Andreas Wienekes Bergtouren Seiten
Nach den guten Erfahrungen mit der Bahn bei meiner Fahrt im Juni dieses Jahres hatte ich mich wieder entschlossen mit dem Liegewagen nach Franzensfeste und weiter nach Innichen zu fahren. Dies war eine sehr schlechte Idee, wie sich sowohl auf der Hin- wie auf der Rückfahrt raus stellen sollte. Ohne das hier weiter vertiefen zu wollen war das für mich die nun endgültig letzte Bahnfahrt zu einer Bergtour solange ich noch Auto und Führerschein habe!
 
Da das Wetter nördlich der Alpen seit Wochen schlecht bis wechselhaft war, hatte ich mich entschlossen nach Südtirol zu fahren. Leider war das Wetter jenseits des Brenners schlechter als in Österreich. Na ja ich fuhr nach und ließ mich vom Haunhold Sessellift 300 Hm zur Haunhold Hütte hochziehen. Unten und hier oben herrschte reges Treiben, denn der August ist der Urlaubsmonat der Italiener. Ich sah mich etwas um und genoss einen ersten italienischen Cappuccino.
 
Nun ging's los: Ich folgte den Weg Nr. 7 nach SO. Das war zunächst ein breiter geschotterter Wirtschaftsweg, der in leichtem auf und ab in Richtung Innerfeldtal verlief. Nach gut einem km kam ich zum Wegweiser, bei dem der Weg zum Haunholdköpfl abzweigt. Nun stieg ich auf einem schönen Bergpfad vorbei an der Innicher Alm mal steiler, mal weniger steil zunächst durch Tannen-, später durch Lärchenwald. In knapp 1.800 m Höhe gabelt sich der Weg, zum Köpfl zweigt dabei er dort nach rechts (S) ab. Er stieg nun gut 100 Hm etwas steiler an um dann ein kurzes Stück nahezu waagerecht nach SW zu verlaufen. Dann ging's im Zickzack steil nach N den Berg hinauf. Etwas unterhalb des Gipfels gab es noch ein Quelle, die ich dankbar nutzte, den es war recht schwül warm. Danach ging's noch ein Stückchen steil bergan, aber bald schon nur noch leicht ansteigend hinauf zur flachen Schulter.
 
Hier oben hatte ich ein wunderbares Panorama hinunter nach Innichen und dem Bereich der Haunhold Hütte, in die Zentralalpen, aber auch bereits hinüber in die zentralen Sextener Dolomiten. Als es nach einiger Zeit etwas zu regnen begann machte ich mich wieder an den Abstieg. Glücklicherweise sprühte es nur kurz, so brauchte ich weder meinen Anorak, noch mein Rucksackcape auszupacken. An der Quelle füllte ich Wasser in meine Flasche nach und steig dann auf gleichem Wege wieder hinab zur Weggabelung.
 

 
Dort angekommen wandte ich mich nach rechts (SO) und traversierte die O-Flanke des Haunhold durch den schönen lichten Lärchen- und Tannenwald zunächst noch etwas leicht ansteigend, bald aber wieder abfallend hinab ins Innerfeldtal. Etwas oberhalb des Parkplatzes verlor der Weg plötzlich ca. 50 Hm steil an Höhe und erreichte den breiten Wirtschaftsweg, der zur Hütte führt. Glücklicherweise gibt es einen schmalen Pfad, der parallel zur Straße verläuft und der deutlich schöner als diese Alpenautobahn ist. Hier höre ich bereits in den Bergen oberhalb gelegentlich ein Gewitter rumpeln. Schließlich erreichte ich eine eingezäunte Weide bei der Hütte und kurz darauf die zwischen einigen Lärchen stehende selbst.
 
Ich genoss erst mal ein Skiwasser und ließ mir dann ein Lager geben, während es draußen inzwischen heftig zu regnen begann, ich hatte die Hütte also noch recht zeitig erreicht. Die Hütte hat sogar warme Duschen, die ich gerne nutzte, da ich diese Gelegenheit in den nächsten Tagen wohl nicht mehr haben würde. Abends gab es wie immer auf den italienischen Hütten Primo-, Secondo Piati und Dessert.
 
Als ich morgens gegen 8 Uhr starte, hängen im Tal tiefe Wolken und die ganze Gegend ist noch sehr feucht vom Regen der Nacht. Der Weg {105} führt zunächst sehr moderat steigend in das Tal hinein. Dieser Teil des Tals erinnert mich sehr an das Wimbachgries, denn es geht genau wie dort über einen mächtigen Schuttstrom. Auch der folgende Teil, der steile Aufstieg auf der linken (SO) Seite erinnert mich an die Berchtesgadener Alpen, an die Saugasse. Da ich nun in den Wolken bin, schwitze ich mich kaputt, der Schweiß läuft mir nur so runter und meine Stimmung ist daher nicht die beste.
 
In ca. 2.000 m Höhe konnte ich erstmalig den blauen Himmel über mir erkennen und meine Stimmung bessert sich deutlich. Besonders schön war der Rückblick auf das wolkenverhangene Innerfeldtal und die Berge südlich von mir. Als erster Gipfel kam hinter dem Morgenkopf nun rechts (SW) der besonders markante Schwabenalpenkopf und bald schon links (SO) der Toblinger Konten heraus. Schließlich wurde der Weg etwas flacher und nach einem Mini Canyon erreichte ich den Sattel zwischen Toblinger Konten und Gwengalpenjoch, hier oben war nun bestes Wetter.
 

 
Beim Aufstieg begegneten mir bereist die ersten Reste von Kriegsbauten, in diesem Fall eine verfallenen Baracke. Die gesamte ehemalige österreichisch - italienische Grenze (zwischen Südtirol und den anderen italienischen Provinzen) war im Ersten Weltkrieg Schauplatz von blutigen Kämpfen zwischen Österreich und Italien. Referenzen zu Homepages werde ich hier nicht geben, da die, die ich gefunden habe meist wenig objektiv nur die Österreichische Seite betrachten, bis hin zur unterschwelligen Forderung nach der Wiedereinsetzung der Monarchie in Österreich. Meines Erachtens erstaunlich neutral, mit treffender Realistik und ohne großes Pathos hat der Weltkriegsteilnehmer Luis Trenker die Schrecken des Gebirgskrieges in seinem Buch und Film "Berge in Flammen" beschrieben.
 
Man begegnet daher auch in den Sextener Dolomiten, wie überall an der ehemaligen Grenze noch alten Schützengräben, Bunkern, Stollen und Wällen. Die Klettersteige waren Verbindungs- oder Versorgungswege und stammen daher meist ebenfalls aus dieser Zeit. Der Gipfel des Toblinger Knotens war im ersten Weltkrieg Standort eines Artillerie Beobachters, daher wurden zwei Klettersteige dort hinauf angelegt, der "Leitersteig" und der "Feldkurat Hosp Steig". Beide Klettersteige wurden rekonstruiert, heute jedoch mit Stahlseilen und -leitern. Der Leitersteig verläuft sehr steil, meist in senkerechtem Fels und hat eine Höhe von 110 m bei einer Länge von nur 160 m. Man sollte ihn folglich nur für den Aufstieg nehmen. Bilder des Leitersteiges gibt es im Netz zuhauf, einfach mal mit "Toblinger Knoten" googeln.
 
Auf dem Weg vom Paternsattel zur Drei Zinnen Hütte waren noch gar keine Wanderer zu erkennen, deshalb vermutete ich, dass die Klettersteige am Toblinger Konten noch recht leer sein müssten und beschloss sofort zum Leitersteig aufzusteigen. Vom Sattel aus geht's dazu steil das Schuttfeld des Knotens hinauf, bis an seinen Wandfuß und dann den roten Dreiecken nach N um den Klotz herum. Bei einem in den Fels geschlagenen Bunker an der NW-Seite lege ich mein Klettersteigzeug an. Da der Steig schwierig sein soll, überlege ich noch meinen Rucksack von allem unnötigen zu leeren und die Sachen im Bunker zu lassen. Da ich aber auch in den nächsten Tagen Klettersteige mit vollem Rucksack machen und mich schon mal daran gewöhnen will, lasse ich den Gedanken fallen und gehe auf einem anfangs schmalen Band nach O um den Wandfuß herum zum Einstieg.
 
Der Einstieg, eine 4 Meter hohe Verschneidung, ist für den gemeinen Bergwanderer bereits so schwierig (geschätzt III) ist, dass Personen mit wenig Kletter(steig) Erfahrungen sicher von der Begehung dieses Steiges abgehalten werden. Außer dem Seil gibt es auf diesen ersten Metern nicht viele ausgeprägte Tritte oder Griffe. Auf den Einstieg folgen dann bald schon eine steile Rinne, eine kurze Querung und die erste von insgesamt 17 teils etwas überhängenden Leitern. Nun folgt beinahe Leiter auf Leiter durch senkrechte, teils recht enge Kamine. Weil ich meine Teleskopstöcke seitlich am Rucksack verstaut hatte stieß in dem engen Kamin damit immer wieder and den Fels und kam nur weiter als ich mich schließlich etwas aus dem Fels heraus lehnte. Eine der Leitern querte einen Kamin nur wenig geneigt, so dass man darauf einen wunderschönen Tiefblick hinunter zum Wandfuß hat. Nach der 10. Leiter, bereits weit oben in der Wand, folgte eine ausgesetzte Querung nach links (NO) und darauf die restlichen sieben Leitern, die mich dann nach insgesamt ca. 25 Minuten zum breiten Gipfel (2.617 m) brachten, den ich eine kurze Zeit völlig für mich allein hatte.
 

 
Die Aussicht dort oben war einfach toll: gegenüber die Drei Zinnen und der Paternkofel, im SW der Mt. Cristallo, im S die Drei Schuster Spitze, im O der bizarre Elfer- und im SO der nicht weniger phantastisch geformte Zwölferkofel. Mit der Zeit füllte sich der Gipfel, denn über beide Steige kamen nun Kletterer hinauf. Ich hatte zwar eigentlich noch nicht genug gesehen, aber es wurde mir dort oben zu voll und ich begann den Abstieg über den Feldkurat Hosp Steig. Dieser ist, obwohl ebenfalls steil und teils recht luftig, deutlich einfacher als der Leitersteig. Er verläuft fast durchgängig gesichert im Zickzack die NO Flanke des Knotens hinab. Nach kaum 20 Minuten war ich wieder unten.
 
Bevor ich nun zur Hütte ging "eroberte" ich noch schnell den Sextenstein. Das ist ein kurzer Anstieg vom Verbindungsweg zwischen Toblinger Knoten und Drei Zinnen Hütte. Dort oben beschloss ich am selben Tag noch die Schusterplatte zu besteigen, denn auf den Seiten von Stefan hatte ich eine schöne Beschreibung des Aufstiegs gelesen. Zunächst ging ich aber zur um Quartier zu machen und einen großen Teil meiner Sachen dort zu lassen. Die Hütte (ist vom Parkplatz beim in kaum einer Stunde über einen breiten Weg leicht zu erreichen. Entsprechend voll war der Bereich der Hütte mit "Halbschuhtouristen". Trotz des großen Andranges in der Hütte war es aber problemlos möglich ein Lager zu bekommen und nach einer kleinen Erfrischung ging ich los in Richtung Schusterplatte.
 
Ich traversierte den Hang des Sextensteins und Toblinger Knotens hinüber zum Innichriedl und umging von dort aus eine Felsstufe im Bogen ansteigend nach NW. Oben angekommen traf ich wieder auf Reste des Krieges: verfallene Schützengräben, Bunker und in Maschendraht gefasste Deckungen. Der gut markierte Weg verlief nun vor allem im oberen Teil zunächst etwas unangenehm steil und rutschig absteigend in den Innichbacher Graben und verlor dabei gut 50 Hm. Anschließend ging's über Fels und Schotter hinüber nach NW unter die SO Abstürze der Schusterplatte und dort dann mühsam im Zickzack über den Schotter aufwärts. Dadurch, dass ich erst auf der Hütte war, hatte ich das gute Wetter verpasst und es hatte sich inzwischen wieder zugezogen.
 
In 2.500 m Höhe schließlich hatte es keinen Zweck mehr, denn es wurde immer dunkler und die Wolken kamen immer tiefer herunter. Ich brach die Besteigung ab und ging auf gleichem Weg zurück zur Hütte. Dabei sah ich erst die dunkelgrauen Wolken, die sich hinter der Schusterplatte in im Bereich der Sextener Rotwand zusammengezogen hatten. Hin und wieder rumpelte es dort auch heftig, so dass ich sicher war den richtigen Entschluss gefasst zu haben und nachdem ich kaum eine halbe Stunde auf der Hütte war schüttete es wie aus Eimern. Das Abendessen schließlich war noch mal ein Erlebnis. Es gab extra für den Tag angefertigte Menükarten mit Bild der Hütte und verschiedenen Gerichten pro Gang zur Auswahl und die Bedienungen flitzten nur so hin und her.
 
Der Tag begann wunderschön, ohne eine Wolke am blauen Himmel. Ich wollte nun die Schusterplatte erneut in Angriff nehmen. Auf dem Weg zum Berg hatte ich immer wieder einen schönen Blick hinüber zum Toblinger Knoten und zurück zum Pass bei der Drei Zinnen Hütte. Nach dem ich die Stelle erreicht hatte an der ich am Vortag umgekehrt war, ging's noch etwas weiter im Zickzack durch das Geröll aufwärts, bis zu einer felsige Stufe. Diese wird teils in leichter Blockkletterei in Richtung SO überwunden. Danach geht's wieder im Schotter steil den Berg im Bogen nach NW hinauf bis zu einer ca. 50 m hohen sehr steilen Rinne.
 
In der verläuft der Weg auf etwas rutschigem Geröll weit hinauf. Etwa 15 m vor deren Ende wird nach links aus der Rinne heraus gequert. Dabei ist das schwierigste Stück des Aufstieges, eine ca. vier Meter hohe teils brüchige Steilstufe in IIer Kletterei zu überwinden. Danach verläuft der Weg zunächst steil und ausgesetzt nach links den Berg hinauf. Gefolgt von einer flacheren Stelle in der zwei Rinnen gequert werden. Schließlich geht's erneut durch eine Rinne, die aber deutlich flacher und einfacher ist als die erste, 10 m aufwärts. Hier hat man schon fast die Höhe des Gipfels erreicht und es folgt nur noch der immer flacher werdende, lange Aufstieg über den breiten felsigen Rücken zum Gipfel (2.936 m).
 
Die Aussicht dort oben ist einfach einzigartig. Da die Schusterplatte einer der höchsten Berge in den Sextener Dolomiten ist und recht solitär steht, hat man einen nahezu ungestörten Rundumblick. Im Norden reicht der sogar bis in die Zentralalpen. Ich blieb einige Zeit dort oben und ließ mir die Sonne auf den Leib scheinen. Schließlich mache ich mich aber doch an den Abstieg, denn ich will ja noch auf den Paternkofel. Der Abstieg verläuft exakt auf dem Anstiegsweg. Bei der Kletterstelle oberhalb der ersten Rinne erlebe ich noch eine Schrecksekunde. Als ich den besten Weg zum abklettern suche und die Griffe im Fels prüfe, und an einem etwas mehr rüttele, löst sich diese ca. 30 x 40 x 20 cm große Platte, die ich gerade als Griff verwenden wollte. Manchmal hat man einen sechsten Sinn, Schwein gehabt! Von da an prüfte ich alle Griffe noch sorgfältiger. Der direkte senkrechte Abstieg in die Rinne war nun nicht mehr möglich, daher querte ich auf kaum Fußbreiten Tritten schräg in die Rinne hinein. Der folgende Abstieg durch die Rinne geht erstaunlicherweise besser als der Aufstieg.
 

 
Bis dahin hatte ich den Berg allein für mich, beim Aufstieg kamen mir dann die ersten Wanderer entgegen. Durch den Schutt rausche ich an ihnen vorbei während sie sich wie ich zuvor hinauf keuchen. Auch bei der felsigen Stufe geht's nun deutlich besser abwärts, vermutlich weil beim Aufstieg die Wegführung nicht so gut zu erkennen war. Weiter hinab in den Innichbacher Graben, wieder aufwärts zum Sattel, und erneut abwärts und vorbei an den verfallenen Schützengräben und Bunkern ging's rüber zum Innichriedl und weiter zur Drei Zinnen Hütte. Dort war wieder Kirmes, denn das schöne Wetter hatte natürlich viele Touristen angelockt.
 
An der Hütte machte ich gar nicht erst Pause, sondern ging gleich weiter in Richtung Paternkofel. Dazu folgte ich dem Weg, der unmittelbar auf den Grat führt. Bald schon traversiert er etwas ausgesetzt die rechte (SW) Flanke und umgeht dabei einige kleinere Türme, wechselt danach auf die andere Seite und nach kurzer Zeit steht man vor dem Eingang des Stollens, wo ich meine Ausrüstung anlegte. Eigentlich braucht man für den Stollen nur eine Lampe und einen Helm, das Klettersteigset braucht man erst am oberen Ausgang des Stollens anzulegen. Selbst die Lampe braucht man im unteren Teil des Stollens nicht unbedingt, da dort noch sehr viele "Fenster" für Licht sorgen.
 
Der Tunnel ist allerdings teils recht niedrig, so dass ich des Öfteren gebückt gehen musste, was sehr anstrengend war. Nach längerem Zickzack durch den Tunnel verlässt man den Tunnel, quert ein ca. 10 m langes offenes Stück und verschwindet im zweiten Teil des Tunnels. Hier braucht man die Lampe unbedingt, denn dieser Teil ist stockfinster. Keine Scharte oder Spalt lässt Licht hinein. Außerdem besitzt dieser Teil sehr steile Stufen mit recht großer Stufenhöhe; der Weg wurde sehr anstrengend. Nach einem bezüglich der Höhe für mich nicht schätzbaren Aufstieg wurde der Weg wieder sehr flach, machte einige Biegungen und kam schließlich in einem größeren Raum aus, der zwei Fenster und einen Durchgang nach außen hatte. Hier hätte ich das Klettersteigset eigentlich erst anlegen brauchen, denn unmittelbar außerhalb des Durchgangs beginnt der Klettersteig.
 
Ich konnte nicht direkt losgehen, denn mehrere Leute mussten erst noch den Klettersteig hinunter. Da sie etwas unsicher waren dauerte das entsprechend. Der Einstieg zum Klettersteig ist wie so oft die Schlüsselstelle. Es gilt eine drei Meter hohe ziemlich senkrechte Wand wieder mal mit wenigen Tritten oder Griffen zu überwinden. Danach ist der Steig teils recht einfach, dann kann man ihn sogar völlig ungesichert gehen. Er verläuft nun entlang der und über die schon vom Sextenstein aus gut erkennbaren Kante in der Mitte der NO-Flanke des Paternkofels. Kurz vor der Gamsscharte gibt's nach mal eine etwa 2 m hohe etwas schwierigere Stelle mit wenigen Griffen. Schließlich erreichte ich die Gamsscharte auf der sich drei Wege treffen, der De Luca Innerkofler Steig durch den Tunnel, der Invalidensteig von der Büllelejoch Hütte und der Aufstieg vom Paternsattel aus.
 

 
Vor dem Gipfelglück ist aber noch eine etwa 20 m hohe, fast senkrechte Wandstufe im Zickzack an guten Seilen zu überwinden. Danach ging's meist einfach, gelegentlich unterbrochen von einer kurzen Ier Stelle in Kehren hinauf zum breiten Gipfel (2.744 m). Auch hier oben war die Aussicht überwältigend, obwohl es sich inzwischen mehr und mehr zuzog. Nach einer aussichtsreichen Rast ging's auf gleichem Weg zurück zur Gamsscharte.
 

 
Als nächstes sollte mich mein Weg in Richtung Büllelejoch Hütte führen. Ich hatte dazu den Invalidensteig gewählt, der über den vom Paternkofel herabziehenden O-Grat verläuft. Auch dieser Teil war überwiegend mit Seilen versichert. Ein Klettersteigset wird hier aber nicht unbedingt benötigt, einen Helm sollte man aber trotzdem tragen. Man überstieg auf dem Steig mehrere kleine Gipfel, passiert zwei breite Brücken die über interessante Spalten führen und umrundet das eine oder andere Türmchen, bis man schließlich auf eine abfallende breite Fläche kommt. Man hat den Eindruck nun geht's nur noch auf einfachem Weg hinüber zur Büllelejoch Hütte, aber völlig unerwartet taucht plötzlich noch eine Spalte auf, die Forca die Larghi.
 
Die Forca die Larghi ist eine ca. 10 m breite und 20 m tiefe Kerbe mit fast senkrechten Wänden, die quer zum breiten Gart verläuft. Man kann sie nicht umgehen, sondern muss an guten Seilen und über eine Leiter hinab in den Grund und auf der anderen Seite genauso (nur ohne Leiter) wieder hinauf. Es gibt zwei Wege, und es empfiehlt sich den südlichen zu wählen, der nördliche ist sehr unangenehm zu gehen. Nun hatte ich wirklich den einfachen Weg zur Hütte erreicht. Er nun führte südlich um den Bodenknoten herum, passierte den Abstieg zum Weg 104, stieg etwas an passierte das Büllele Joch und bald war ich and der gleichnamigen . Dort stärkte ich mich mit einer Suppe und Skiwasser. Obwohl die Oberbachern Spitze mit nur knapp 150 Hm Unterschied in einer ¾ Stunde leicht zu erreichen gewesen wäre, sparte ich mir den Gipfel, denn es war schon spät und ich war von den beiden Gipfeln und den Klettersteigen zu erschöpft.
 
Ich nahm das letzten Stück des Tages in Angriff. Es führte ebenfalls auf leichtem Bergpfad entlang der Wände auf das Oberbachernjoch zu, querte es und der Weg wurde breiter. Er führte nun in mehreren Kurven nicht übermäßig steil die flachen S-Hänge des Einsers hinab, bis ich plötzlich beinahe unmittelbar vor dem stand. Abends wurde es noch recht frisch, so dass ich nicht mehr draußen sitzen mochte. Die Hütte ist ganz schön, die Lager ebenfalls, die Wirte und Bedienungen sehr nett, lediglich vier Toiletten für die ganze Hütte sind morgens ein bisschen wenig.
 
Von der Hütte ging ich mit etwas Höhenverlust auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 5 { 103 }. Bald schon aber stieg der Weg nicht allzu steil hinauf in Richtung Forcella Giralba bis zu einem Wegweiser. Dort zweigt der Weg { 101 } in Richtung Alpinisteig ab. Er führte nun ohne großen Anstieg über den von der Hohen Leist herüberziehenden Felsrücken. Am jenseitigen Ende führte er ein bisschen die Felsen hinauf und nach rechts (SO) in den Beginn der Schlucht am Ende des Bacherntales hinab. Hier überholte ich zwei junge italienische Pärchen, die sich trotz des noch recht einfachen Weges ängstlich an den Felsen klammerten; ich war glücklich sie bald überholen zu können.
 
Nun ging's über gestufte Felsen im Bogen nach O in das Innere Loch hinab. Die tiefste Stelle erreichte ich mit 2.350 m auf einem Schneefeld, von dem der Weg wieder nach NW über die Schuttfelder unterhalb der La Mitra anstieg. Bald darauf hatte ich den Beginn des Klettersteiges erreicht und legte meine Ausrüstung an.
 
Nun wurde es interessant. Der Weg führte auf 1 - 2 m breiten Bändern nur sehr moderat ansteigend durch die fast senkrechten Wände von La Spada, Zsigmondykopf und Elferturm. Fast der ganze Weg ist mit guten Seilen gesichert und die Tiefblicke sind teils wirklich atemberaubend. Schon kurz nach Beginn des Steiges erreicht man die berühmte Stelle, die immer wieder in Büchern und auf Postkarten und auch hier auf dieser Seite zu sehen ist. Der Weg taucht an dieser Stelle ca. 30 m tief in die Wand ein. Anfangs musste ich dort auf allen vieren den Pfad hinein krabbeln, da der Fels dort doch sehr niedrig ist. Am Ende hat man den berühmtem Blick: Helle Öffnung gegen die dunklen Wände rechts und links, sagenhaft! Am Ende des Spalts war ein vier Meter breiter Schneerest zu queren, was aber gut ging, da der Schnee recht fest war. Nun ging's wieder aus dem Spalt heraus und weiter hinein in das "Innere Loch".
 
Wieder führte der Weg hoch über dem Talboden durch die steilen Wände auf teils steilem Pfad. Am Ende des "Inneren Lochs" galt es wieder einen Schneerest zu queren. Der war diesmal aber ca. 20 m breit und ein Bach floss darunter hinweg. Der hatte bereits ein gähnendes Loch zwischen Schnee und Fels darunter gefressen. Ein Ausgleiten auf dem Schneefeld hätte unweigerlich einen Sturz in den dunklen kalten Schlund geführt. Glücklicherweise war ein stabiles Drahtseil über das Schneefeld gespannt, so dass ich mich mit meinem Klettersteigset sichern konnte.
 
Der letzte Teil des Alpinisteigs führte nun wieder auf einem schmalen Band weiterhin leicht ansteigend aus dem Inneren Loch hinaus. Unter dem W-Grat des Elferturms endete schließlich der erste versicherte Teil des Alpinisteigs. Von dort aus ging's eine steile felsdurchsetzte Schuttflanke 50 m in zickzack nach N hinauf. Der Steig führte nun mit wunderschönen Ausblicken auf breiten Pfaden hoch über den steilen Abbrüchen des Elfers. Noch einmal querte ich ein größeres, steiles Schneefeld und erreichte dann nach einigem weiteren Anstieg schließlich die Elferscharte (2.650 m).
 
Wegen des mäßigen Wetters habe ich kein Panorama dort oben gemacht, aber ein sehr schönes findet sich in Reinis Bergwelt.
 
Hier galt es über den Weiterweg zu entscheiden, entweder Abstieg durch das Andertenalpen Kar zur Rotwandwiesen Hütte, oder weiter auf dem Alpinisteig über die Sentinella Scharte zur Berti Hütte. Ich erkundete zunächst den Weiterweg zur Sentinella Scharte. Nach 100 m hatte ich einen brauchbaren Blick auf diesen Teil des Alpiniwegs. Leider sah ich nur unangenehm viele Schneereste, schmale Pfade und darunter senkrechte Wände, aber keiner Seile darüber. Da ich alleine war und keine Grödel oder Steigeisen dabei hatte, wollte ich natürlich das Risiko eines Ausgleitens nicht eingehen und ging zurück zur Elferscharte.
 
Nach einer Pause nachte ich mich an den Abstieg { 124 }. Der führte zunächst steil hinab nach W, wobei einige Steilstufen teils an stabilen Seilen überwunden wurden. Bald schon führte der Weg aber wieder im Bogen nach NO und ich erreichte den obern Teil einer steilen, rutschigen Rinne, worin ich nun vorsichtig abwärts ging. Ich hätte leicht auf dem rutschigen Schotter abfahren können, aber da von unten Wanderer herauf kamen, verzichtete ich wegen des zu erwartenden Steinschlags darauf und folgte vorsichtig den Markierungen abwärts. Irgendwann wurde der Abstieg flacher und nach fast 500 Hm erreichte ich schließlich den Abzweig des Weges { 100 }, der mich zur Rotwandwiesen Hütte führen sollte.
 
Hier unten gab's wieder Latschen und Lärchen, was mir nach einigen Tagen im baumlosen Hochgebirge immer wieder besonders auffällt. Ich ging nun auf einem schönen Bergpfad leicht ansteigend unter den Rotwandköpfen zu einem Pass aufwärts. Hier änderte sich der Pfad schlagartig. Hatte er bisher über breite, flache baum- und buschdurchsetzte Wiesen geführt, ging's nun auf einem schmalen, recht ausgesetzten Pfad hinüber zur O-Seite der Rotwandköpfe und dort steil, teils über Holzleitern abwärts. Nun wand sich der Weg teils weiter etwas ausgesetzt etwas unterhalb des Grates entlang, bog abfallend um eine Aussichtskanzel herum nach SO und erreichte bald schon die Rotwandwiese mit der . Da die mit einer Seilbahn von Moos bei Sexten aus leicht erreichbar ist, herrschte hier ein unglaublicher Trubel.
 
Erwachsene saßen in Liegstühlen und Kinder tobten über die Wiese. Die Terrasse und der Gastraum der Rotwandwiesen Hütte quollen über vor Menschen und die Keller und Kellnerinnen sausten nur so hin und her. Trotzdem schafften sie es mir ein Lager zuzuweisen und mir den Duschenschlüssel zu geben, ohne dabei durch den Stress irgendwie unfreundlich zu werden. Nach dem Duschen suchte ich mir ein etwas ruhigeres Plätzchen und wartete geduldig. Obwohl die letzte Seilbahn erst um 19 Uhr fuhr, leerte sich der Platz schon gegen ca. 16 Uhr recht schnell. Nun wurde es deutlich ruhiger hier oben und ich konnte mich in einem der Liegstühle noch etwas sonnen.
 
Während ich in der Sonne döste und mich ausruhte, hörte ich die vertraute Stimme einer Bekannten. Ich sagte mir aber, dass das nicht sein könne. Erst als sie von der Schule erzählte, sie ist Lehrerin, richtete ich mich auf und wir waren beide perplex. Es war tatsächlich Uli, eine gute Bekannte von mir. Sie war hier mit drei anderen Freundinnen, hatte an diesem Tag die Sextener Rotwand bestiegen (mein Ziel für den Folgetag) und wollte morgen über den Alpinisteig hinüber zur Carducci Hütte. Es folgte ein großes Hallo ob des unerwarteten Treffens und der Austausch von Wegbeschreibungen der jeweils durchgeführten Touren.
Bevor ich morgens losging verabschiedete ich mich nach dem Frühstück noch von Uli und ihren Freundinnen und machte mich dann an den Aufstieg zur Sextener Rotwand. Das Wetter war morgens recht durchwachsen und der Gipfel der Rotwand war nicht zu sehen. Die Wirtin war so freundlich zwei Beutel von mir mit nicht benötigten Sachen in einem Abstellraum zu deponieren, weshalb mein Rucksack nun angenehm leicht war. Ich hatte beschlossen zum Burgstall und dann weiter über den Pass aufzusteigen. Von der Hütte aus ging ich also genau nach S und dann auf dem Weg { 15b } zur Rinne am W-Rand des Burgstalls. Der Anstieg wurde immer steiler und führte schließlich über Blöcke und um Blöcke herum die Rinne hinauf. Kurz bevor ich den Grat des Burgstalls erreichte zweigte der Aufstieg nach rechts (S) ab. Man legt besser hier unten das Klettersteigset an, denn etwas weiter oben wo die Seile beginnen ist es unkomfortabel steil.
 
In die folgenden Sicherungen kann man sich einhängen, aber der Weg führt meist einfach genug über die Felsen aufwärts, so dass man es eigentlich nicht müsste. Nach einigem teils steilen Aufstieg trifft der Weg { 15b } auf den über die Rotwandköpfe heraufkommenden Weg. Man folgt nun dem Weg teils über gut gestuften Fels, mal mit, mal ohne Stahlseile, und teils über Geröll weiter aufwärts. Bald folgt die erste Schlüsselstelle des Aufstieges, eine ca. drei Meter hohe Verschneidung ohne viele Tritte, die man aber an den Seilen mit etwas Armkraft leicht überwindet.
 
Dahinter folgte wieder Geröll und gut gestufter Fels, der dort, besonders nahe eines Grates teils etwas ausgesetzt und abgespeckt war. Ich passierte den Grat und ging auf der anderen Seite deutlich komfortabler und nur leicht abfallend über eine breite Flanke auf die Anderter Scharte zu. Vor der Scharte liegt eine breite Senke, in der sich noch gut erhaltene Reste einer Unterkunftsbaracke befanden. Die Scharte selbst ist immer noch mit Steinwällen gesichert.
 
Hinter der Scharte trennen sich die Wege. Der rechte führt steil abfallend zum Alpinisteig und zur Sentinella Scharte hinüber. Der linke Weg verläuft etwas abfallend weiter an der steilen Wand des N-Grates der Rotwand entlang auf einem schmalen Pfad in Richtung des Gipfels. Hier waren keine Sicherungen vorhanden; jetzt im August waren sie allerdings auch nicht nötig. Nach 200 m erreichte ich eine 10 m hohe Steilstufe, die unter anderem mittels einer uralten Holzleiter überwunden wird. Dahinter eröffnet sich ein Plateau mit einem Denkmal für die im Gebirgskrieg Gefallenen.
 
Ich querte das Plateau leicht ansteigend nach SO, erreichte aber bald schon eine weitere Steilstufe, die ich wieder an Seilen in leichter Ier Kletterei auf gut gestuftem Fels überwand. Danach folgt noch eine kurze Strecke über eine geröllige Flanke und schließlich die zweite Schlüsselstelle des Aufstieges, ein 15 m hohes fast senkrechtes Stück Wand. Hier gibt es aber gute Tritte und ich hatte auch dies schnell hinter mich gebracht. Nun ging's weiter im Zickzack die steile Flanke hinauf bis fast hinein in die Scharte zwischen Haupt- und Nordgipfel. Durch die Scharte verläuft der Weg zur Via Ferrata Zandonella. Auch im Bereich der Scharte, hier in fast 3.000 m Höhe waren noch Unterstände und Bunker in den Fels getrieben. Mein Weg wandte sich nach links (N) und ich erreichte ohne größere Steigung eine sehr enge Scharte unmittelbar unterhalb des Gipfels. Der Weg zum Gipfel selbst führt gegen den Uhrzeigersinn herum zu seiner N-Seite.
 
Im Gipfelbuch stellte ich fest, dass ich an diesem Tag der erste auf dem Gipfel war, verewigte ich mich und fand auch einen Eintrag, den Uli's Gruppe am Vortag hinterlassen hatte. Während des gesamten Aufstiegs hatte der Himmel nur sporadisch aufgerissen und auch hier oben war ich immer wieder von Wolken eingehüllt, so dass ich kaum eine Aussicht genießen konnte. So verließ ich dann bald den Gipfel und traf nahe der Gabelung zur Via Ferrata Zandonella die ersten Wanderer die meinen Weg, sowie über die Ferrata herauf kamen. Ich folgte im Abstieg dem Weg, den ich heraufgestiegen war bist zum Abzweig zu den die Rotwandköpfen.
 
Nun folgte ich diesem Weg, der zunächst weiter flach nach NW abfiel. Bald schon erreichte ich aber einen steilen, 50 m hohen Absatz. Der Abstieg führte nun fast senkrecht, und an einer Stelle auch etwas überhängend, an guten Eisenleitern und Stahlseilen hinab in eine geröllige Rinne. Die querte ich nach N und erreichte den Weg, entlang der Rotwandköpfe. Er verläuft nun teils steil abfallend und mit gelegentlicher kurzer Blockkletterei immer etwas unterhalb des Grates. Im unteren Teil geht's schließlich noch zwischen Latschen hindurch, bis der Weg wieder mit meinem Weg vom Vortag { 100 } zusammentraf.
 
An der Rotwandwiesen Hütte angekommen gönnte ich mir erst einmal eine Jause. Es war nicht ganz so voll wie am Vortag, den das Wetter war deutlich schlechter. Schließlich holte ich mir meine zwei Beutel wieder und verstaute sie im Rucksack. Eigentlich wären meine nächsten (und letzten) Ziele die Klettersteige Roghel und Gabriella gewesen. Diese sind von Hüsler als schwierig und mittel eingestuft und mit 7 - 9 Stunden von der Berti zur Carducci Hütte angegeben. Die Wettervorhersage war jedoch schlecht; zum Mittag des Folgetages sollte es bereits wieder Gewitter geben. Ich beschloss daher, dass ich es nicht riskieren wollte im Klettersteig vom Gewitter überrascht zu werden und fuhr mit der Seilbahn hinab nach Moos. Es folgte ½ Stunde Fußweg nach Sexten, wo ich mir ein Zimmer in dem Hotel Mondschein geben ließ. Es war nicht unbedingt der Knaller, aber ich konnte duschen und hatte ein gutes Bett.
 
So endete diese Tour etwas vorzeitiger als geplant. Trotzdem war sie insgesamt sehr schön gewesen. Die restlichen Klettersteige laufen mir nicht fort und in den nächsten Jahren werde ich sie bestimmt noch begehen. Über die Rückfahrt mit der Bahn am nächsten Tag möchte ich mich hier nicht auslassen, sie hat jedoch ebenfalls maßgeblich zu meinem Entschluss nie wieder mit der Bahn zu einer Wandertour zu fahren beigetragen.