun waren es nur noch ca. 250 Hm bis zum Gipfel, aber wieder hatten wir langsamere Seilschaften vor uns, die uns nicht passieren ließen. Wir querten unter dem Felsgrat "Roc" nach N, überwanden die breite Randkluft auf einer festen Spaltenbrücke und erreichten schließlich den übervollen Gipfelaufbau.
Ohne Rucksäcke und Steigeisen machten wir uns dann an den finalen Aufstieg zum Gipfel. Dabei ging's in leichter Ier Kletterei nach NW weiter hinauf in Richtung des Madonnengipfels. Erschwert wurde das dadurch, dass die NW-Seite des Gipfels noch reichlich Eis auf den Steinen aufwies. Vor dem Gipfel stauten sich allerdings die Seilschaften und Bergsteiger schon. Auf den knapp 10 - 20 qm vor dem Gipfel waren gut 30 Bergsteiger und vom Gipfel kamen wieder und wieder Bergsteiger und Seilschaften herunter und mussten eine überraschend luftige drei Meter breite sehr luftige Stelle passieren.
Es herrschte ein fürchterliches Gedränge, weshalb Eva und Ich uns erst einmal an einem dort vorhandenen Bohrhaken sicherten. Eva, Wito und Christian überwanden schließlich noch zwischen den herunter kletternden Bergsteigern die restlichen Meter zum Gipfel und oben gab es ein großes Hallo, denn für Eva und Wito war das ihr ersten 4.000er. Leider hatte sich der Himmel inzwischen wieder zugezogen, weshalb wir leider keine Aussicht genießen konnten.
Nach einiger Zeit hangelten wir uns wieder vorsichtig entlang der Felsen abwärts und kamen sicher zu unserem Rucksachdepot. Beim Anlegen der Steigeisen bemerkten wir, dass sich auch andere Gruppen fertig machten. Also hieß es einen Zahn zulegen, um nicht wieder hinter den Schnecken her kriechen zu müssen. Es gelang uns und wir hatten den Gletscher nun ganz für uns. Die Sicht war jedoch auf kaum 30 m zurückgegangen. Ich als zweiter konnte Eva, die voranging teilweise nur verschwommen sehen. Sie führte uns aber sicher die Spur hinab. Christian, der mit seinem GPS seit dem Frühstücksplatz den Weg aufgezeichnet hatte bestätigte uns immer wieder die Richtigkeit des Weges.
Erst kurz vor dem flachen Gletscherstück in 3.300 m Höhe waren wir wieder unter den Wolken. Der Weg zum zweigte hier nach rechts ab und führte durch das imposante Spaltengewirr des unteren Laveciau Gletschers. Wir banden uns diesmal bereits unterhalb der kleinen Steilstufe aus und steigen zum "Frühstücksplatz" auf, wo wir unsere Ausrüstung wieder ablegten.
Wir hatten Glück gehabt, denn der Regen, der für diesen Tag angesagt worden war, setzte erst jetzt ein. So steigen wir in leichtem Nieselregen über die Blöcke auf der Testa di Montcorve balancierend weiter abwärts. An der Kante angekommen fanden wir die IIer Stelle vom Morgen erst gar nicht wieder, denn wir konnten auf zwar steilen und nicht ganz unschwierigem Weg absteigen, klettern mussten wir aber nicht! Erst von unten sahen wir, dass wir in der Nacht wie die Lemminge die schwierigste Stelle im Aufstieg gewählt hatten. Links und rechts von ihr führten "normale" Wege hinauf auf das Plateau.
Der Rest des Weges war einfach. Wir schlenderten die Moräne hinab, an deren Ende die Flanke nach links hinunter und querten wieder den Bach. Danach ging's wieder die Schutthalde hinunter und schließlich durch das grobe Blockwerk hinüber zu Hütte, die wir schließlich nach einer schönen neun stündigen Gipfeltour sehr glücklich erreichten. Am Abend wurde der Gipfelsieg noch mal zünftig gefeiert.
Nun war der Tag des Abschieds gekommen. Wir hatten den Vorzug, anders als andere "Gipfelstürmer" diesmal ausschlafen zu können, denn Frühstück gab es bis um 8 Uhr, was wir auch nutzten. Das Verpacken unserer Ausrüstung ließen wir diesmal nach dem Frühstück gemütlich angehen und nach einiger Zeit machten wir uns an den Abstieg zum Campingplatz.
Wir steigen wieder durch das karge Wiesen- und Moränengelände auf dem Aufstiegsweg ab. Unterwegs sahen wir noch einen überhaupt nicht scheuen Steinbock, der nahe einer Ziegenherde, kaum fünf Meter von Weg entfernt völlig an uns desinteressiert graste und sich von uns Touristen nicht im Mindesten stören ließ. Wir erreichten die Baumgrenze, die Brücke und schließlich auch wieder den Campingplatz, wo unsere Pkws und Sachen auf uns warteten.
Wir zogen uns um, machten uns frisch und verabschiedeten uns voneinander sehr herzlich. Die anderen hatten für Samstag noch eine Bergtour im Val Valnontey geplant, aber ich musste leider unbedingt am Freitag zu hause sein. Da Elke beim Münzen werfen verloren hatte, fuhr ich Ralf noch mit meinem Cabrio ins Valgrisenche um seine Auto zu holen. Wir genossen noch einen letzten Kaffee in einem Gasthof und dann hieß es für mich Richtung Heimat zu fahren, die ich nach einigen Staus endlich gegen 0:30 erreichte. So ging eine wunderschöne Woche in den Bergen leider wieder viel zu schnell zu Ende.