Der Titel im DAV-Summit Katalog lautete "Hochgebirgsdurchquerung, Weißmies bis Alphubel". Es waren fünf 4000er in den Saaser Alpen geplant. Leider waren wegen des schlechten Wetters von fünf vorgesehenen 4000ern nur 2¾ möglich, schade. Dafür waren Gruppe und Bergführer klasse!


 

Blick zum Mittaghorn und Mattmark StauseeWieder einmal bestieg ich gegen halb elf Uhr abends in Düsseldorf den Nachtzug. Leider hatte ich ein Sechser Liegeabteil gebucht, das auch noch voll belegt war. Ich teilte mir das Abteil mit einigen sehr netten jugendlichen Koreanern, die in Europa auf Siteseeing Tour waren. "Ganz neu umgebaut" wie mir der Mitarbeiter der Bahn bei der Buchung versichert hatte war der Wagen nicht. Im Gegenteil, ein uraltes Ding, das keinerlei Klimatisierung hatte. Dementsprechend warm wurde es dann nachts auch dort drinnen. Ich schlief entsprechend schlecht. Eine erneute Fahrt mit der Bahn werde ich mir für meine zukünftigen Touren noch mal reiflich überlegen.
 
Blick über Saas AlmagellAm frühen Morgen war ich in Basel und dort ging es weiter per IC nach Brig. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt von Frutigen nach Brig durch die Berner Alpen und schließlich, nachdem der Zug den Lötschbergtunnel verlassen hat das Stück hoch über der jungen Rhone nach Brig. Von Brig aus gings per Postbus nach Saas Grund und nach Umsteigen dort war ich kurz vor Mittag schließlich in Saas Almagell. Das Hotel Central, zu dem mir ein Bekannter geraten hatte war wegen Umbaus geschlossen, aber im etwas teureren Hotel Spycher bekam ich ein schönes Zimmer.
 
Blick über Saas FeeNach dem einchecken fuhr ich mit dem Bus zurück nach Saas Grund und von dort aus mit der Seilbahn hoch zum Kreuzboden. Dort beginnt ein wunderschöner Höhenweg, der zurück nach Saas Almagell führt. Außerdem hatte ich von hier aus schon einen wunderbaren Blick auf die im Westen gegenüberliegende Allalin- und Mischabelgruppe mit den Bergen, die ich in der kommenden Woche besteigen wollte: Strahlhorn, Allalinhorn und Alphubel.
 
Gams am Wyssi FlüeDer Weg führt von der Seilbahnstation ein kleines bißchen ansteigend nach Süden hinweg über die Triftalb. Hoch über Saas Grund geht man auf dem Weg, an dessen Rand ca. alle 100m kleine Täfelchen mit Erläuterungen zu den hier wachsenden Gebirgsblumen stehen, sehr interessant! Diese Gegend war zu dieser Zeit wirklich sehr reich an blühenden Blumen. Der Weg führte westlich unterhalb um das Triftgätji herum durch eine Geröllsturzzone in einen weniger schönen Teil hinein, der über und über mit Lawinenbebauungen verschandelt war. Hier gab es einige "psychologische" Seilsicherungen. Bald jedoch, am Hehbord war der Weg wieder ein schöner Bergweg. Immer wieder bewunderte ich die reiche Blumenpracht hier oben. Etwa ab der Wyssi Flüe wurde der Weg schmaler und führte schließlich um den SW Grat des Trifthorns herum. Hier oben beäugte mich ein junger Steinbock aus sicherer Entfernung. Die Almageller AlmBald fiel der Weg steiler ab und führte in einigen Kehren hinunter zur Almageller Alm wo ich mir eine Pause gönnte.
 
Nach ca. ½ Stunde und einer Suppe ging ich weiter nach Westen hinab nach Saas Almagell. Zunächst wenig steil hinab durch den oberen Teil auf der nördlichen Seite des des Almageller Tals. Bei Chuelbrunnji führte eine breite Brücke über den Almageller Bach. Bald darauf wurde der Weg steiler und führte im Zickzack die Nordwestflanke des Unters Horns hinab, zurück nach Saas Almagell. Im Hotel gab es abends ein sehr schmackhaftes 4 Gang Menü, was will man mehr?


 

Der Weiler FugstaldenDas FuggtalIch frühstückte so früh es ging und machte mich auf den Weg. Die ersten 250 Hm sparte ich mir und ließ mich gegen acht Uhr mit dem Sessellift zu dem Weiler Fuggstalden hochziehen. Das Wetter war ganz gut, etwas bedeckt, vor allem am Grenzkamm im Süden hingen die Wolken. Von der Bergstation aus geht man nach rechts (S) über die Wiese und überwindet eine erste kleine Stufe. Bald darauf erreicht man bei einen Fahrweg, dem man aber nur zwei Kurven weit folgen sollte. Dann verläßt man den Fahrweg nach links und geht auf einem schönen Bergpfad durch den Blattenwald leicht ansteigen hinüber zum Berghof Furggu. Hier öffnet sich das breite Furggtal. Der übrigens sehr gut markierte weitere Weg verläuft weitgehend auf der linken (östlichen) Seite des Tals. Ich ging das Tal hinauf, vorbei an den steilen Bergflanken des Sonnig-, Latel- Nollen- und Stellihorns, dabei werden immer wieder kleinere Steilstufen überwunden. Während ich das Tal hinauf ging zogen sich die Wolken immer weiter nach Süden zurück. Ich freute mich schon, daß der Paß und der Weg zur Jazzilücke dann frei von Wolken sein könnte, aber in 2600 m Höhe waren die Wolken dann schon über mir. Ich stieg noch bis ca. 2800 m steil an und ging dann noch ca. 200 m weit fast eben durch sehr grobes Blockwerk hinüber zum Antronapass (2838 m).
 
Der Weg bei der JazzilückeDer Weg bei der JazzilückeHier oben war es kalt, und windig daher fiel meine Pause im Schutz der Felsen nur sehr kurz aus. Hier traf ich die ersten beiden von insgesamt nur 4 Wanderern, die mir auf dieser Tour begegneten. Die beiden gingen direkt weiter zum leicht zu erreichenden Latelhorn (3198 m). Bald ging ich weiter den NO-Grat des Jazzihorns aufwärts. Der Weg hält sich teils etwas luftig immer entlang des Grates, bis man den Grat in ca. 3060 m Höhe nach Süden in ein flaches Kar hinein verläßt. Leider war durch die Wolken die Orientierung teilweise sehr schwierig, denn ich hatte zeitweise kaum 20 - 50 m weite Sicht. Daher mußte ich das eine oder andere Mal ein Stück zurück gehen um die Markierungen zu suchen. Nach einiger Zeit hatte ich mit ca. 3150 m den höchsten Punkt meiner Tour erreicht, etwa 200 m entfernt von der Jazzilücke. Nun wurde es interessant: Es ging auf schmalem Pfad zunächst ca.10 m steil und recht ausgesetzt hinab dabei waren die Seile an der Seite eine gute Hilfe. Wie ausgesetzt der Pfad allerdings war konnte ich leider durch die Wolken in denen ich mich befand nicht sehen. Der Weg ging wieder ca. 15m steil hinauf und führte dann mehr oder weniger eben auf dem schmalen Pfad hinüber zur überraschend auftauchenden Jazzilücke (3081 m)
 
Mattmark und AllalingletscherBlick auf Saas AlmagellBesonders eindrucksvoll ist hier der senkrechte ca. 100 m Tiefblick zwischen den Platten auf denen man steht hindurch auf die steilen Ostabstürze des Jazzihorns. Auch hier machte ich nur eine kleine Pause. Es ging auf einem guten Weg steil hinab durch die Jazziwäng im oberen Teil des Ofentals. In etwa 2800 m Höhe traf ich zwei andere Wanderer, die die Tour in umgekehrter Richtung machen wollten. Hatte ich vorher noch überlegt später noch zum Monte Moro Pass hinüber zu gehen, so zerschlug sich dies Vorhaben bald. Zwar wurde der Weg wieder flacher, leider setzte nun aber auch leichter Regen ein, der sich im Laufe des Abstieges durch das Ofental immer mehr verstärkte. Bei dem Abzweig zum Monte Moro Pass war der Regen so stark und die Wolken so niedrig, daß ich das Vorhaben aufgab und mich an den weiteren Abstieg machte. Nach der letzten Kuppe konnte ich auf den Mattmark Stausee blicken. Nun ging es noch mal steil hinab auf den Rundweg um den See herum. Der Regen hörte erst auf, als ich den Rundweg ca. 500 m vor der Staumauer erreichte. Ich querte die Staumauer und trocknete nahe der Bushaltestelle in der nun wieder warmen Sonne. Von hier aus konnte man direkt von unten in die eindrucksvollen Eisbrüche des Allalingletschers sehen. Nach einer Suppe du einem Cappuccino bestieg ich den Bus, der mich für 6 SFR zurück nach Saas Almagell brachte. Auf dem Weg kurz nach der Staumauer bemerkte ich mehrere Schilder, die das Wandern und fahren auf der Westseite des Tals wegen Eisschlages vom Allalingletscher verboten. Abends beim Essen im Hotel traf ich noch zwei nette Mitwanderinnen der folgenden Woche, Sigrid und Netty.


 

In Saas FeeFür 14 Uhr war das Treffen mit dem Rest der Gruppe angesagt, daher ließen wir drei uns Zeit und frühstückten erst spät. Nachdem wir unsere Zimmer geräumt hatten machten wir uns auf den Weg nach Saas Fee. Der Weg führt gemütlich ansteigend entlang der Nordosthänge des Mittagshorns direkt in den Ortskern, den man so nach einer guten halben Stunde erreicht.
 
Saas Fee ist ein schönes Örtchen ohne Fahrzeugverkehr. Alles war transportiert werden muß wird mit kleinen Elektroautos oder per Handkarren durch die Gegend gefahren. Sehr schön ist vor allem auch der Blick nach Westen gegen die von hier aus riesigen Wände der Allalin- und Mischabelgruppe. Interessant ist aber auch, daß der Ort, der zweifelsohne stark durch den Wintertourismus gekennzeichnet ist keine "Bettenburgen" aufweist. Selbst kleine Obst- und Gemüsegärten sind noch mitten im Ort zu finden. Hier entdeckte ich in einem Blumenladen Edelweiß und Enzian (vermutlich Nachzuchten) die dort in kleinen Pflanztöpfchen verkauft wurden (offiziell also). Ich beschloß am Ende der Tourenwoche welche für meinen Garten Zuhause mitzunehmen.
 
Die Almageller HütteNach einiger Zeit war es soweit, daß wir zurückgehen mußten. Im Hotel trafen wir noch Johannes, die Bergführer Martin und Lisi und vier weitere Mitwanderer. Wir ließen (auf Martins Insistieren hin) alles, was wir nicht wirklich brauchten im Keller des Hotels zurück; Ich hatte viel zuviel mitgenommen! Schließlich war es soweit und wir machten uns an den Aufstieg zur Almageller Hütte.
 
Den ersten Teil des Weges kannte ich ja bereits, denn ich war ihn schon am Freitag im Abstieg gegangen. Martin und Lisi schlugen ein scharfes Tempo ein, vermutlich um die Kondition der Truppe zu testen. So waren wir bald an der Almageller Alm. Von dort aus führt der Weg zunächst noch ca. 1km weit leicht ansteigend entlang der N-Seite des Almageller Tales. Bei einer kleinen Brücke rasteten wir kurz, leider setzte nun wieder Regen ein. Bald nach der Brücke ging es steiler im Regen hinauf. Der Weg führte in vielen Kehren 500 endlose Höhenmeter steil durch die Wolken und den Regen aufwärts. Kurz vor der Hütte wurde das Gelände wieder flach, eine letzte kleine Stufe wurde überwunden und wir waren in der vollbesetzten Hütte. Da der Speiseraum nicht alle Wanderer gleichzeitig faßte wurde in zwei Schichten gegessen. Auch die Lager waren bis auf den letzten Platz besetzt, entsprechend knapp war der Platz für unser Gepäck. Das Abendessen war aber wie auf allen Schweizer Hütten bisher wieder ausgezeichnet.


 

Weissmies SüdgratWeismies GipfelDiesmal ging es früh los, über den Südgrat aufs Weismies und auf der anderen Seite wieder runter zur Hohsaas Hütte. Der Aufstieg wird von Richard Goedeke mit PD (wenig schwierig), der Absteig mit PD- beschrieben.
 
Zum wecken um halb vier war "die ganze Hütte" auf den Beinen. Wir frühstückten und eine Stunde später machten wir uns durch das Dunkel hindurch auf den Weg zum Zwischenbergpass. Nach einer kurzen Steilstufe wurde der Weg kurz flacher, steig aber bald wieder steiler über die Restschneefelder hinauf zum Paß. Wir gingen ein kleines Stück auf dem Südgrat, wandten uns aber bald nach Osten und legten unterhalb eines großen, steilen Schneefeldes unsere Gurte und Steigeisen an. Das Wetter hatte sich erheblich gebessert und es kündigte sich mit dem Morgengrauen ein schöner Tag an.
 
Bald stiegen wir das steile im zickzack Schneefeld hinauf. Nach ca. 500 Hm wanden wir uns wieder dem Südgrat zu, zogen unsere Steigeisen aus und rasteten erstmal ausgiebig. Nach der Pause folgten noch 200 Hm schöner, leichte Kletterei in Ier Gelände bevor wir in 3972 m Höhe plötzlich auf dem Vorgipfel standen. Hier legten wir unsere Steigeisen wieder an und gingen die restlichen 200 m hinüber zum Hauptgipfel (4017 m).
 
Das Panorama auf dem Weissmies

Auf dem WeissmiesDas LagginhornDas Wetter hatte gehalten was es am Zwischenbergpass versprochen hatte, es waren nur wenige Wolke am Himmel. Im Westen gegenüber standen die Mauern der Allalin- und Mischabelgruppe. Im Norden reichte der Blick vom Lagginhorn und hinüber zu den Berner Alpen mit Jungfrau und Mönch weiter über den Simplonpass und das Tessin hinweg bis zum Bergell und der Bernina im Osten. Im Südwesten war der Lago Maggiore zu erahnen. Nach einiger Zeit, es war recht kalt dort oben, machten wir uns an den Abstieg. Der Weg führte etwa einen km entlang des W-Grates abwärts dabei führte die Spur in respektvollem Abstand an den mächtigen Wächten vorbei. Bei einem kleinen Paß kurz vor dem Westgipfel wandte sich der Weg nach NW und führte nun weiter dem Triftgletscher hinab. Hier hatten wir einen interessanten Blick auf die vielen Wanderer, die noch den Gletscher hinaufstiegen. Nach einem kurzen steilen Abstieg passierten wir zunächst einige imposante Spalten und querten kurz darauf in äußerst steilem Gelände eine gefährliche Seraczone. Hier beeilten wir uns etwas, den wer möchte schon gerne in eine Eislawine geraten. Der Weissmies StockAuf dem flachen Plateau unterhalb gönnten wir uns eine kurze Pause. Beim folgenden weiteren Abstieg wurde der Gletscher zunehmend aperer und schließlich erreichten wir den nördlichen Rand des Triftgletschers. Noch ein kleiner Gegenanstieg und wir waren an der Hohsaas Hütte (3101 m, privat).
 
Die Hohsaas Hütte ist eigentlich nur das Gasthaus der Bergstation der Seilbahn und der Charme war entsprechend. Die Lager mit ausgesprochen wenig Stauraum befinden sich im Gebäude der Bergstation, ca. 50 m entfernt vom Gasthaus. Wer nicht zu kaputt ist sollte lieber weiter zu den 500 m tiefer liegenden Weißmies Hütten absteigen. Nichts desto trotz, die Lager waren sauber, die Wirtsleute und die Bedienung sehr nett und das Essen gut.


 

Die Weissmies HüttenFür diesen Tag war eigentlich die Besteigung des Lagginhorns vorgesehen. Leider war die Wettervorhersage für diesen Tag sehr schlecht. Unsere Bergführer peilten morgens früh die Lage, stellten aber fest, daß das Wetter tatsächlich so schlecht wie vorausgesagt war und ließen uns ausschlafen.
 
In Saas FeeNach dem Frühstück boten uns die Bergführer an etwa Theorie zum Bergsteigen uns Wandern zu machen. Wir übten den Einsatz des Kompasses, des Höhenmessers und des GPS. Am späten Vormittag schließlich stiegen wir von Hohsaas aus zunächst nach NW hinab zu den Weißmies Hütten und dann nach SW zum Chrürboden, Bergstation der Seilbahn hinab. Das Lagginhorn lugte zwar hin und wieder sich zwischen den Wolken hindurch, insgesamt war das Wetter aber sehr wechselhaft. Besonders als wir mit der Seilbahn nach Saas Grund hinabfuhren wurde der Regen recht heftig. Dafür hatten wir in Saas Grund Glück und erwischten sofort den Bus, der uns direkt nach Saas Fee brachte.
 
Die Britannia HütteDort angekommen bummelten wir ein bißchen durch den Ort, aßen etwas zu Mittag und trafen uns am Nachmittag an der Seilbahnstation, um zum Felskinn hochzufahren. Die Mondlanschaft des Skigebiets dort sieht im Sommer einfach erbarmungswürdig aus. Vom Felskinn führt ein leichter Weg in 45 Minuten hinüber zur Britannia Hütte (3030 m, SAC). Sie liegt wunderschön auf dem Grat der Hinteren Allalin. Der Blick reicht von den Bergriesen im Osten jenseits des Saaser Tals und dem Bereich beim Mattmark Stausees im Süden bis hin zu Flucht-, Strahl-, Rimpfitsch- und Allalin Horn im Südwesten.
 
Die Lager waren die besten, die ich jemals auf einer Hütte hatte. Keine "Pferdedecken", sondern schöne, dünne Plümos. Auch der Stauraum in den Lagern war wirklich wunderbar groß, das Hüttenpersonal war sehr freundlich und das Essen prima. Bloß für mein Mobiltelefon gabs keinen Empfang. Ansonsten eine der schönsten Hütten in der ich jemals war.


 

Auf dem AllalingletscherObwohl es beim Abmarsch kurz vor vier Uhr windig war und leicht schneite gingen wir im Schein der Stirnlampen unverzagt los. Zunächst gings die südliche Flanke des Hinteren Allalins ca. 100 Hm hinab auf den Hohlaub Gletscher, den wir über die offenen Spalten springend überquerten. Auf der Seitennmoräne des Allalingletschers balancierten und kletterten wir über die großen Blöcke. Bald hatten wir den Allalingletscher erreicht und stiegen nach dem Anlegen der Gurte und einbinden ins Seil unterhalb des Hohlaubgrates den Gletscher hinauf.
 
Auf dem AllalingletscherNach einer kleinen Steilstufe erreichten wir eine weite Hochebene im Kessel zwischen Allalin-, Strahl-, und Fluchthorn. Der Blick zum Adlerpass mit den darin hängenden Wolken ließ noch nichts gutes erwarten. Auch zogen die Wolken oberhalb der Gipfel mit ernormer Geschwinigkeit, was ein ungemütliches Gipfelerlebnis erwarten ließ. Hier oben auf der Hochebene blies uns der Westwind den Schnee von Allalinpass und Rimpfischhorns heftig ins Gesicht. Wir versuchten die vielen Spalten hier oben vorsichtig zu umgehen, was aber nicht immer gelang. So passierte es gelegentlich, daß der eine oder die andere gelegentlich mit einem Bein durch eine Spaltenbrücke brach.
 
Auf dem AllalingletscherDer starke, böige Wind blieb, als wir die nächste Steilstufe unterhalb des Rimpfischhorns überwanden. Immer wieder wurden unsere Gesichter von starken Windböen mit Eiskristallen "gesandstrahlt". Wir umgingen eine letzte große Spalte und hatten schließlich den Adlerpaß erreicht. Da der Sturm hier noch stärker war, rasteten wir nicht lange und machten uns an den Aufstieg, den Nordgrat des Strahlhorns hinauf. Wir zogen die Kapuzen zu, aber die Sicht wurde immer schlechter. Bald konnte ich gerade noch meine Seilschaft erkennen, sonst aber fast nichts mehr. Auf dem AllalingletscherSo waren schließlich alle froh, als Martin schließlich den Aufstieg wegen der schlechten Verhältnisse abbrach. Auch die uns folgenden Seilschaften, oder die, die den Aufstieg über das Fluchthorn versucht hatten brachen nach und nach den Aufstieg ab und nachten sich an den Abstieg.
 
Der erfolgte auf dem Aufstiegsweg wobei in der Hochebene wieder gelegentlich jemand die Spalten etwas "erkundete". Gegen Mittag waren wir wieder auf der Hütte und konnten dort in der Sonne sitzend beobachten, wie sich der Sturm nur langsam legte. Die Gipfel waren nur am Nachmittag einige Zeit von weniger Wolken bedeckt. Abends hatte sich das Wetter dann jedoch wieder eingetrübt.


 

Auf dem HohlaubgratAuf dem Hohlaubgrat Für diesen Tag war die Überschreitung des Allalinhorns geplant. Der Aufstieg wird von Richard Goedeke mit PD+, der Absteig mit F (leicht) beschrieben.
 
Wir konnten "ausschlafen", es ging erst um kurz vor fünf Uhr los. Das Wetter war sehr verheißungsvoll. Der Himmel war sternenklar und es war nicht allzu kalt. Wir stiegen wie am Vortag auch die südliche Flanke des Hinteren Allalins ca. 100 Hm hinab auf den Hohlaub Gletscher. Diesmal jedoch blieben wir auf dem Gletscher und querten ihn nach SW aufsteigend auf dem Hohlaubgrat zu. Auf einem vergleichsweise flachen Stück legten wir unsere Steigeisen und Gurtzeug an und banden uns Seil ein.
 
Kurz danach querten wir nach Norden ein sehr steiles, teils eisiges und spaltendurchsetztes Stück. Etwas oberhalb davon bewunderten wir den herrlichen Sonnenaufgang. Wir waren inzwischen etwa auf Höhe der Bergstation Mittel Allalin, die Britannia Hütte lag schon weit unter uns. Immer wieder steigen wir an Rand der Südostabbrüche durch felsige, schon etwas apere Stellen den Grat aufwärts und freuten uns hoch über dem Allalingletscher am schönen Blick nach Süden auf Rimpfisch-, Strahl- und Fluchhorn. Auf dem Weg, den wir gingen waren einige andere Seilschaften hinter und vor uns, aber auch auf dem Aufstieg zum Strahl- und Fluchhorn konnten wir manche Seilschaft erkennen, das wunderbare Wetter wollten also auch viele andere Seilschaften ausnutzen.
 
Auf dem HohlaubgratAuf dem HohlaubgratDer Anstieg blieb steil und nach einem weiteren Firnhang erreichten wir in 3597 m Höhe einen Gratgipfel, eine schneebedeckte Kuppe. Nach einem kurzen Abstieg (ca. 30 Hm) ging es wieder recht steil aufwärts. Wir zickzackten uns immer weiter den Hohlaubgrat hinauf und machten in 3800 m Höhe die erste längere Pause. Wieder freuten wir uns an dem wunderbaren Panorama, der Blick reichte von der Ostwand des Doms über die Berner Alpen, Lagginhorn und Weissmies bis hinüber zu Rimpfisch-, Strahl- und Fluchhorn. Nach einer letzten steilen Stelle blickten wir in 3837 m Höhe auf die letzte Schwierigkeit des Anstiegs: eine überwächtete, teil mehr als 40° steile Firnflanke mit einer sich anschließenden ca. 20 m hohen IIer Stelle. Martin nahm uns ans kurze Seil und es konnte losgehen. Ein ausrutschen auf diesem Gratstück hätte für die ganze Seilschaft im günstigsten Fall mit einem 400 Hm Rutsch über einige Abbrüche und Spalten geendet, daher gingen wir nun besonders aufmerksam die Flanke hinauf. Am Ende der Flanke überwanden wir noch die IIer Stelle und bald danach befanden wir uns bei bestem Wetter, der Himmel war fast wolkenlos, auf dem Gipfel des Allalinhorns (4027 m).
 
Auf dem HohlaubgratDas AllalinhornWie nicht anders zu erwarten waren hier oben bereits einige andere Seilschaften, so daß wir für das obligatorische Gipfelfoto etwas "anstehen" mußten. Danach pausierten wir, weil windstiller etwas westlich unterhalb des Gipfels. Besonders interessant war eine fünfer Seilschaft, die sich in ein nagelneues Seil im Wortsinne eingebunden hatte. Sie hatten kurzerhand auf lästiges Gurtzeug verzichtet und sich das Seil jeweils zwei mal um den Bauch gebunden, ein Schauspiel!
 
Das eigentliche Erlebnis allerdings war das sagenhafte Panorama vom Gipfel. Wir hatten einen durch keine Wolken getrübten 360° Blick (Panorama zum Download, 775 KB). Am markantesten stand im Südwesten in ca. 20 km Entfernung das Matterhorn und direkt rechts dahinter deutlich weiter entfernt das Mt. Blanc Massiv. Im Nordwesten und Norden standen die Riesen der Mischabelgruppe: Alphubel, Täschhorn, Dom und Lenzspitze. Jenseits des Saaser Tales im Norden die Berner Alpen und weiter im Nordosten Fletsch- und Lagginhorn sowie Weissmies. Genau im Süden Rimpfisch-, Strahl- und Fluchhorn und dahinter die Monte Rosa Gruppe mit der Duforspitze, dem Liskamm, den Zwillingen Castor und Pollux und schließlich dem leichtesten 4000er der Alpen dem Breithorn.
 
Das Panorama auf dem Allalinhorn

Blick gegen Monte RosaLeider muß man jeden Gipfel irgendwann mal verlassen. Hier war es nach ca einer ¾ Stunde soweit, daß wir uns an den Abstieg machten. Hatte ich gedacht oben wären schon viele Bergsteiger gewesen, so verschlug es mir beim Abstieg fast die Sprache. Auf dem Aufstieg "boxte der Papst". Während sich noch vergleichsweise wenige Seilschaften den Hohlaubgrat hinaufgearbeitet hatten, steigen hier auf dem leichten Weg vom Mittelallalin ganze Busladungen den Gletscher hinauf. Das FeejochTeilweise bis zu 15 Personen an einem Seil und eine Seilschaft nach der anderen. Es ging zunächst steil abwärts auf das Feejoch zu. Hier im Oberen Teil kreuzten wir den Aufstiegsweg glücklicherweise mehrfach, so daß wir den aufsteigenden nicht ausweichen mußten. Vom Feejeoch aus gingen wir aber immer öfter, weil der Weg flacher wurde, in der Spur weshalb wir wieder und wieder aus den Spur, mußten um die Aufsteigenden vorbeizulassen, einfach lästig. Wir passierten einige riesige Spalten, gingen im Bogen auf Mittel Allalin zu und schließlich nach Norden hinab zur Skipiste wo wir uns wieder aus dem Seil ausbanden.
 
Das Skigebiet und Mittel AllalinNun wurde es richtig langweilig, wir gingen am Rande der Skipiste entlang bis zu den untersten Skiliften. Rechts und links waren immer wieder einige interessante Spalten zu erkennen. Hier die Piste zu verlassen hätte schnell ein Verschwinden in einem der zahlreichen Löcher zur Folge. Nach der letzten aktiven Liftstation in ca. 3100 m Höhe gingen wir weiter nahezu eben über den Gletscher unter einem stillgelegten Lift die Spur einer Pistenraupe entlang. Hier war die Schneeauflage schon sehr dünn und bald stellte sich heraus, daß hier zwar Pistenraupen problemlos fahren, nicht aber Wanderer die zahlreichen tiefen Spalten (bis zu 20 m) gefahrlos überqueren können. So mußten wir uns ca. 500 m vor der Längflue Hütte noch einmal ins Seil einbinden, um einen eventuellen Spaltensturz abzufangen. Nach kurzer Zeit erreichten wir schließlich ohne Zwischenfall die Längflue Hütte (privat, 2869 m).
 
Das AllalinhornDas AllalinhornEigentlich ist dies eine Seilbahnbergstation mit angeschlossenem Bergsteigerlager. Ich frage mich immer wieder, warum die Hütten, die am leichtesten mit Gütern versorgt werden die höchsten Preise haben. Hier kostete 1 L Rivella sage und schreibe ACHT SFR!! Die abendliche HP war schmackhaft und reichlich, aber das Lager und die weit entfernten Toiletten (im Nebengebäude) ließen die 60 SFR für die HP als etwas reichlich erscheinen. Wer im Tal nächtigen kann sollte das tun, allein schon wegen der unverschämten Verpflegungspreise.


 

Das AllalinhornDas AllalinhornDie Wettervorhersage für diesen Tag war ziemlich schlecht gewesen, wieder stimmte sie und wieder einmal konnten wir morgens länger schlafen. Als wir schließlich gegen halb acht frühstückten hüllte sich der Alphubel in Wolken, die bis fast zur Hütte herunter reichten. Um wenigstens noch etwas an dem Tag zu tun stiegen am frühen Vormittag bis zum Spielboden ab und fuhren erst von dort aus mit der Seilbahn nach Saas Fee.
 
Dort kaufte ich in einem Blumenladen Edelweiss und Enzian, um sie später in meinem Garten einzupflanzen. Eigentlich sind das ja geschützte Pflanzen, dies schienen aber Nachzüchtungen zu sein für die diese Restriktionen nicht gelten. Der Weg nach Saas Almagell lag bald hinter mir und ich traf die anderen im Hotel Spycher wieder, wo wir unsere Rucksäcke stehen ließen.
 
Das AllalinhornAls Alternativprogramm hatten Bergführer den neuen "Erlebnisweg" oberhalb von Saas Almagell vorgeschlagen. Wir stiegen noch einmal in Richtung Almageller Alm den Hang aufwärts. Kurz vor der Brücke bei Chuelbrunnji zweigt der Weg nach rechts ab. Inzwischen hatte es leicht zu regnen begonnen, trotzdem gingen wir weiter. An den noch frisch abgeschnittenen Wurzeln konnte man sehen, daß der "Erlebnisweg" noch recht neu war. Nach einiger Zeit stiegen wir über Tritte im Fels etwas aufwärts und gelangten an eine erste etwa 30 m lange Hängebrücke (nix für mich, die schwankte mir zu sehr). Darauf folgten bald wieder einige Felsen, die wir teils ohne, teils mit Eisentritten leicht überwanden. Nach einigem auf und ab erreichten wir die zweite etwa gleichlange Hängebrücke. Danach ging es steil über einige Stufen und Leitern abwärts und schließlich einen Bergweg hinab zu einem Parkplatz an einer Bergstrasse. Es regnete immer noch leicht als wir auf der Strasse zum Weiler Furgstalden und durch diesen hindurch abwärts in Richtung Saas Almagell gingen. Nach einigen Kehren auf dem, Bergweg hatten wir schließlich den Ort wieder erreicht.
 
Im Hotel aßen wir noch einmal gemeinsam zu Mittag, bis sich die meisten auf den Heimweg nachten. Ich blieb noch bis zum nächsten Tag im Hotel und genoß noch einmal die warme Dusche und das gute Abendessen im Hotel.


 

In der Nacht hatte es sich so richtig zugezogen und es regnete die ganze Zeit. Netty und die beiden Bergführer Martin und Lisi hatten ebenfalls im Hotel übernachtet, daher frühstückten wir ausgiebig zusammen. Anschließend reisten Netty und ich gemeinsam per Bus nach Brig. Dort erwischte ich den bereitstehenden Zug nach Basel und war nach einer wunderschönen Hochtouren Woche mit netten Bergkamraden und Bergführern am frühen Samstagabend wieder zu Hause in Düsseldorf.


 

Schöne Bilder von der gleichen Tour nur etwa einen Monat später gibt es auch auf den Seiten von Uli Sauter, einem Bergkameraden, den ich 2001 bei der Klettersteigtour in Arco kennen gelernt hatte.