Hanspaul Menara, Athesia Verlag, Bozen
Wieder einmal hatte ich mir einen Teil der Hufeisentour durch die Sarntaler Alpen vorgenommen. Auch diesmal hatte ich wieder Liegewagen gebucht. Es sollte von Düsseldorf über München nach Meran gehen. Leider hatte der Herr im DB Reisezentrum einen Liegewagenplatz gebucht den es im Waggon gar nicht gab. Ich hatte aber Glück und wurde im Schlafwagen untergebracht. Das Bett war aber genau über dem Drehgestell, wodurch die Nacht etwas laut und unruhig war. Entschädigt wurde ich durch ein Frühstück im Speisewagen, das beim Schlafwagenplatz inklusive war.
Gegen Mittag war ich dann endlich im wieder ein mal im warmen . Ich fuhr mit dem Bus zur Seilbahnstation des Meran 2000 und ließ mich direkt auf ca. 2.000 m hochziehen. Von dort aus ging ich auf einem breiten Fahrweg {3} leicht ansteigend (bis auf eine kleine Steilstufe) über die Pfiffinger Alm am SO-Hang des Ilfingers entlang. Nach einiger Zeit zweigte ein Weg {19} nach St. Oswald bzw. Kühleiten ab. Auf diesem gings nun steiler in das Tal zwischen Ilfinger und Verdinser Plattenspitze hinein. Die Kapelle St. Oswald ließ ich links liegen und stieg weiter zur Oswaldscharte (2.323 m) beim Gasthof Kühleiten hinauf. Der Gasthof hatte noch geschlossen, daher ging ich direkt weiter und stieg den W-Grat des Ilfingers hinauf.
Der Weg fiel zunächst etwas von Kühleiten aus ab um dann steiler und steiler auf sehr gutem Bergpfad die Wiese am Grat hinaufzusteigen. Etwa 50 Hm vor dem Gipfel des kleinen Ilfingers zweigt der Weg zum Großen Ilfinger nach rechts ab. Hier machte ich eine kleine Pause und studierte den Weg zum Gipfel hinauf, der von dort aus teilweise sehr gut zu erkennen ist.
Nach einiger Zeit ging ich los um den Gipfel zu besteigen. Den Rucksack hatte ich auf einem flachen Stück gegenüber dem Einstieg stehen lassen und nur Anorak, Fernglas, Kamera und Handschuhe (wegen der Seile) mitgenommen. Der Weg ist größtenteils mit Seilen und Ketten versichert. Der Ansteig besitzt den Charakter eines leichten Klettersteigs.
Er führt zunächst etwa 100 m weit steil aufwärts entlang der Nord-Seite des Grates. Ausgerechnet an einigen nicht versicherten Stellen war noch Schnee und Eis vorhanden, daher überwand ich diese Stellen nur mit äußerster Vorsicht, denn der Wandbereich dort ist sehr steil und ein Ausgleiten hätte einen Sturz von etwa 300 Hm zur Folge gehabt. Am Ende dieses Stücks wird ein kleiner Paß überwunden und es folgt ein kurzes fast ebenes Stück. Nun kommen zwei schwierigere aber höchst eindrucksvolle Stellen, ein etwa 10 m hohes fast senkrechtes Wandstück, das nicht allzuviele Griffe und Tritte aufwies (jedenfalls nicht für einen Bergwanderer) nach einer kurzen etwas leichteren Stelle folgte erneut ein diesmal mehr als 20 m hohes wiederum griff- und trittarmes Stück. Danach ging es mit leichter Blockkletterei hinauf zum Gipfel, ich war dort der Einzige.
Der Blick vom Gipfel war atemberaubend. Durch seine Höhe und Lage hat man einen wunderbaren Rundblick. Im Westen Meran, nordwestlich der südliche Teil der Öztaler Alpen, die Texel Gruppe. Im Norden verdecken Hirzer und Hönigspitz die Stubaier Alpen. Im Nordwesten blickt man in die Schroffe Westwand der Verdinser Plattenspitze, im Südwesten auf Meran 2000 und den sich darüber erhebenden Großem Mittager. Dahinter reichte der Blick nach Osten weit über das Eissacktal hinweg bis zum Peitlerkofel und in den Bereich der Puezgruppe. Weiter westlich waren in voller Schönheit Sella, Lang- und Plattkofel, davor die Seiser Alm, König Laurin, der Rosengarten und das Latamar zu sehen, einfach wunderbar.
Nach dem ich mich sattgesehen hatte steig ich auf dem gleichen Weg wieder hinab zu meinem Rucksack, und von dort aus wiederum den Weg {19} vorbei an Kühleiten und St. Oswald runter zum Zusammentreffen mit dem Weg {3}, kreuzte diesen und sieh hinab zur Waldmannalm. Immer weiter absteigend folgte ich dem Weg über die Kirchsteiger Alm und erreichte den von Falzeben hinaufziehenden Fahrweg {14}. Nun ging es nur noch ein kleines Stückchen den Weg {E5} hinauf zur
Die Hütte ist eigentlich ganz schön. Natürlich, sie befindet sich in einem großen Skigebiet, aber hat nicht solch einen "Supermarkt" Charakter wie z.B. die Plose Hütte. Auch die Bedienung ist sehr freundlich. Toll fand ich allerdings die Zimmer. Es waren zwar Lager, aber nur acht in einem großen hellen Zimmer, es gab Spinde, ein Waschbecken mit warmen Wasser und frische Handtücher. Solchen Komfort hatte ich bisher noch auf keiner Alpenvereinshütte erlebt.
Eigentlich sollte es an diesem Tag von der Meraner Hütte über den Gebirgsjägersteig zum Hirzer und schließlich zu Hirzer Hütte gehen. Dies scheiterte vor allem daran, daß auf der Hirzer Hütte noch keine Nächtigung möglich war. Ich entschloß mich daraufhin eine Etappe zu überspringen und von er Meraner Hütte direkt mach Weißenbach zu gehen.
Zunächst gings leicht abwärts zur Kirchsteiger Alm, dann nach links auf einem breiten Wirtschaftsweg hinauf zur Kesselberg Hütte. Von dort aus hatte ich wieder einen wunderbaren Rundblick. Im Norden bis Osten tief in die Sarntaler Alpen hinein, im Südosten gegenüber der flache Buckel des Großen Mittagers, im Südwesten unterhalb Meran 2000 und im Westen das Ziel des Vortages, der Große Ilfinger. Weiter im Nordwesten der Verdinser Plattenspitz und die Kanzel Plattenspitz und ganz weit hinten der Hirzer. Davor der Gebirgsjägersteig an der Ostflanke von Verdinser- und Kanzel Plattenspitz.
Von der Kesselberghütte gings nach Westen ca. 200 Hm abwärts zum Missensteiner Joch und von dort aus auf dem Gebirgsjägersteiges nach Norden. Der Weg {4, E5} verlief zunächst fast eben hinüber zum ersten Grat, und von dort aus leicht abfallend zum wunderschönen Kratzberg See. Von dort aus gings immer wieder in leichtem auf und ab bis zum NO-Grat der Kratzbergspitze. Dort führt der Weg steil hinab in ein Bachbett, um dann wieder leicht zur Anter Alm hin anzusteigen. Dort verließ ich den Weg und machte mich an den Absteig nach Weißenbach. Von Absteig konnte aber zunächst noch keine Rede sein, denn es ging leicht ansteigend und dann eben entlang des Südhangs des Leiterspitzes. Am östlichen Hang begann dann der steile Abstieg über die Wiesen hinab zum Berghof Riebnstoan und dann weiter auf der Asphaltstraße durch Aberstückl und St. Bartholomäus hinab ins Penser Tal. Zunächst versuchte ich per Autostopp nach Weißenbach zu kommen, aber leider hielt keins der Fahrzeuge. Von den Touristen bin ich das gewöhnt, daß kein Einheimischer hielt war neu für mich. Ich machte mich mit dem Gedanken vertraut die restlichen ca. acht Kilometer nach Weißenbach zu Fuß zurückzulegen. Schließlich fand ich aber doch noch eine Bushaltestelle, genau in dem Moment als ein Bus vorbeikam. So war ich dann doch schnell an meinem Tagesziel. Ich nächtigte im , einem schönen Hotel, das mit 37 Euro HP auch nicht zu teuer war.
Vom Murrerhof aus ging ich zunächst das Bachbett des Weißenbachs nach Nordwesten entlang und dann weiter auf der Asphaltstraße hinauf zu den Wink Höfen und weiter zur Kuhberg Alm. Dort zweigt der Weg {8, 9} nach Osten ab. Es folgte ein ca. 4 km langes (300 Hm) recht steiles Stück betonierten Weges, bis ich an den Oberberg Hütten die gleichnamige Alm betrat und der Weg wieder flacher wurde. Nach den letzen Hütten gings auf einem schönen Bergweg {9} weiter über die Almflächen. Vor der nächsten Steilstufe machte ich eine Pause und genoß den Blick hinüber zu dem Unterbergtal und darüber dem Hirzer, den ich in diesem Jahr wegen der geschlossenen Hirzer Hütte nicht besteigen konnte, dem Alplerspitz.
Nach einiger Zeit ging ich weiter und überwand im Zickzack die nächste Steilstufe (ca. 200 Hm). Kurz danach traf ich in 2184m Höhe auf den vom Wanser Joch herabkommenden Weg {12}. Nun wurde es mühselig, denn der Weg war zunehmend mit Altschnee bedeckt. Auch wurden die Markierungen, da unter dem Schnee verborgen, immer spärlicher. Ich überwand eine weitere Steilstufe und hatte nun den Weg endgültig verloren, nur eine Steigspur war zu sehen der ich nun folgte. Leider zeigte sich, daß dieser Weg nicht zum Gerölljoch führte. Ich mühte mich entweder in weichem Altschnee, oder rutschigem Geröll mit einigen Pausen den Paß hinauf. Den erreichte ich jedoch nicht direkt, sondern ich kam ca. 100 m zu weit südöstlich aus. Glücklicherweise war es leicht hinüber zum etwas höher gelegenen Paß zu gelangen. Dort gönnte ich mir erst mal eine ausgiebige Pause und genoß den wunderbaren Rundblick bis hinüber zu den Stubaier- und Zillertaler Alpen im Norden und den Sarntaler Alpen im Osten.
Beim nun folgenden Abstieg hatte ich es leicht, denn es ging {12a} über ein riesiges Schneefeld 200 Hm hinab zu den Steinwandseen. Dort wurde der Weg ebener und verlief in leichtem auf und ab über die Bergflanken des Gartl- und Rothenspitzes. Kurz vor dem Penser Joch See verlor der Weg dann noch mal etwas (100 Hm) an Höhe und nach kurzer Zeit war ich an dem von Motorradfahrern stark bevölkerten Penser Joch. Bevor ich mich im einquartierte stieg ich noch auf den nahe dem Joch gelegenen Gänsekragen (2.322 m).
Der Blick in die Zentralalpen (Tuxer-, Stubaier- und Zillertaler Alpen)war überwältigend. Von hier aus sah ich deutlich die Berge meiner Stubai Tour von 1998: Wilder Freiger Wilder Pfaff, Sonnklarspitz und Zuckerhütl. Sogar die beiden Unterkunftshäuser Müllerhütte und Becherhaus glaubte ich erkennen zu können.
Das Zimmer im Gasthof war nicht allzu groß, Toilette und Dusche (gegen Extragebühr) auf dem Gang. Mit 25 Euro alleine für ÜF war die Unterkunft deutlich weniger preis- und empfehlenswert als das Zimmer im Murrerhof. Die Lage jedoch, auf einem "Aussichtsbalkon" gegenüber den Stubaier- und Zillertaler Alpen ist wirklich unvergleichlich.
Der heutige Tag sollte mich über Sterzing nach hause bringen. Als "Abstieg" hatte ich mir den Weg über den Zinseler (2.422 m) gewählt. Nach ca. ½ Stunde war ich dort. Hier genoß ich noch mal die tolle Aussicht in die Zentralalpen und hinunter nach Sterzing. Nach kurzer Zeit begann ich den langen Abstieg (ca. 1.500 Hm) nach Sterzing.
Der Weg {14} folgte vom Gipfel aus zunächst dem Verbindungsgrat zwischen Zinsler und Mandlseitejoch (2.185 m). Es ging steil und etwas weglos über Blockwerk abwärts, auf eine vier Fußballfelder große Hochebene. Dann wieder weiter hinab über eine schmales Stück Grat. Beim Aufstieg zum Mandlseitejoch querte ich dessen steilen Westhang. Vom Joch aus folgte ich weiter dem Weg {14}. Dabei querte ich den Wirtschaftsweg mehrere Male um schließlich auf ihm den Weiler Gupp (1.460 m) zu erreichen. Hier folgte ich der Asphaltstrasse in der Hoffung auf einen Autostopp.
Leider mußte ich noch ca. 500 Hm weiter der Straße abwärts folgen bevor mich eine nette Junge Frau mit nach nahm. Leider war der Zug nach Norden weg und der nächste kam erst in einigen Stunden. Ich beschloß, um überhaupt noch in der Nacht wieder in Düsseldorf zu sein, für akzeptable 25 Euro mit dem Taxi zum Brenner zu fahren. So erreichte ich doch noch einen günstigen Zug und war am frühen Abend wieder zu Hause.